Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1/2007

Nun ist das Neue Jahr schon einige Wochen alt. Verheißungsvoll hat es keineswegs begonnen. Alles wurde teurer: 3% MwSt-Erhöhung, 0,7% Erhöhung der GKV, 7 ct/l Erhöhung der Spritpreise, Erhöhung aller Wohnnebenkosten (Strom, Gas, Öl, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr), Erhöhung der Steuerbelastung insgesamt durch Wegfall von Freibeträgen (Pendlerpauschale etc.). Auf der ganzen Linie Erhöhung, Erhöhung, Erhöhung … !!
Was bedeutet das für uns ? Was haben wir Hp damit zu tun ?
Für alle Mitbürger, die mit festem Einkommen zu rechnen haben, (Gehalts- Und Lohnempfäger, Rentner, Arbeitslose, Transferzahlungsempfäger), wird das Geld deutlich knapper. Es bleibt weniger für den Konsum, es bleibt aber auch weniger für die private Gesundheitsvorsorge. Und das betrifft uns Hp. Besonders wenn Praxen auf ältere Patienten einge- stellt sind, ist mit Umsatzausfällen zu rechnen.
Wir dürfen uns da keineswegs von der z.Z. laufenden Medienkampagnen täuschen lassen, die den Aufschwung beschwören, Preiserhöhungen im Einzelhandel verneinen und einen Konsumrausch im Dezember 2006 feiern. Tatsächlich wurde in Branchen, die hochwertige Technik oder Großgeräte anbieten, im alten Jahr mehr gekauft, um Steuern zu sparen. Aber generell waren viele Sparten des Einzelhandels gar nicht zufrieden. Außerdem ist damit zu rechnen, dass vorgezogene Einkäufe jetzt zur Stagnation führen können.

Welche Schlüsse sollten wir nun aus dieser Situation ziehen ?
Ich hatte schon vielfach darauf hingewiesen, dass jede Praxis ein kleiner Wirtschaftsbetrieb ist. Mehr denn je sollten wir das berücksichtigen und unsere Praxen nach strengen kaufmännischen Richtlinien führen. Schließlich kann von "roten Zahlen" auf Dauer niemand leben. Wichtig ist deshalb, dass wir das Neue Jahr mit einer Betriebsanalyse beginnen.
Sobald der Kostenrahmen feststeht, geht es an die Umsatzplanung. Daraus ergibt sich die Kalkulation unserer Behandlungskosten. Man kann es auch anders rechnen: nach dem Kostenbild und den Lebenshaltunbgskosten berechnet man das erforderliche Honorar und bemüht sich dann, mit der erforderlichen Patientenfrequenz das Umsatzziel zu erreichen. Dabei ist eine Liquidation nach unserem über 20 Jahre alten GebüH wenig hilfreich. Unsere Behandlungspreise müssen ganz individuell auf unsere Praxis abgestimmt sein. Da gibt es natürlich Unterschiede in der Kollegenschaft, jeweils nach dem Ambiente der Praxis. Wichtig ist auch, dass die PKV-Patienten sofort bei der Erstuntersuchung darauf hingewiesen werden, dass das zu zahlende Honorar möglicherweise von ihrer KV nicht in voller Höhe erstattet wird.
In diesem Zusammenhang sind auch Kreditgeschäfte zu überdenken. Bei der allgemein zunehmenden Zahlungsunwilligkeit der PKV ist es durchaus ratsam, auch nach jedem Behandlungstermin zu kassieren. Deshalb sollte eine Preisliste im Wartezimmer ausliegen.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich erlebe es täglich, dass mir von unseren Mitgliedern Leistungsverweigerungen der PKV mitgeteilt werden, die vor allem besonders unerfreulich sind, wenn der Behandler sein Honorar noch nicht bekommen hat. Der Ärger ist dann jedes Mal vorprogrammiert. Der Patient bleibt weg, vielfach das Geld auch.
Eine Klage gegen die Versicherung, die die meisten Patienten jedoch Nicht wollen, kann Jahre dauern. Auch in dieser Zeit erscheint der Patient nicht mehr zur Behandlung. Deshalb kann ich immer nur wieder raten, kassieren Sie sofort, wenn Sie Ihre Arbeit getan haben.
Zu Beginn meiner Tätigkeit als Hp habe ich mich über jeden PKV-Patienten gefreut, weil ich glaubte, nach dem damals noch frischen GebüH exakt meine Behandlung liquidiren zu können. Heute sehe ich das infolge leidvoller Erfahrung- vor allem mit den uns bekannten "Bösachtern" - leider ganz anders.
Versicherungen, die ihre Zusage der Hp-Behandlung nicht halten und folglich nicht erstatten, brauchen wir nicht. Bedauerlicherweise neigen immer mehr Versicherungen zur Leistungsverweigerung. Wenn ich nicht grundsätzlich gegen Sozialismus im Gesundheitssystem wäre, würde ich Frau Schmidt unterstützen, die PKV abzuschaffen. Denn es gibt nur noch ganz wenige Gesellschaften die vertragsgerecht bezahlen.

Wenn wir das gerade begonnene Jahr schadlos überstehen wollen, müssen wir insgesamt unser Praxismanagement verbessern. Selbstverständlich stehen wir dabei unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich gehört dazu effektive Fachfortbildung. Achten Sie diesbezüglich auf unsere Angebote.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg im Neuen Jahr.