Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1-2/2004

Zum Jahresbeginn ist es mir ein ganz ernstes Anliegen, Ihnen allen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr zu wünschen.

Unter Glück verstehe ich ein zufriedenes Leben ohne Kummer und Leid, aber nicht in Saus und Braus. Gesundheit wollen wir nicht nur vermitteln, wir brauchen sie auch für uns, um unserer Aufgabe gerecht zu werden. Erfolg ist nötig, um unsere Existenz zu erhalten und zu festigen.

Wenn ich auf die vielfältigen Schwierigkeiten hingewiesen habe, die uns die Gesundheitspolitik im Neuen Jahr bescheren wird, habe ich oft hören müssen, dass ich die Lage zu schwarz sehen würde. Nun gut, dass ist besser als rosarot, weil es nur auf die Gefahren aufmerksam macht. Im Vermittlungsausschuss - dem quälenden Parteienpoker - wurde zwar zunächst verhindert, dass wir ab 2004 Gewerbesteuer zahlen müssen, doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, fürchte ich!

Dafür treffen uns an anderer Stelle die Entscheidungen der Politiker härter als vorgesehen. Ich hatte bereits darauf hingewiesen, dass uns die Nichterstattung rezeptfreier Medikamente durch die PKV insofern Schwierigkeiten bringen wird, weil Präparate, die keine Nachfrage mehr haben, vom Markt fallen werden. Damit würde uns weiteres Handwerkszeug genommen. Die Nichtzulassungen zum 1. Juli 2003 waren schon ein tiefer Einschnitt. Aber es kommt noch schlimmer: die Beihilfe verweigert ab 1. Januar 2004 ebenfalls die Erstattung rezeptfreier Medikamente. Das wird die meisten Praxen hart treffen und schmerzhafte Umsatzeinbrüche nach sich ziehen.

Unlängst hatte ich diese aktuellen Zukunftsprobleme gegenüber einem Funktionär der DDH angesprochen. Seine Antwort war, dass der einzelne Hp als selbständig Tätiger in der Lage sein muss, sich neuen Situationen anzupassen und wie bei anderen Berufen auch durch Umorientierung im Praxisablauf die erforderlichen wirtschaftlichen Grundlagen zu schaffen. "Dann macht mal schön!", hätte sicherlich Papa Heuß gesagt. So einfach ist das also!

Nun weiß ich nicht, wie die anderen DDH-Funktionäre darüber denken, aber etwas mehr Engagement dieser Verbandsführer darf schon erwartet werden. Denn wenn die Praxiserträge deutlich absinken, gibt es auch keine Verbandsbeiträge mehr. Dann ergibt sich für Funktionäre ebenfalls eine Existenzkrise. Also sollte schon die Selbsterhaltung dazu führen, die Praxen wirtschaftlich fit zu machen! Ein erster Schritt dazu wäre die Abschaffung der Gefälligkeitsgutachterei, die Jahr für Jahr - und das seit Jahrzehnten - unermesslichen wirtschaftlichen Schaden in Praxen anrichtet.

Unsere Mitglieder wissen, dass wir uns um ihre Leistungsdifferenzen mit Versicherungsträgern kümmern. Der übrigen Kollegenschaft bieten wir hier noch einmal unsere Hilfe an. Auch im Praxismanagement stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Werden die Zeiten wirtschaftlich härter, ist unbedingte straffe kaufmännische Praxisführung gefragt, denn jede Praxis ist ein kleines Wirtschaftsunternehmen, das nicht von roten Zahlen existieren kann. Nur wenn wir das beherzigen, wird die Anpassung an neue Situationen möglich und die Zukunft unseres Berufsstandes gesichert sein. Für Ihre Fragen haben wir stets ein offenes Ohr.