Immer wieder unterstellt der große Vorsitzende - Primus inter
pares der DDH-Präsidentenrunde, der sich auch als "Urdemokrat" bezeichnet, allen
KollegInnen, die in ihren Praxen Qualitätssicherung anstreben, sie wollten sein
wie Ärzte. Insbesondere dann, wenn diese Kollegenschaft nicht die DDH-Funktionäre
alimentiert!
Ist das wirklich so? Wollen wir das? Streben wir steril-nüchterne Praxen an,
in denen Patienten kurz und bündig abgefertigt werden? Sehnen wir uns nach ärztlichem
Praxismanagement mit Chip-Karte und PC?
Nein sicherlich nicht! Trotzdem ist es wichtig, einen Mindeststandard für unsere
Praxen festzulegen. Das Ambiente sollte sich wohltuend von der Nüchternheit
einer Arztpraxis abheben, ohne jedoch die Hygiene- Richtlinien zu gefährden.
Der Patient soll von Beginn an das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein.
Da jede Praxis ein kleiner Wirtschaftsbetrieb ist, kann ein gezieltes kaufmännisches
Management nicht schaden. Denn kein Hp lebt von "roten Zahlen". Wenn wir diesbezüglich
von den Ärzten lernen können, sollten wir das tun. Neue Verwaltungstechniken
sollten wir keinesfalls ablehnen.
Daneben ist es wichtig, dass wir unsere Praxisschwerpunkte klar und deut- lich
für jedermann definieren und durch permanente Fachfortbildung belegen. Eine
"gläserne Praxis" ist erstrebenswert, wo es für die Patienten durchschaubar
ist, wo er behandelt werden soll und wo die Aufsichtsbehörden problemlos kontrollieren
können, wie das geschieht.
Wenn nun KollegInnen eine Zertifizierung nach Iso 9001 anstreben und anschließend
ganz offiziell bestätigt bekommen, dass sie eine hochqualifizierte Praxis haben,
in der alle Voraussetzungen stimmen, ist das eine ganz individuelle Entscheidung
des jeweiligen Hp, über die sich niemand mokieren sollte. Funktionäre schon
gar nicht! Eher wäre es deren Aufgabe, den Qualitätsstandard im Berufsstand
mit allen Mitteln zu fördern und damit unser verbesserungswürdiges Image in
der Öffentlichkeit zu stärken. Wenn wir das zweite Standbein in der Gesundheitspolitik
sein wollen, müssen wir das durch Qualifikation belegen - sonst nimmt uns niemand
ernst!
Strebt man ein Iso 9001-Zertifikat an, ist Vorsicht bei der Auswahl der Prüf-
Institution geboten. Nicht jede Gesellschaft, die eine entsprechende Akkreditation
hat, verfügt über fachkompetente Auditoren. So ist ein Dr. Dipl.-Ing., der bisher
Autohändler geprüft hat, nicht unbedingt die beste Empfehlung für eine Hp-Praxis.
Vorsichtig sollte man auch sein, wenn sich ein Hp mit Dr.-Titel als Auditor
anbietet. Wenn wir nun einmal nicht sein wollen wie die Ärzte, bedarf es bei
der Qualitätssicherung auch keiner Dres. h.c., die ihr Selbstwertgefühl stützen
müssen.
Also Augen auf bei der Wahl der Auditoren!
Unserem großen Vorsitzenden und seinen Funktionären sei noch einmal gesagt,
Hps, die sich um Qualitätssicherung bemühen, sind deshalb noch keine Ärzte.
Auch beim Golfen soll Qualität und Können gefragt sein!