Unlängst brachten die Medien wieder eine Horrormeldung über
das Gesundheitswesen: die Preise für Arzneimittel laufen davon!
Trotz aller Sparbemühungen, so hieß es, stiegen die Ausgaben im Vergleich zum
Vorjahr um 1,6 Mrd. auf mindestens 28 Mrd.
Begründet wurde der höhere Verbrauch von Medikamenten mit der Zunahme von "Volkskrankheiten"
wie Herz-Kreislauf, Diabetes mell., Allergie und Krebs.
Und natürlich die Alten!
Sie leben zu lange - ein Rentner hat heute nach dem Ruhestand eine Lebenserwartung
von über 20 Jahren - und haben einen zu hohen Medikamentenverbrauch.
Betont wurde ausdrücklich, daß die Verschreibungspraxis der Ärzte nicht die
Ursache des Kostenanstiegs wäre.
Da fragt sich nun der unbedarfte GKV-Durchschnittspatient, der letztlich zur
Kasse gebeten wird: "Woran liegt es denn nun wirlich? Wir hatten doch gerade
erst eine Gesundheits- reform?"
Haben die Reformer nicht richtig gerechnet?
Gestrichen haben sie den Bürgern doch genug!
Vertraut er auf naturheilkundliche rezeptfreie Präparate, muß er sie selbst
bezahlen. Der Hausarzt - eingebunden in ein unüberschaubares Punktesystem -
darf ihm im Quartal nur Medikamente für € 11,66 verschreiben, sonst wird er
selbst zur Kasse gebeten. Der Apotheker ist verpflichtet zu prüfen, ob er das
vorgelegte Rezept mit Generika bedienen kann, um Kosten zu sparen. Außerdem
wurden fast alle Mittel für Prävention gestrichen. Wer Vorsorge treffen will,
darf sie selbst bezahlen, IGe-Leistungen!
Aber es reicht trotzdem nicht! Prämienerhöhungen der GKV sind seit Wochen im
Gespräch. Fehler aber, die bei der Gesundheitsreform gemacht wurden, werden
nicht korrigiert. Ob der ab 01.01.09 geplante Gesundheitsfond ein Gewinn oder
Flop ist, muß sich erst heraus- stellen. Gewiss ist aber schon heute, daß es
für den Patienten teurer wird.
Teurer sind Medikamente auch deshalb geworden, weil man mit der letzten Reform
den Wettbewerb auf dem Pharmasektor unterbunden hat. Indem man für die GKV-Erstattung
alle rezeptfreien Pharmaka ausschließt, drängt man die günstigen Präparate vom
Markt. Den sich daraus ergebenden Preisanstieg kann man mit der Verordnung von
Generika nicht ausgleichen.
Der größte Preistreiber war der Staat selbst. Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer
hat er regelrecht eine Preislawine auf dem Pharmamarkt ausgelöst. Würde er jedoch
- wie für Hundefutter und Zeitungen - den Steuersatz auf 7 % senken, ergäbe
sich eine jährliche Ersparnis von € 2,8 Mrd. Diese Maßnahme wäre schon insofern
sinnvoll, weil der Staat hier das Geld nur von einer Tasche in die andere schiebt.
Denn letztlich muß er für die fehlenden Gelder im Gesundheitswesen einspringen.
Die hier angesprochene Verteuerung der medizinischen Versorgung ist eine Tatsache.
Die Begründung dafür ist nur ein Vorwand. Nicht die zunehmenden "Volkskrankheiten"
oder der älter werdende Rentner sind die Ursache, sondern die politische Umsetzung
der Reformen, deren Sinn im Parlament nicht ausdiskutiert, sondern nach Fraktionszwang
beschlossen wird. Daraus resultieren die vielen Mängel der letzten Gesundheitsreform.
Die meisten Abgeordneten wußten gar nicht, wofür sie eigentlich gestimmt haben.
Also muß dieses Problem auch politisch gelöst und nicht nur auf dem Rücken der
Bürger ausgetragen werden, weil man diese so leicht und bequem abzocken kann.
Vielleicht sollten wir alle bei künftigen Wahlen dies einmal bedenken.