Die Privat-Krankenversicherungen und ihr Gutachter Weninger


von Rechtsanwalt Dr. Hugo Lanz


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2005

Krankenversicherungen haben eine vortreffliche Methode, sich vor dem Erstatten von Behandlungskosten zu drücken: Sie beauftragen Gutachter, die von den Aufträgen der Versicherungswirtschaft leben. Solche Gutachter wollen sich den Auftraggeber natürlich geneigt halten und werden in aller Regel zu Gunsten der Versicherungen begutachten.

Das Landgericht Köln beurteilt dieses Verhalten der Versicherungen wie folgt (AZ 23 T 1/04): "Die Ablehnung des Sachverständigen ist nach den Paragraphen 406 Abs. 1, 42 Abs. 1 ZPO gerechtfertigt. Die von dem Streithelfer vorgetragenen Gründe sind geeignet, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Sachverständigen vernünftigerweise Weise zu rechtfertigen, Paragraphen 406, 42 Abs. 2 ZPO. Geeignet in diesem Sinne sind nur objektive Gründe, die aus Sicht einer ruhig und vernünftig denkenden Partei Anlass geben, an der Unvoreingenommenheit des Sachverständigen zu zweifeln. Das ist hier der Fall. Der vom Amtsgericht ernannte Sachverständige Dr. Ludolph ist an dem Institut für medizinische Begutachtung in Düsseldorf tätig. Dieses Institut ist wie alle ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten nach der langjährigen Erfahrung des Gerichts ganz überwiegend im Auftrag von Versicherungsgesellschaften tätig. Deshalb besteht zumindest eine wirtschaftliche Abhängigkeit. Die Versicherungsgesellschaften beauftragen den Sachverständigen regelmäßig mit Gutachten insbesondere dann, wenn die Versicherungsnehmer Gutachten vorgelegt haben, die ihren Anspruch stützen. Dabei gelangt der Sachverständige regelmäßig zu anderen, der jeweiligen Versicherungen günstigeren Ergebnissen. Deshalb beauftragte das Gericht den sachverständigen überhaupt nicht mit Gutachten. In Fällen vorgerichtlicher Gutachten des Sachverständigen verwertet das Gericht diese auch nicht als Urkunden, sondern holt immer ein neues Gutachten ein" (Köln, 15.01. 2004, Landgericht, 23. Zivilkammer).

Der nach unseren Erkenntnissen häufig von der Signal beauftragte Gutachter Weninger ist unseres Wissens gutachtlich weit überwiegend für Versicherungsgesellschaften tätig. Unseres Erachtens besteht deshalb eine wirtschaftliche Abhängigkeit des Gutachters von der Versicherungswirtschaft. Diese führt dazu, dass Gutachter Weninger - wie es das Landgericht Köln formuliert - zu für die jeweilige Versicherung günstigen Ergebnissen kommt, das heißt, die Gutachten von Heilpraktiker Weninger sind als neutrale Gutachten unbrauchbar. Dies dürfte auch der Signal klar sein (1). Warum beauftragt sie dann einen Gutachter, dessen wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Versicherungswirtschaft nicht gesichert ist? Meines Erachtens würde eine Krankenversicherung, die neutrale und seriöse Begutachtung wünscht, auf keinen Fall Heilpraktiker Weninger beauftragen:

  1. Ein Gutachter muss eine Distanz zu beiden Parteien halten. Das ist natürlich für einen Sachverständigen, der wirtschaftlich abhängig ist, nicht möglich. So z.B. schreibt Weninger in einem Gutachten für die Colonia Krankenversicherung vom 12. 02. 1993 über den dort behandelnden Heilpraktiker: "Der Herr hat nicht alle Tassen im Schrank… .", "Haarsträubender Unfug.", "…Unsinn verzapfen.", "Der Herr ist eine schwere Gefahr für die Volksgesundheit." Dass die Signal Krankenversicherung einen Heilpraktiker als Gutachter beschäftigt, der seine Gutachten dazu benutzt, strafbare Beleidigungen zu verbreiten, ist nur schwer zu begreifen. Ist denn die Signal ihr Ruf egal?
     
  2. Da Weninger behauptete, der behandelnde Heilpraktiker sein eine Gefaht für die Volksgesundheit, übergab die Colonia (heute AXA) naiver Weise Weningers Gutachten an das zuständige Gesundheitsamt. Nun bekam Weninger es amtlich: Sein Gutachten war nicht nur beleidigend sondern auch fachlich unqualifiziert!
Polypragmasie?

Weniniger mokiert sich darüber, dass auf Heilpraktiker-Rechnungen oft "8 bis 10, oft aber auch 12 bis 14 Diagnosen" erscheinen. Dieser Vorwurf ist abwegig. Es ist ja wichtig, den Zustand des Patienten möglichst genau zu beschreiben. So erscheinen z. B. auf der Rechnung von Dr. med. H. 30 Diagnosen. Der Gutachter Ordinarius Prof. Dr. Winkelmann, der Direktor der Klinik für Allgemeine Orthopädie des Universitätsklinikums Münster hatte in seinem gerichtlichen Gutachten gegen die Nennung von 30 Diagnosen nicht das geringste einzuwenden.

