Heiler - Hexer - Schamanen

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 9/2004

Unter diesem reißerischen Titel erschien Mitte Juni 2004 eine Artikelserie in der "Bild-Zeitung", Regionalausgabe Niedersachsen. Dort warben Hp der niedersächsischen FDH unter ihrem Vorsitzenden Hp Sandrock für ihre Heilkünste. Schlagzeile am 14. Juni 2004: "Er (Hp Werner Sandrock) heilt mit bloßen Händen." Dazu Bilder aus seiner Praxis (oder Schulambulanz) bei der Behandlung mit Patienten. Im weiteren Text fragt sich Sandrock: "Wieso hat der Hp ein besseres Wissen als ein Arzt?" Die Antwort dazu gibt es leider nicht. Dafür verrät er aber, dass er Asthma mit Eigenblut-Injektionen kuriert, Allergien heilt, bei Arthrose hilft und Schmerzen im Rücken beseitigt. Das alles können die Patienten testen anlässlich eines Tages der offenen Tür in der staatlich anerkannten Verbandsschule in Wunsdorf.

Am 16. Juji 2004 lautete die Überschrift: "Krank, gestresst? Marc Grewohl erkennt's an der Nasenspitze." Dieser junge Hp nennt sich Persönlichkeitsberater, hält Seminare, coacht klinikpersonal und fühlt sich als Experte für Psycho-Physiognomie, der ebenfalls die Fälle heilt, wo Ärzte schon aufgegeben haben. Sein Motto: "Wenn ein Patient zur Tür hereinkommt, habe ich mir, bevor er sich setzt, bereits ein Bild von ihm gemacht und seine Nöte erkannt."

Titel am 17. Juni 2004: "Kräuterhexe Mona lässt ihre Angst verduften." Mona ist "Hexe" mit Brief und Siegel. Ob sie auch Hp ist, war nicht zu lesen, wohl aber, dass sie Therapien ausübt. "Ihr Duft éHero' weckt den Hengst im Mann."

Die Serie 5 lautet: "sanft streichelt Ollie die Schmerzen weg." Hp Oliver Broschinski ist Dozent an der staatlichen Hp-Schule in Wunsdorf und schwört auf Ayurveda. Seine Waffe gegen Stress: lange schlanke Hände wie Klavierspieler und viel Sesamöl. Was damit seine dunklen Augen und Rasta-Locken zu tun haben, war nicht ersichtlich. Aber dafür gab es ein schönes Bild bei der Arbeit mit (nackter) Patientin Nataschas (23).

Am 21. Juni 2004 kam in Teil 6 der Hp Axel Jacobs, " der Humphrey Bogart unter den Hp" ins "Bild", auch bei der Arbeit natürlich. Sein Titel: "Er schaut durchs Auge in Dein Herz." Er ist ebenfalls Dozent in der o.g. Schule, wollte eigentlich Arzt werden, lernte dann aber einen bodenständigen Bauern kenne, der als "Heiler" agierte. Da erkannte er schlagartig seinen Traumberuf und heilt nun auch Patienten, wo die Ärzte längst aufgegeben haben.

Überschrift am 22. Juni 2004: "Der Schamane, der mit der sonne tanzt." Hier kommt "Grey Owl" Hp Jörg-Christian Sievers, Schamane der Lakota-Sioux, zu Wort, der die Seele von bösen Geistern reinigt. Mit seiner Trommel reist er ins "Nagual" - eine andere Bewusstseinsebene. Aber sein Wigwam steht in Adensen. Der Kontakt zu seinem Schamanenbruder David Swallow ist wie eine Nabelschnur: "Wenn die Zeit reif ist, tanze ich mit ihm zu Ehren der Sonne."

Das waren einige Auszüge aus Zeitungen, die mir vorliegen. Aber die Serie geht noch weiter. So agiert Michael Dohnan ebenfalls als Handaufleger und heilt mit bloßen Händen Energie-Blockaden im Körper. Christel Jakobs stichelt das Fett mit ihren Nadeln weg u.v.m.

Abgesehen davon, dass hier das UWG enorm strapaziert wird und gegen das HWG deutlich verstoßen wird, frage ich mich, sind dies nun die "Vorzeigekollegen", mit denen wir Hp positive Öffentlichkeitsarbeit machen wollen. Ich habe diese Artikelserie nur als peinlich und für unseren Berufsstand diskreditierend empfunden.

Initiator dieser Billigreklame ist offensichtlich der FDH-Spitzenfunktionär Sandrock, der dafür sogar seine Schule missbraucht. Absolut unverständlich ist mir in diesem Zusammenhang, dass er sich für diese fragwürdige Werbung hergibt, wo er doch sonst seine Zeit hauptsächlich damit verbringt, die Kollegenschaft schon bei geringsten Werbeverstößen kostenträchtig abzumahnen und dabei auch keinen Prozess auslässt.

Bis heute habe ich zu dieser Diskreditierung unseres Berufsstandes - was sind wir denn nun? Heiler, Hexer oder Schamanen? - noch keinen Kommentar unserer Führungselite gehört. Aber vielleicht lesen die Herren nicht die "Bild-Zeitung"! Geschehen diese fragwürdigen Werbeaktionen allerdings mit Duldung der DDH-Präsidenten, möchte ich mit Heinrich Heine sagen: "Denke ich an den Berufsstand in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht."