Ausbildung: Ja - aber... wie?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2003

Eine gründliche Ausbildung ist Voraussetzung für Erfolg im Beruf. Selbstverständlich gilt das auch für unseren Berufsstand. Nach dem HPG ist es bislang möglich, auf vielen Wegen zur Erlaubnis der Heilkunde ohne Bestallung zu kommen. Egal ob Hp-Schule mit Ganztagsunterricht, Wochenendkurse, Fernstudium oder autodidaktes Lernen. Wichtig ist nur, die Prüfung zu bestehen. Darauf ist oft auch das Lernziel ausgerichtet, zu schulmedizinisch, zu theoretisch und zu praxisfern. Oft fehlt sogar den Schulen der Bezug zur praxisnahen Ausbildung.

Je näher Europa zusammenwächst, desto mehr müssen wir darauf bedacht sein, unserem Berufsstand ein solides Ausbildungssystem zu verpassen, auf dem sich eine Qualitätssichernde Fortbildung aufbauen kann. Das Verteilen von Fortbildungszertifikaten hilft da leider nicht weiter. Wie will man fortbilden, wenn die Grundlage nicht reicht? Wer überprüft, ob der Fortzubildende auch alles begriffen hat und nun den Stoff beherrscht? Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder wird sich höchstwahrscheinlich mit dieser Art Fortbildungsmethode zur Qualitätssicherung nicht zufrieden geben.

Nun hat ja Herr Zizmann in seinem letzten Editorial verraten, an der Qualitätssicherung der Fortbildung werde gerade gearbeitet, und dabei sei angestrebt, sich mit anderen Organisationen auf dem Gebiet der Naturheilkunde abzustimmen. Sirenenklänge! Schaut man einmal näher hin, was die einzelnen Verbände an Konzepten erarbeitet haben, stellt man fest, dass sie so weit gar nicht auseinander liegen. Ergibt sich nur die Frage: warum ist es - wieder einmal - nicht möglich, sich zu einigen und ein Ausbildungsprogramm zu schaffen, das für den gesamten Berufsstand Geltung hat? Liegt es wieder an der Sprachlosigkeit der Funktionäre untereinander? Jeder von ihnen sollte wissen, dass er dem Wohl der Mitglieder verpflichtet ist, nicht aber seiner Profilneurose oder seinen Eigeninteressen! Ebenso sollte jedem von ihnen klar sein, dass die Schwachstelle, die wir unseren Kritikern bieten, unsere Ausbildung ist. Nicht umsonst heißt es bei den Ärzten: Wer Hp werden will, gehe mal eben zum Amtsarzt und schon darf er heilen! Nein, es ist unerlässlich: Wie jeder Beruf benötigen wir ein festes Ausbildungskonzept mit einer adäquaten Lehrzeit, über deren Einzelheiten man sich letztendlich einigen muss.

Will man darin die bestehenden Hp-Schulen einbinden, muss sichergestellt sein, dass sie das erarbeitete Konzept konsequent umsetzen. Die "Lehrzeit" darf auch nicht nur Theorie beinhalten, sondern muss praxisbezogen sein. Eine Praktikantenzeit ist unerlässlich. Nach Abschluss der Ausbildung sollte dem Amtsarzt darüber ein Zertifikat vorgelegt werden, damit eine notwendige Grundausbildung belegt werden kann.

Zur Überprüfung selbst sei noch eine Anmerkung erlaubt. Bei allen Bemühungen um eine optimale Ausbildung sind die Richtlinien zur Durchführung der Hp-Prüfung nach dem HPG zu beachten, so dass aus der Überprüfung keine medizinische Fachprüfung wird. Der Inhalt der Prüfung hat sich auf medizinisches Grundwissen zu beschränken. Es muss deutlich werden, dass der/die Kandidat(in) die Grenzen seiner/ihrer Fähigkeiten und seiner/ihrer Kompetenz erkennt und somit keine Gefahr für die Volksgesundheit ist. An der mündlichen Prüfung sollen zwei Hp als Gutachter teilnehmen, die anschließend den prüfenden Amtsarzt bei der Urteilsfindung beraten. Leider ist es aber zur Unsitte geworden, dass sich Beisitzer als Oberprüfer verstehen und mit "kniffeligen" Fragen die Prüfungsordnung auf den Kopf stellen.

Es wäre Aufgabe der Verbände, den Gesundheitsämtern nur seriöse Kollegen zu benennen, die eine Einhaltung der Richtlinien gewährleisten. Wir werden sonst unser HPG selbst aushebeln. Durch eine einheitliche Ausbildung mit Abschluss wird die Voraussetzung für eine korrekte Überprüfung geschaffen. Es muss also kein Qualitätsverlust befürchtet werden, wenn man nur die Richtlinien des HPG einhält.

Erfolgt die Zulassung, ist darauf eine Fachfortbildung zur Qualitätssicherung aufzubauen. Aber auch dazu bedarf es eines einheitlichen Konzepts, das von allen Verbänden getragen wird. Es hapert nur an der Einigkeit der Funktionäre. Doch die Zeit drängt. Wir müssen unsere Probleme selbst lösen und dürfen es nicht denen überlassen, die uns nur beargwöhnen.