Weninger verkennt, dass die Normwerte nur statistische Größen sind. Bei einem Gesunden mag der Wert außerhalb der Norm unproblematisch sein. Bei einem Kranken aber kann bereits ein Grenzwert innerhalb der Norm problematisch werden. Es kann im konkreten Fall daraus sinnvoll sein, einen noch normgerechten Wert zur Behandlung in einen optimalen Wert umzuwandeln. So etwa erklärt Ordinarius Prof. Maisch von Klinikum der Universität Marburg in einem gerichtlichen Gutachten von 10. 05. 2004, S. 12: "Doppelbestimmungen besonders von Grenzbefunden sind immer notwendig und bei Veränderungen sind erneute kurzfristige Kontrollen sinnvoll. Kommt es zu einer klinischen Verbesserung des Patienten, ist bei einer Normalisierung der Parameter ein indirekter Beweis dafür erbracht, dass ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den serologischen Veränderungen besteht. Kommt es zu einer klinischen Verschlechterung, sind Kontrollen ebenfalls sinnvoll, um den Verlauf der Erkrankung zu überwachen." Es ist also völlig verfehlt, bei einem Kranken einen Wert knapp innerhalb der Norm nicht zu beachten, nur weil er noch innerhalb der Norm liegt.

Weninger benimmt sich wie ein Schulmediziner um 1900 wenn er erklärt: "Ist die Vielzahl der Diagnosen auf einer Rechnung geradezu grob unsinnig. Auf der einen Seite kann gar nicht erkannt werden, welche Therapie dann überhaupt dem einzelnen Krankheitsbild zuzuordnen ist und was ist womit denn überhaupt therapiert worden?" Wenn hier etwas "unsinnig" ist, dann diese Aussage von Weninger. Richtig betrachtet der Heilpraktiker und Arzt Schietzsch die Sache in einem Gutachten für das Oberlandgericht München (AZ 8 U 2456/93): "Die biologische Medizin hingegen hat Krankheiten niemals ausschließlich als selbstständige Phänomene angesehen, sondern immer nur als Folge einer komplexen Störung im Organismus selbst wie auch in seiner Regulation im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren. Folgerichtig stand im Mittelpunkt des Interesses immer auch der Patient selbst. Alle sich hieraus ergebenden Gesichtpunkte bezüglich Diagnostik und Therapie ergaben sich dabei aus der individuellen Einschätzung des Patienten durch seinen Behandler, den Krankheitsneigungen des Patienten, seiner Lebensführung und vieler andere Gesichtspunkte mehr. Die Therapie besteht dementsprechend weniger in der Beseitigung einer krankmachenden Ursache, als vielmehr in der Anregung der Selbstheilungsmechanismen, die den kranken Organismus in die Lage versetzten, selbst wieder zu gesunden. Dies sind im engeren Sinne Maßnahmen zur Entgiftung, zur Entlastung des Organismus von Schadstoffen exogenen oder endogenen Ursprungs, die Anregung von körpereigenen Kompensationsmechanismen oder die direkte Einflussnahme auf bestimmte Körperfunktionen durch Medikamente wie Homäopathika, Phythotherapeutika und anderer Methoden wie z.B. Akupunktur oder Ozontherapie. Die naturheilkundliche Therapie folgt hierbei sehr wohl einer eigenen Systematik, die sowohl aus speziellen überkommenen Anschauungen beruht, sowie auf den Erfahrungen und Kenntnissen des einzelnen Behandlers. Die Rationale hierfür sind also keine allgemein verbindlichen kausal-analytischen Vorstellungen, sondern die individuellen Einschätzungen des Patienten durch seinen Behandler auf der Grundlage erfahrungsmedizinisch gesammelter und erarbeiteter Erkenntnisse. Während in Deutschland die rein naturwissenschaftliche Medizin ausschließlich von Ärzten vertreten wird, wird die biologische Medizin von Ärzten wie auch von Heilpraktikern betrieben. Hierbei fühlen sich Heilpraktiker in der Regel der traditionellen Volksmedizin näher verbunden als ein biologisch tätiger Arzt, praktisch spielt dies jedoch eine untergeordnete Rolle, da viele Heilpraktiker auch Methoden anwenden, die eigentlich keine Naturheilverfahren im engeren Sinne (Licht, Luft, Wasser, Bewegung, Diät) sind, wie z.B. Ozontherapie."

Multimorbide ins Krankenhaus?

Weninger hat die letzten hundert Jahre verschlafen, wenn er "die Krankheit" "und nicht den kranken Menschen" heilen will. Die beiden bekannten französischen Mediziner Ruffie und Soumia (2) erklären demgemäß ganz richtig: "Niemals war der Spruch ‚es gibt keine Krankheit, ist gibt nur Kranke wahrer' …übrigens fordert die heutige Krankheitslehre denn auch, alle Symptome oder, wenn man will, alle Störungen gleichzeitig zu behandeln, um sämtliche Heilungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen."

