Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2006

Es ist erst wenige Wochen her, dass wir uns gegenseitig zum Jahreswechsel alles Gute gewünscht und die Hoffnung ausgedrückt haben, das Neue Jahr möge doch besser werden als das vergangene. Wenn ein altes Sprichwort sagt: " Die Hoffnung stirbt zuletzt", dann wollen wir weiter hoffen.

Begonnen hat das neue Jahr, wie das alte aufgehört hat. Zwar gab es diesmal keine Naturkatastrophe wie der Tsunami. Dafür gab es in Europa viele Todesfälle durch ungewohnt eisige Kälte. Große Hallen stürzten unter der Schneelast ein. Tausende Erdbebenopfer starben in den Bergen Kaschmirs unter Schnee und Eis. Der islamische Terror verlangt auch weiterhin seine Opfer. Der Iran bastelt ungeniert an seiner Atombombe. Die übrige Welt schaut machtlos zu. Frankreich droht mit einem Atomschlag. Russland dreht unlieben Nachbarn den Gashahn zu. Im Irak geht der Terror weiter und finanziert sich durch Geiselnahme. Global also alles wie gehabt.
Innenpolitisch begann das Jahr für die deutschen Bürger nicht viel besser. Die abgewählten Politiker haben sich auf lukrative Wirtschaftsposten verabschiedet. Die Opposition ist zerstritten und ohnmächtig. Ihre Vorturner versuchen sich an angeblichen CIA- und BND-Affären zu profilieren. Die neue Kanzlerin kommt gut an. Aber ihre Innenpolitik der kleinen Schritte wird vom Volk nicht wahrgenommen. Denn die wirklich großen Probleme, die Gesundheitsreform, Renten- und Pflegeversicherung, Haushaltssanierung und Föderalismusreform - werden vor sich her geschoben. Dabei merken wir Tag für Tag, wie wichtig es ist, die Sozialsysteme endlich so zu ordnen, dass sie zukunftssicher sind und auch unseren Kindern noch eine Perspektive lassen. Die Gesundheitsreform, als Jahrhundertwerk, von Herrn Seehofer und Frau Schmidt "in der schönsten Nacht ihres Lebens" gepriesen, ist bereits nach zwei Jahren am Ende. Der Volksmund sagt, sie war "ein Schuss in den Ofen". Ich will mich an dieser Stelle nicht wiederholen und erneut Gewinner und Verlierer aufzählen. Trotzdem möchte ich nochmals feststellen, der Dumme war hauptsächlich der Patient. Das ganze "Reformwerk" wurde auf dem Rücken kranker Menschen ausgetragen. Vielleicht wurde jetzt durch den Ärztestreik der Bevölkerung das eigentliche Ausmaß des Gesundheitsdesasters bewusst. Wer diesmal richtig hingehört hat, muss begriffen haben, dass bei allen Reparaturversuchen und gegenseitigen Schuldzuweisungen dem Patienten nur wieder Flickwerk angeboten wird, für das man ihn erneut zur Kasse bittet. Mit den bisher gemachten Vorschlägen ist keine Sanierung oder gar Besserung in Sicht.

Bei diesem Chaos im Gesundheitswesen bietet sich eigentlich ein willkommenes Podium, die Naturheilkunde - getragen durch unseren Berufsstand - als zweite Säule der medizinischen Versorgung ins Spiel zu bringen, die vom Patienten in Eigenverantwortung - wie vom Staat gewünscht - getragen wird und somit die Sozialsysteme nicht belastet. Haben Sie - rein zufällig vielleicht - gehört, dass sich unsere Führungselite hier zu Wort gemeldet hat? Nein, sie hält sich vornehm zurück!
Nur nicht das Image der Hp-schaft aufpolieren, lieber Kleinkrieg mit den Behandlern an der Basis führen! Hinterherschnüffeln und anzeigen, wenn jemand einen akademischen Titel im Namen führt, eine Anzeige schaltet, die nicht gefällt oder einen Aufsatz veröffentlicht, der provoziert. Selbst gut versorgt, macht man den behandelnden Kollegen die Arbeit zusätzlich schwer.
Lässt sie vor allem durch "Bösachter", über deren fachliche Qualität die Medizinwelt lacht, schädigen. Nur, mit dieser Form der Öffentlichkeitsarbeit bringt man unseren Berufsstand nicht aus der Schmuddelecke der Heiler - Hexer - Schamanen. So nimmt uns niemand wirklich ernst und all die lobenswerten Heilerfolge in unseren Praxen verpuffen oder werden gar nicht wahrgenommen. Diesem Zustand entgegenzuwirken, gibt es eigentlich nur ein Rezept, die "Zertifizierung nach Iso 9001".
Sie belegt - durch Prüfungen (Audits) überwacht - die Qualität unserer Praxen, und zwar für jedermann nachvollziehbar! Die "gläserne Praxis" schafft Vertrauen beim Patienten, der PKV und allen Geschäftspartnern! Solange unser Berufsstand an Führungsschwäche leidet, bleibt uns eigentlich gar kein anderer Ausweg. Oder doch? Ja, ich könnte mir vorstellen, die werten und ebenso dotierten Funktionäre würden ein Golf-Date mit namhaften Gesundheitspolitikern verabreden und diskutierend, verhandelnd, kungelnd über den grünen Rasen von Loch zu Loch schreiten und dann beim Einputten alle unsere Probleme gelöst haben. Wenn dann anschließend Präsident Zizmann wie einst Minister Seehofer "eine schöne Nacht" mit Frau Schmidt verbringen würde, wäre doch unsere Zukunft gesichert und alles paletti. Sollte sich diese Vision erfüllen, würde ich dem Tennis ade sagen und nur noch Golf spielen.