Liebe Mitglieder, wenn es meine Zeit zulässt, lese ich auch
gern die Fachzeitungen anderer Verbände, insbesondere die Editorials. Immer
wieder interessant und amüsant sind da die Beiträge, des Kollegen Liebau, manchmal
etwas abgehoben, mehr für die Philosophen unter den Hp. Ganz anders dagegen
das Editorial des FDH-Präsidenten. Sofern er sich nicht selbst lobt, redet er
alle Probleme im Berufsstand schön. Vielfach so rosig, dass man annehmen möchte,
dass er die Arbeit an der Basis gar nicht mehr kennt und sicherlich schon lange
nicht mehr in einer Naturheilpraxis gewesen ist. Dafür beklagt er sich in seinem
Dezember-Beitrag über die schwere Arbeit eines Präsidenten, die schon frühmorgens
um 5:45 h arg auf seine golf-gestählten Schultern drückt. Dann muß er auch noch
tagsdarauf um 4:30 h geweckt werden, um nach Berlin zu fliegen, wo er mit Politikern
über die gesundheitspolitische Großwetterlage schwätzen möchte.
So ganz verstehe ich die Klage nicht. Schließlich gibt es doch für sein Amt
eine großzügig bemessene Aufwandsentschädigung und Spesen dazu. Wenn ich richtig
informiert bin, auch ein Geschäftsführergehalt sowie einen Rentenanspruch. Also
eine Versorgung, die sich kein Hp in seiner Praxis erarbeiten kann. Eigentlich
sollte man meinen, dass für dieses fürstliche Salär Leistung zu erwarten ist.
Vielleicht sogar Dienstreisen mit frühzeitigem Aufstehen. Doch es ist Sache
des FDH, wie er seine Funktionäre bezahlt und welches Engagement er dafür verlangt.
Aber für den Berufsstand wäre schon interessant: mit wem spricht er über uns
in Berlin ? Hatte er einen Besuchstermin bei Frau Schmidt? Worüber hatte er
überhaupt gesprochen? Welche Probleme standen auf der Tagesordnung ? Oder hatte
er gar keinen festen Termin?
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass wir in der bundesdeutschen Gesundheits-
politik mangels kompetenter Vertreter überhaupt nicht wahrgenommen werden. Unser
Image in der Öffentlichkeit sinkt. Angriffen in den Medien gegen uns wird nicht
ernsthaft widersprochen. Gerade in jüngster Vergangenheit waren es die kleinen
Verbände oder Einzelkämpfer, die sich gegen die üblen Verleumdungen öffentlich
gewehrt haben. Die mit sich selbst beschäftigte Präsidentenrunde, wo jeder seiner
eigenen Ambition nachgeht, hat sich nicht nachdrücklich zu Wort gemeldet.
Wir haben eben keine Lobby!
Dafür aber eine Präsidentin, die mit großem Eifer und Zeitaufwand alle Hp verfolgt,
die möglicherweise nicht ganz korrekt für ihre Praxis geworben haben. Auch Gering-
fügigkeiten werden hart verfolgt. Da hat sich z.B. ein Kollege im Internet abbilden
lassen. Auf dem Bild ist auch ein Stetoskop zu sehen. Für dieses Vergehen -
eine Lapalie! - berechnet das Anwaltsbüro, das ständig von der Union eingesetzt
wird, rund € 900,--, basierend auf einem Streitwert von € 13.500,--. Hier ist
doch wohl etwas faul ! Fast wöchentlich rufen mich KollegInnen an und berichten,
dass sie für Geringfügigkeit in dieser Größenordnung abgemahnt wurden, immer
von der gleichen Kanzlei. Soll hier ein RA saniert werden oder verdient auch
die Union daran?
Sicherlich, es ist nicht immer einfach, in der Werbung HPG, UWG und HWG richtig
auszulegen. Aber kann man diesen Wettbewerbsverstößen nicht anders begegnen
? Auch ich bin häufig damit befasst, unachtsame Kollegen abzumahnen. Doch das
lässt sich mit einem kollegialen Schreiben und einer Unterlassungserklärung
regeln. Zum Nulltarif für Einsichtige, mit Kosten erst, wenn sich jemand stur
stellt und damit selbst ein Verfahren heraufbeschwört. Aber selbst dann sind
hohe Streitwerte - s.o. - nicht angesagt.
Für weit schlimmer halte ich die zunehmende Werbung obskurer Institute oder
Ver- sicherungen, die mit unserem Berufsstand nichts gemein haben und in der
Grau- zone Patienten fischen möchten. Hier darf natürlich keine Nachsicht gelten.
Aber im Kollegenkreise sollte man sich anders verhalten als die Unionspräsidentin,
die wahrscheinlich gar nicht weiß, wie mühsam ein Behandler ein Strafgeld von
€ 900,-- verdienen muß. Für ihn wäre es weitaus besser, er würde dieses Geld
in die Fortbildung oder Zertifizierung seiner Praxis stecken. Nur diese Themen
sind dem DDH unbequem. Gerade erst haben sie einen Verband ausgeschlossen, der
dies fordert.
Ich will keineswegs "brutalstmöglich" - wie man heute in der Politik sagt -
polarisieren, aber über Missstände, die mir bekannt werden, will ich auch nicht
schweigen. Außerdem stehen Spitzenfunktionäre, die uns in der Öffentlichkeit
vertreten wollen, nun einmal in der Kritik. Wer ein Präsidenten-Amt sucht, muß
damit leben!
Unser Verband ist zu klein, um die anstehenden Probleme selbst zu meistern.
In den 15 Jahren unseres Bestehens haben wir allerdings schon vieles bewirken
können. Wir haben bei höchsten Gerichten wichtige Urteile für den Berufsstand
erzielen können. Wir hatten große Erfolge bei Leistungsdifferenzen mit der PKV.
Das Gutachterunwesen, das wir nach wie vor bekämpfen, konnten wir eindämmen.
Jetzt bieten wir dem Berufsstand die Zertifizierung nach Iso 9001 an und fördern
damit die Qualifizierung der Naturheilpraxen.
Auf dieser Schiene werden wir weiterarbeiten. Dazu gehört auch, dass Sie einmal
im Monat von mir an dieser Stelle aufbauende Kritik lesen. Missstände dürfen
nicht vertuscht werden. Unser Berufsstand benötigt dirngend bessere Führung
und ein positives Image.