Nun ist das Neue Jahr schon einige Wochen alt. Verheißungsvoll
hat es keineswegs begonnen. Alles wurde teurer: 3% MwSt-Erhöhung, 0,7% Erhöhung
der GKV, 7 ct/l Erhöhung der Spritpreise, Erhöhung aller Wohnnebenkosten (Strom,
Gas, Öl, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr), Erhöhung der Steuerbelastung insgesamt
durch Wegfall von Freibeträgen (Pendlerpauschale etc.). Auf der ganzen Linie
Erhöhung, Erhöhung, Erhöhung … !!
Was bedeutet das für uns ? Was haben wir Hp damit zu tun ?
Für alle Mitbürger, die mit festem Einkommen zu rechnen haben, (Gehalts- Und
Lohnempfäger, Rentner, Arbeitslose, Transferzahlungsempfäger), wird das Geld
deutlich knapper. Es bleibt weniger für den Konsum, es bleibt aber auch weniger
für die private Gesundheitsvorsorge. Und das betrifft uns Hp. Besonders wenn
Praxen auf ältere Patienten einge- stellt sind, ist mit Umsatzausfällen zu rechnen.
Wir dürfen uns da keineswegs von der z.Z. laufenden Medienkampagnen täuschen
lassen, die den Aufschwung beschwören, Preiserhöhungen im Einzelhandel verneinen
und einen Konsumrausch im Dezember 2006 feiern. Tatsächlich wurde in Branchen,
die hochwertige Technik oder Großgeräte anbieten, im alten Jahr mehr gekauft,
um Steuern zu sparen. Aber generell waren viele Sparten des Einzelhandels gar
nicht zufrieden. Außerdem ist damit zu rechnen, dass vorgezogene Einkäufe jetzt
zur Stagnation führen können.
Welche Schlüsse sollten wir nun aus dieser Situation ziehen ?
Ich hatte schon vielfach darauf hingewiesen, dass jede Praxis ein kleiner Wirtschaftsbetrieb
ist. Mehr denn je sollten wir das berücksichtigen und unsere Praxen nach strengen
kaufmännischen Richtlinien führen. Schließlich kann von "roten Zahlen" auf Dauer
niemand leben. Wichtig ist deshalb, dass wir das Neue Jahr mit einer Betriebsanalyse
beginnen.
Sobald der Kostenrahmen feststeht, geht es an die Umsatzplanung. Daraus ergibt
sich die Kalkulation unserer Behandlungskosten. Man kann es auch anders rechnen:
nach dem Kostenbild und den Lebenshaltunbgskosten berechnet man das erforderliche
Honorar und bemüht sich dann, mit der erforderlichen Patientenfrequenz das Umsatzziel
zu erreichen. Dabei ist eine Liquidation nach unserem über 20 Jahre alten GebüH
wenig hilfreich. Unsere Behandlungspreise müssen ganz individuell auf unsere
Praxis abgestimmt sein. Da gibt es natürlich Unterschiede in der Kollegenschaft,
jeweils nach dem Ambiente der Praxis. Wichtig ist auch, dass die PKV-Patienten
sofort bei der Erstuntersuchung darauf hingewiesen werden, dass das zu zahlende
Honorar möglicherweise von ihrer KV nicht in voller Höhe erstattet wird.
In diesem Zusammenhang sind auch Kreditgeschäfte zu überdenken. Bei der allgemein
zunehmenden Zahlungsunwilligkeit der PKV ist es durchaus ratsam, auch nach jedem
Behandlungstermin zu kassieren. Deshalb sollte eine Preisliste im Wartezimmer
ausliegen.
Ich weiß, wovon ich rede, denn ich erlebe es täglich, dass mir von unseren Mitgliedern
Leistungsverweigerungen der PKV mitgeteilt werden, die vor allem besonders unerfreulich
sind, wenn der Behandler sein Honorar noch nicht bekommen hat. Der Ärger ist
dann jedes Mal vorprogrammiert. Der Patient bleibt weg, vielfach das Geld auch.
Eine Klage gegen die Versicherung, die die meisten Patienten jedoch Nicht wollen,
kann Jahre dauern. Auch in dieser Zeit erscheint der Patient nicht mehr zur
Behandlung. Deshalb kann ich immer nur wieder raten, kassieren Sie sofort, wenn
Sie Ihre Arbeit getan haben.
Zu Beginn meiner Tätigkeit als Hp habe ich mich über jeden PKV-Patienten gefreut,
weil ich glaubte, nach dem damals noch frischen GebüH exakt meine Behandlung
liquidiren zu können. Heute sehe ich das infolge leidvoller Erfahrung- vor allem
mit den uns bekannten "Bösachtern" - leider ganz anders.
Versicherungen, die ihre Zusage der Hp-Behandlung nicht halten und folglich
nicht erstatten, brauchen wir nicht. Bedauerlicherweise neigen immer mehr Versicherungen
zur Leistungsverweigerung. Wenn ich nicht grundsätzlich gegen Sozialismus im
Gesundheitssystem wäre, würde ich Frau Schmidt unterstützen, die PKV abzuschaffen.
Denn es gibt nur noch ganz wenige Gesellschaften die vertragsgerecht bezahlen.
Wenn wir das gerade begonnene Jahr schadlos überstehen wollen, müssen wir insgesamt
unser Praxismanagement verbessern. Selbstverständlich stehen wir dabei unseren
Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich gehört dazu effektive Fachfortbildung.
Achten Sie diesbezüglich auf unsere Angebote.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg im Neuen Jahr.