Meine Erinnerungen an das alte Jahr erheben keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Es können nur Splitter sein, aufgenommen im Berufsleben
und in der allgemeinen Gesundheitspolitik.
So z.B. "reformierte" die große Koalition das ganze Jahr über am Gesundheitswesen.
Als endlich im Sommer nach einer langen Nachtsitzung im Kanzleramt - die Kanzlerin
hat dieses Thema zur Chefache gemacht - ein Kompromiß gefunden wurde, für
den man Eckpunkte festlegte, schien am Jahresende alles wieder zerbröselt.
Die mächtigen Lobbyisten hatten wieder einmal gewonnen und ein Aufbrechen
ver- krusteter Strukturen nicht zugelassen. Von wirklicher Reform kann also
keine Rede sein. Alles läuft darauf hinaus, ein immer teurer werdendes Gesundheitssystem
zu finanzieren. Und daran bleibt letztlich wieder einmal der Patient hängen.
Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zum Jahreswechsel lässt grüßen !
In unserem Berufsstand gab es so gravierende Ereignisse nicht, eher etwas
Licht und Schatten. Im Sommer wählte die FDH seinen Geschäftsführer, den Golf-Captain
Zizmann wieder zu seinem Präsidenten. Nur dem "Obergutachter" gelang es trotz
erheblichen Eigenlobs nicht, wieder zum Vize-Präsidenten gewählt zu werden.
Nicht nur wir Behandler, nein, auch er wurde diesmal ein Opfer seiner Gefällig-
keitsgutachten, die er nun, wo Funktionärsbezüge entfallen, wieder vermehrt
schreibt, wie ich bereits feststellen konnte, weil es sonst ein Loch in seiner
Privatschatulle gibt.
Als skandalös möchte ich den Vorfall bezeichnen, dass der fachlich sehr versierten
und betagten Kollegin Elfriede König nach
31 Jahren erfolgreicher Praxistätigkeit, die ohne negative Zwischenfälle verlief,
die Zulassung entzogen wurde.
Was war geschehen ?
Die Kollegin hatte in den Medien einen Fachartikel veröffentlicht, der ihr
sehr am Herzen lag, aber einigen Professoren der MHH nicht gefallen hat. Auf
deren Anregung lud der zuständige Amtsarzt sie zur erneuten Überprüfung vor.
Sofern kein Vergehen in der Praxis oder Verstoß gegen das HPG vorliegt, ist
eine derartige Maßnahme unüblich. Die Hp'in König suchte Hilfe bei ihrem Verband,
dem BDH. Aber dessen Präsidentin lehnte ab, saß dann aber im Prüfungsausschuß,
und auf ihr "Gedächtnisprotokoll" stützen Amtsarzt und Verwaltungsrichter
ihre Entscheidung. Dabei war ich bis jetzt immer der Meinung, Verbandsfunktionäre
sollten die Belange ihrer Mitglieder schützen. Habe ich da etwas falsch verstanden
?
Im Dezember starb drei Monate nach seinem 80. Geburtstag VDH-Präsident E.S.
Scharnick. Seine schwere Erkrankung forderte ihren Tribut. An seinem Ehren-
tag feierte sein früherer Präsident-Kollege Liebau ihn als "elder Statesmann".
Seine Anhänger bedauerten im Nachruf, dass "eine Lichtgestalt erloschen sei".
Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Wir sollten deshalb - selbst
für unseren Berufsstand - die "Ära Scharnick" als beendet ansehen und dem
VDH wünschen, dass er zu einem reformfreudigen Neuanfang findet, der die Heilpraktikerschaft
beleben könnte.
Ich kenne in diesem Verband, dem ich 15 Jahre angehört habe, viele junge dynamische
Kollegen, denen ich zutraue, den VDH in eine gute Zukunft zu führen.
Wichtige Berufsprobleme - wie gesicherte Ausbildung und geregelte Fach- fortbildung
- wurden im vergangenen Jahr nicht gelöst.
Wieder ist Zeit verstrichen, die wir eigentlich positiv hätten nutzen müssen.
Aber die großen Verbände haben diesbezüglich bis heute kein Konzept. Jeder
Spitzenfunktionär pflegt die eigene Profilneurose. Einigkeit war bisher nicht
zu erzielen. Gerade erst hat man uns durch die Verschreibungspflicht von Procain
und Lidocain die Neuraltherapie genommen, weil man sie in Händen eines Berufsstandes
ohne gesicherte Ausbildung als Gefahr für die Volksgesundheit sieht. Unsere
Funktionäre haben nichts daraus gelernt. Vielmehr haben sie auch klaglos hingenommen,
dass am 16.10.06 erneut die Prüfungsordnung geändert wurde. In der Vergangenheit
haben sie schon widerspruchslos akzeptiert, dass aus der im HPG vorgesehenen
Überprüfung eine medizinische Fachprüfung wurde. Aber eine entsprechende Ausbildung,
um dieser Anforderung gewachsen zu sein, fehlt
bis heute.
Ebenso zögerlich steht unsere Funktionärsspitze der Zertifizierung nach Iso
9001 gegenüber, mit der man eine Zukunftssicherung unserer Praxen anstreben
könnte. Ein Verbandspräsident, der das Wort "frei" in seinem Verbandsnamen
führt, sieht die Entwicklung unserer Praxen wirklich sehr freiheitlich, indem
er empfiehlt, jeder möge mit seinem eigenen Konzept selig werden, egal, wie
und wo er seine Praxis betreibt und welches Ambiente er dafür wählt.
Nun bin ich auch nicht dafür, dass man unseren Berufsstand in eine Schablone
presst. Aber es dürfte unstreitig sein, dass sich unser Image in der Öffentlichkeit
deutlich verbessern muß. Dazu gehören auch ein gewisser Leistungsstandard,
ordentlich geführte Praxen, so wie es die Zertifizierung vorsieht. Selbstverständlich
ist es jedem überlassen, ob er das mitmachen will. Jeder ist allein seines
Glückes Schmied und für seine Zukunftsgestaltung allein verantwortlich. Doch
wenn wir als Berufsstand in der Gesundheitspolitik unseres Landes mitreden
wollen, bedarf es noch großer Anstrengungen.
Und die haben wir 2006 verpaßt !