Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1-2/2005

Begrüßen wir das Neue Jahr mit frohen Erwartungen und vielen guten Vorsätzen.

Wenn das alte Jahr nicht alle unsere Wünsche erfüllt hat und auch wirtschaftlich nicht alle unsere Ziele erreicht werden konnten, bedeutet das, dass wir künftig selbst mehr "in die Hände spucken" müssen und uns nicht auf "Vater" Staat verlassen dürfen. Das politische Personal unseres Vaterlandes - ganz gleich welcher Couleur - lässt keine großen Hoffnungen zu. Die Nachrichten zum Jahreswechsel haben erst wieder gezeigt, dass wir es hier hauptsächlich mit Selbstversorgern zu tun haben. Also sorgen auch wir für uns selbst. Das ist die einzige Lehre, die wir uns daraus ziehen können.

Wir müssen folglich aktiv werden und unsere Probleme intensiver angehen als in der Vergangenheit. Das heißt auch, dass wir uns standhaft wehren, wenn unbedarfte Politiker, chemische Großpharma und Ärzteschaft versuchen, unsere Arbeit - und damit unsere wirtschaftliche Existenz - zu beeinträchtigen. Neid, Missgunst, geschäftliche Interessen und politischer Dilettantismus gefährden seit jeher unseren Berufsstand. Nur wir dürfen nicht selbst so töricht sein, an dem Untergang mitzuhelfen, den andere uns zugedacht haben. Und damit sind wir wieder bei einem Thema, das mich seit Jahr und Tag quält:

Unseren Funktionärsriegen fehlen junges Blut und frische Gedanken. Es geht nicht an, dass Großvereinigungen von Greisen geführt werden, die nicht abwählbar sind und nur wirtschaftliche Eigeninteressen haben, aber nicht mehr ihre Mitglieder vertreten oder gar noch wissen, wie es überhaupt in einer Naturheilpraxis aussieht. Das Demokratieverständnis der meisten dieser Vereinigungen ist mangelhaft. In unserem Staat führt so etwas zur Politikverdrossenheit, in unserem Berufsstand zur Abstinenz, Verantwortung in uneigennütziger Mitarbeit zu übernehmen.

Ein sattes "mangelhaft" verdient unsere PR-Arbeit. Die höchst dotierten Funktionäre der in der so genannten "DDH" zusammengeschlossenen Vereine haben uns bis heute der Bevölkerung kein glaubwürdiges Berufsbild vermitteln können. Weil ihnen das nicht gelingt, werden wir nicht ernst genommen, weder von der Politik, der Ärzteschaft, der Pharmaindustrie oder gar der Mehrzahl der Kranken. Dabei sind wir nicht nur "die Rettung" unheilbarer Kranker, sondern der einzige wirkliche Vertreter der Naturheilkunde und damit das alleinige zweite Standbein unseres Gesundheitswesens. Aber diese Standesvertreter können das der Öffentlichkeit nicht vermitteln. Vielmehr lassen sie es zu, dass uns beispielsweise FDH-Regionalfürsten ungestraft als "Heiler - Hexer - Schamanen" in der Boulevard-Presse veralbern. Wirklich einen Bärendienst für unseren Berufsstand! Und diese "Autoren" lassen sich noch von den Beitragsgeldern der Kollegenschaft finanzieren.

Wenn man das Editorial 11/04 des FDH-Präsidenten liest, in der er eine Seite lang darüber lamentiert, dass jemand gesagt haben soll, Frau Bundesministerin Schmidt habe gesagt, sie wolle die Hp abschaffen, weiß jede(r) Leser/in, was ich mit Versagen der Führungsriege genannter Vereine meine.

Wer auch immer was gesagt haben soll, ein Spitzenfunktionär muss wissen, das ein/e deutsche/r MinisterIn keine Gesetze (HPG) abschaffen kann. Das ist höchstens im Bundestag mit Mehrheit möglich. Wer sich aber berufen fühlt, in der Führungsriege eines Vereins zu stehen, müsste diese Grundregeln unserer Verfassung kennen. Nicht der Wegfall des HPG bedroht unseren Berufsstand, sondern Folgen der EU-Politik und Verordnungen, die das HPG aushöhlen drohen gefahren, wie z.B. Verschreibungspflicht für Parenteralia etc.

Nicht zu vergessen das Gesundheitsreformgesetz, aufgrund dessen uns täglich Naturheilmittel genommen werden, weil diese nicht mehr verschrieben werden dürfen und dann mangels Umsatz vom Markt fallen.

Hat nun aber Frau Schmidt wirklich etwas gegen unseren Berufsstand gesagt, wäre es Aufgabe des "Ober"-Präsidenten, direkt mit der Ministerin zu sprechen. Aber im Gegensatz zu den Funktionären der Ärzteschaft und Pharmaindustrie ist er für sie ein Nobody, jemand, den niemand kennt, weder im Ministerium, noch bei den zuständigen Gesundheitspolitikern der Fraktionen. Hier liegt das große Manko unserer PR-Arbeit. An den Schaltstellen der Politik nimmt man nicht mehr wahr. Es wird endlich wieder Zeit, dass wir in der Öffentlichkeit positiv in Erscheinung treten, bei Patienten und auch Volksvertretern. Unsere Arbeit in der Naturheilkunde verdient es, das man sie allgemein besser bewertet und ihr den gebührenden Platz in der medizinischen Versorgung zugesteht. Setzen wir hier im Neuen Jahr 2005 mit neuem Elan einen Meilenstein. Als Senior will ich an diesem Ziel mit ganzer Kraft mitarbeiten. Aber ins Geschirr müssen junge Kräfte, die Verantwortung übernehmen, unabhängig sind, das Vertrauen ihrer Kollegen/Innen genießen und uns schwungvoll voranbringen. Das wünsche ich uns allen!