Zertifiezierung oder Punktsystem

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 09/2007

Die fehlenden Ausbildungsrichtlinien bleiben nach wie vor der Schwachpunkt unseres Berufsstandes. Damit sind wir in der Öffentlichkeit immer wieder an- greifbar, wie erst unlängst in einer Fernsehsendung dargestellt. Alle Gruppierungen, denen Hp ein Dorn im Auge sind, greifen uns an diesem Punkt an und stellen uns als Scharlatane dar, die frevelhaft zum Nachteil der Patienten mit der Medizin umgehen.
Wir wissen, dass das nicht stimmt. Wir wissen auch, dass sich die amtsübliche Überprüfung zur medizinischen Fachprüfung gemausert hat, die 85 % der Kandi- daten nicht besteht. Auch wenn nur die Besten in unseren Berufsstand kommen, gibt es immer einmal eine Ausnahme, ein schwarzes Schaf rutscht hin und wieder durch. Aber daran dürfen wir uns nicht messen lassen. Deshalb ist es nötig, unser Image in der Öffentlichkeit zu verbessern und die Schwachstelle auszumerzen. Eine Möglichkeit dazu wäre die Zertifizierung aller Hp-Praxen. Nebenbei bemerkt, die Zertifizierung der Arztpraxen nach Iso 9001 schreitet voran und wird bis 2011 abgeschlossen sein. Schon deshalb dürfen wir den Anschluß nicht verlieren. Es könnte uns sonst passieren, dass uns Versicherungsträger ausschließen, weil wir nicht hinreichend qualifiziert sind.
Was bringt uns nun die Zertifizierung?
Zunächst etwas Bürokratie und Kosten. Doch diese Hürde wird aufgewogen durch die Vorteile. In einer zertifizierten Praxis sind alle Abläufe "gläsern", für Patienten und Behörden einsehbar. Ein Handbuch legt fest, wie in der Praxis gearbeitet wird. Qualifikation der Therapeuten wird dargestellt, alle Therapien im Details festgelegt, Hygienerichtlinien sind vorgeschrieben, Personalführung ist geregelt, ebenso das Management der Praxis. Beim Zulassungsaudit wird auch das Ambiente der Praxis geprüft und notfalls verbessert oder anders ausgerichtet. Die jährlichen Audits dienen der Überprüfung.
Mit einer derart kontrollierten Praxis können wir uns im Gesundheitswesen behaupten, den Makel der Inkompetenz abstreifen und für Patienten-Sicherheit werben.
Unlängst las ich in der hiesigen Tageszeitung einen umfangreichen Artikel über die Zertifizierung einer örtlichen Facharztpraxis, die eine gute Resonanz hatte. Diese Art der Werbung wäre dann auch uns möglich. Die Patienten schätzen Sicherheit bei der Therapie über alles!
Was bringt uns aber nun das Punkte-Sammeln? Für offizielle Qualifikation hat es keinen Wert. Bei unklarer Grundausbildung nutzen keine Fortbildungspunkte. Ist aber ein Praxis-Inhaber zertifiziert, kann er seine Fortbildung im Handbuch belegen, auch nach Punkten. Voraussetzung wäre jedoch, dass das Punktesystem einheitlich im Berufsstand abgestimmt ist und einen wirklichen Qualitätsstandard sichert.
Es kann nicht sein, dass jede Veranstaltung, die unter Fortbildung firmiert, nach Gutdünken Punkte vergeben kann. Schließlich geht es darum, dass wir in unseren Praxen fachliche Kompetenz darstellen und nicht unbedingt ein sattes Punktekonto.
Zwischenzeitlich konnte ich zwei weitere Verbände gewinnen, die ebenfalls die Zertifizierung ihrer Praxen anstreben. Ich hoffe, dass wir gemeinsam günstige Kosten aushandeln können, so dass auch kleinen Praxen die Zertifizierung möglich sein wird. Sobald unsere Preisverhandlungen endgültig sind, werde ich an dieser Stelle darüber berichten. Jede(r) KollegIn ist dann herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Abschließend möchte ich noch auf einen Gesichtspunkt hinweisen, der das obige Thema nur streift:
Wir alle sollten die Bemühungen der EFN um ein allgemein gültiges Ausbildungssystem in der Naturheilkunde in der europäischen Gemeinschaft tatkräftig unterstützen. Wie Sie alle wissen, gibt es gesetzlich geschützte Hp nur in Deutschland. In einem geeinigten Europa wird es sie nicht geben. Deshalb ist es jetzt geboten, gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn eine rechtlich geregelte Berufsausbildung zu erarbeiten, die uns von dem Generalvorwurf befreit, man dürfe uns nicht trauen, weil wir eben dieses staatlich geregelte Berufsbild nicht haben. Erste Gespräche unter europäischen Verbänden haben bereits begonnen und machen Fortschritte. Aber sie bedürfen unser aller Unterstützung !