Was ist ein Biopraktiker?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 12/2003

Seit geraumer Zeit existiert die Arbeitsgemeinschaft Biopraktik (AGBP), die von sich behauptet, im Gesundheitswesen arbeiten zu wollen, jedoch ohne Zulassung nach dem HPG. Sie bietet Seminare an, insbesondere zur Faltenunterspritzung. Der Heilpraktikerschaft bietet sie an, Mitarbeiter (ASSISTENTEN; Praktikanten und Hilfskräfte) zum Biopraktiker auszubilden, damit diese dann rechtmäßig in unseren Praxen arbeiten dürfen (können). Zur Ausbildung angemeldete Mitarbeiter werden - das ist Voraussetzung - Mitglied in der AGBP, zahlen dafür 120,- Aufnahmegebühr und einen Monatsbeitrag von 10,-.

In den Seminaren zur Faltenunterspritzung sollen Quereinsteiger (was auch immer das sein mag), Kosmetiker/innen oder vergleichbare Berufe (?) ein Zertifikat als biopraktische/r Kosmetiker/in anstreben. Voraussetzung ist die o.g. Mitgliedschaft. Das Seminar wird mit 860,- in Rechnung gestellt. Außerdem bietet die AGBP für 1.000,- Schnellvorbereitung zur Hp-Zulassung an: "Der Königsweg, Hp zu werden!" Die Ausbildung endet erst dann, wenn die Zulassung erreicht ist (?). Die AGBP hilft bei der Abgrenzung zum Heilbegriff und liefert dafür Argumente und Informationen. Sie ist ein Berufsverband für Biopraktiker, der jedoch noch nicht die rechtsfähige Form eines Vereins hat. Verwaltung und Geschäftsführung übt die med-con (Medicus Consult Anke Rohlmann, Wattenscheid) aus. Neben den bereits geschilderten Aufgaben sieht sich die AGBP als Interessenvertreter ihrer Mitglieder in berufsständischen Angelegenheiten, auch als Kompetenz- oder Beschwerdestelle für Patienten. Soweit so schlecht.

Was ist nun aber ein Biopraktiker? Was tut er? Hat er eine Praxis? Es gibt dazu noch reichlich offene Fragen. Als Antwort reicht da nicht, dass er von seinem Verband eine Zertifizierung bekommt, die ihn berechtigt, die Berufsbezeichnung "Biopraktiker" zu führen, möglichst noch mit dem Fachzusatz, der vom Faltenunterspritzer, Intimkosmetiker, Tier-Hp bis zum Trauerberater reicht. Die Angebotspalette ist recht umfangreich und verwirrend, so dass sich daraus kein Berufsbild ergibt. Eher kann man sagen, dass alle die angebotenen "Fachrichtungen" seit Jahr und Tag in den anderen Berufen integriert sind. Daraus einen neuen Beruf machen zu wollen, birgt die Gefahr in sich, dass das HPG unterlaufen wird. Schon heute versuchen Masseure, Physiotherapeuten, Kosmetiker und Fußpfleger im trüben zu fischen, indem sie Therapien anbieten, die durch das HPG geschützt sind. Und nun auch noch Biopraktiker?

Die Rechtsprechung zum HPG ist eindeutig und ein Schutz für unseren Berufsstand. Die aktuellen Urteile zur Faltenunterspritzung sind es ebenfalls. Es handelt sich um eine Injektionstherapie mit allen eventuellen Risiken, die gehört nicht in die Hände von Kosmetikern.

Es ist schon recht verwunderlich, dass die großen Verbände bisher nicht öffentlich auf die Gründung dieses obskuren Berufsverbandes, der immerhin schon seit Monaten besteht, reagiert haben. Schließlich werden hier unsere existenziellen Interessen eindeutig berührt und es wird der Öffentlichkeit vorgetäuscht, dass es sich hierbei um eine Hp-ähnliche Formation handelt. Daraus ergibt sich für unseren Berufsstand ein Imageschaden, der sich in seinem Umfang heute noch nicht ermessen lässt. Das darf einfach nicht sein!