Völlig abwegig ist es auch, wenn Weninger erklärt, Mulimorbide gehörten a priori in stationäre Behandlung:
  1. Multimorbide sind in der Regel chronisch krank. Man kann doch nicht alle Multimorbiden in die Kliniken stecken. Da würden die Kapazitäten in keinster Weise ausreichen.
     
  2. Viele chronisch Kranke würden noch kränker, wenn man sie aus ihrer Umgebung herausreißt und in die Klinik einweist.
     
  3. Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts (3) muss man davon ausgehen, dass in Deutschland "jährlich 1 Million Patienten eine Krankenhausinfektion erleiden."
Multimorbide haben oft ein schwaches Immunsystem. Man muss doch von allen guten Geistern verlassen sein, wenn man solche Patienten - wenn auch eine ambulante Behandlung möglich ist - in die Klinik stecken will!

Wie oben schon dargestellt, erklären die beiden weltberühmten französischen Mediziner, dass es moderne Medizin ist, alle Störungen gleichzeitig zu behandeln. Weninger nennt diese moderne Medizin "exorbitante Polypragmasie" und zeigt damit, dass er geistig noch im Jahre 1890 verweilt.

Winkelmann erklärt: "Insgesamt folgt hier Dr. H. den modernen Konzepten der Schmerztherapie, indem auf drei Säulen aufbauend (die lokale Schmerzausschaltung durch gezielte Infiltrationen, der Aufbau der Muskelführung und des Muskelkorsetts von der Wirbelsäule und den Gelenken und schlussendlich die Reizmodulation durch Akupunktur, Schröpfbehandlung und Fototherapie) das multikausale und multifokale Schmerzsyndrom angegangen wird. Eine Polypragmasie kann vom Gutachter nicht festgestellt werden. In welcher Dichte die Behandlung zu erfolgen hat, hängt vom jeweiligen Beschwerdemuster ab und erfolgt in der Regel in Absprache zwischen Patient und Arzt. Es gibt keinerlei Richtlinien, dass spezielle Reizerholungspausen erforderlich seinen bzw. Reizerholungspausen nicht eingelegt werden dürfen." Auch in jenem Fall wurde gegen Dr. H. von der Krankenversicherung der abwegige Vorwurf erhoben, er betreibe Polypragmasie, weil er alle 30 Störungen gleichzeitig behandelte.

Oral oder parenteral?

Weninger ist wohl unbekannt, dass in der Naturheilkunde häufig Vitamine verordnet werden, auch dort wo die Schulmedizin noch keinen Mangel sieht. Da die Zuführung von Vitaminen und ähnlichen Stoffen bei Kranken - auch wenn der Vitaminspiegel "in der Norm" liegt - häufig zu Besserungen führt, ist eine derartige Verordnung durchaus notwendig und in der Regel eine sehr preiswerte Therapie.
  1. Weninger ein unveröffentlichtes Gerichtsurteil. Mit Gerichtsurteilen kann man jegliche Abwegigkeit "untermauern". Amtsgerichte sind die unterste Stufe unsere Zivilgerichtsbarkeit. Hier ergehen ständig einander widersprechende Urteile. Nicht das Amtsgericht, sondern der Patient entscheidet, ob er eine Spritze will. Wenn Weningers Zitat stimmt, so hat der Amtsrichter vergessen, dass es auch Körperverletzung ist, wenn der Arzt dem Patienten etwas oral eingibt.
     
  2. Ganz anders als jenes Amtsgericht urteilt beispielsweise das Oberlandesgericht München (NJW 1996, 2434), das in der Hierarchie zwei Stufen über den Amtsgerichten steht: "Infusionen, intravenöse und intramuskuläre Injektionen sind in der heilpraktischen Therapie üblich. Ihre Kombination entspricht gängigem Vorgehen in der biologischen Medizin."


Wenn Weninger ein unveröffentlichtes versicherungsfreundliches und patientenfeindliches urteil des Amtsgericht Dortmund zitiert, aber ein gegenteiliges Urteil des Oberlandesgericht München verschweigt, obwohl es in der bekanntesten juristischen Zeitschrift Deutschlands veröffentlicht ist, so zeigt Weninger hierdurch deutlich, dass er ein Agent der Versicherungswirtschaft ist. Im Übrigen steht seit langen fest, dass Injektionen in aller Regel besser wirken als orale Arzneimittel.

Verfasser:

RA Dr. Hugo Lanz
Schifferstraße 1
80687 München


(1)   Schon 1993 habe ich in einer Zeitschrift für Heilpraktiker dargelegt: "Es hat den Anschein, dass Weninger für gewisse Krankenversicherungen lebt." Weninger hat sich dazu niemals geäußert. Ganz offensichtlich deshalb, weil meine Behauptung richtig ist.

(2)   Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit, 3. Aufl. 1989, S. 182.

(3)   Siehe Studien aus dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht Band 17, S. 283.