Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1-2/2006

Noch ganz frisch liegt vor uns das neue Jahr 2006, von dem die Demoskopen sagen, dass ihm 45 Prozent der Bundesbürger hoffnungsfroh entgegensehen. Und unsere Bundeskanzlerin rief dazu auf, den Vorsatz zu fassen, in diesem neuen Jahr noch etwas mehr zu leisten.

Zählen wir uns zu den 45 Prozent der Optimisten, aber Mehrleistung muss auch für uns auf dem Programm stehen. Das vergangene Jahr dürfte längst nicht alle Wünsche erfüllt haben. Die politischen Turbulenzen haben uns geschadet, weil verunsicherte Bürger ihr Geld festgehalten haben. So konnten nicht alle Praxen die Vorjahresergebnisse erzielen. Folglich ist in diesem Jahr die kaufmännische Seite unseres Berufes stärker zu beachten.

Gesundheitspolitisch waren die letzten 12 Monate für uns auch nicht erfreulich. Das Problem "Procain/Lidocain" haben wir mit über den Jahreswechsel genommen. Ist es auf dem politischen Weg nicht zu lösen, sollten sich alle Verbände zusammen tun und den Rechtsweg beschreiten. Schließlich kann man uns Hp nicht für Behandlungsfehler büßen lassen, die andere begangen haben.

Auch wenn ich mich wiederhole, haben wir über viele Jahreswechsel nun ein Problem auch ins neue Jahr verschleppt: das Gutachterunwesen! Alle, die bisher davon betroffen waren - viele wissen es leider gar nicht! - haben dadurch ungerechtfertigte finanzielle Einbußen erlitten. Entweder Geld oder Patienten verloren. Der wirtschaftliche Schaden, der sich hier für die Behandler/innen abzeichnet, dürfte unermesslich sein. Seit über 20 Jahren verfolge ich diese "Bösachterei". Nun hat zwar vor einigen Monaten der Funktionär des größten Vereins ebenso erkannt, dass es bei uns einige "Bösachter" gibt, obwohl ich ihm schon vor Jahren sehr ausführlich darüber berichtet hatte. Nur vermisse ich bis heute trotz seiner recht späten Erkenntnis die Taten. Sicherlich kommt er dabei in eine Zwickmühle, denn zunächst müsste er seinen Mitgliedern erklären, wie sein Verhältnis zu dem selbst ernannten "Ober(un)gutachter" ist. Wird er ihn auch weiterhin als seinen Vizepräsidenten beibehalten, der seit über 20 Jahren die Gefälligkeitsgutachterei für die PKV gedeckt und sogar selbst betrieben hat. Und das alles unter klangvollen Titeln, die er sich selbst zugelegt hat. Der Nachweis seiner Qualifikation zum medizinischen Fachgutachter steht bis heute - wie bei seinen "Bösachter-Kumpeln" aus. Sollte er nun - im neuen Jahr - weiterhin von seinem Präsidenten gedeckt werden, bleibt uns der Bock als Gärtner erhalten. Ändern, liebe KollegInnen, können wir etwas, wenn wir uns alle berufspolitisch mehr engagieren und unsere Zukunft selbst bestimmen.

Wichtig ist dabei, dass wir unsere Leistungen auch für jedermann sichtbar dokumentieren. Eine Zertifizierung unserer Praxen nach ISO 9001 verdeutlicht unsere Qualifikation in der Naturheilkunde. Sie macht unseren Beruf zukunftssicher, auch wenn anfängliche Kosten für den einen oder anderen eine Hemmschwelle sein könnten. Aber diese Investition zahlt sich mit Bestimmtheit aus. Es ist eine der großen Aufgaben, die es in diesem Jahr zu lösen gilt. Statt unsere Probleme zu bejammern, ist es eine der Herausforderungen, die wir annehmen sollten. Gehören wir tatsächlich zu den 45 Prozent Optimisten, wird es uns gelingen. Übrigens die Demoskopen haben für dieses Jahr auch ermittelt, dass sich alle Menschen vor allem Gesundheit wünschen. Wenn Sie dazu beitragen wollen, haben Sie alle Hände voll zu tun!

Also packen Sie es an!