in unserer letzten Ausgabe ist mir in meinem Artikel "Rückblick"
ein höchst peinlicher Irrtum unterlaufen. Für diese Verwechslung - ein Blackauot
in der Hektik des Alltages - möchte ich mich beim Vorstand des BDH und seinen
Mitgliedern ent- schuldigen. Es war nicht meine Absicht, die honorigen Vorstandsmitglieder
des BDH mit den unsäglichen Machenschaften gegen die hochbetagte Kollegin E.
König, die 31 Jahre ihre Praxis ohne Fehl und Tadel geführt hatte, in Verbindung
zu bringen. Gemeint war in meinem o.g. Bericht die Präsidentin der Union, die
mit einem "Gedächnisprotokoll" dazu beigetragen hat, die Existenz ihres langjährigen
Mitgliedes zu vernichten. Worum ging es?
Frau Kollegin König verspürte immer wieder den Drang, ihre eigene Meinung zu
Krankheiten und deren mögliche Therapien in Zeitschriften zu veröffentlichen.
Dies hatte einigen Professoren der MHH ganz und gar nicht gefallen. Sie forderten
vom zuständigen Amtsarzt eine erneute Überprüfung. Die Unions-Vorsitzende sollte
ihrem Mitglied, das 30 Jahre ihrem Verband angehörte und ebenso erfolgreich
tätig war, in dieser heiklen Situation beistehen, lehnte aber ab und saß dann
anschließend im Prüfungsausschuß, wo sie der fachlich versierten, erstklassig
ausgebildeten (MTA) Kollegin, die in unserem Berufsstand und bei Patienten weit
über ihre Region hinaus einen tadellosen Ruf genoß, in dem bereits erwähnten
"Gedächnisprotokoll" bescheinigte, dass die Hp'in König eine Gefahr für die
Volksgesundheit sei. Auf diese Aussage stützte sich hauptsächlich der Amtsarzt
bei Rücknahme der Zulassung. Auch der Verwaltungsrichter machte sich diese Aussage
zu eigen. Eine fast 80jährige Kollegin, die Jahrzehnte durch Fachkompetenz geglänzt
hatte, steht heue vor dem Nichts: Existenz ruiniert, Lebenswerk zerstört ! Hat
sie dafür all die Jahre der Union Beiträge gezahlt?!
Da ich alle Unterlagen dieses beschämenden Vorganges - so geht man mit Kollegen
einfach nicht um ! -, hinreichend studiert habe, drängte sich mir ohnehin der
Eindruck auf, dass hier nicht alles mit rechten Dingen gelaufen ist. Wäre dieses
Verfahren aber so korrekt, könnte man jeden unliebsamen Kollegen, selbst wenn
er über 30 Jahre erfolgreich tätig ist, durch Denunzitation ausschalten. Da
die DDH dieser Sache kein Augenmerk gewidmet hatten, muß der betroffene Hp stets
davon ausgehen, dass er von seinem Verband keine Hilfe zu erwarten hat. Da mich
der Fall König sehr betroffen gemacht hat, habe ich vermutlich in der Erregung
die Verbände verwechselt. Das tut mir wirklich leid! Aber vielleicht liegt es
auch daran, dass unser Berufsstand in zu viele Verbände aufgesplittet ist, deren
Namen man sich gar nicht alle merken kann. Gerade deshalb habe ich mit großem
Interesse den Artikel des Chefredakteurs "Naturheilkunde", ehemaliger Präsident
FDH, Hp Liebau, gelesen über die Geschichte der Heilpraktiker.
Unter diesem Namen, den wir heute noch tragen, fasste die Regierung des "III.
Reiches" alle Naturheilkundigen zusammen, gab ihnen Richtlinien durch ein Gesetz
und bestimmte eine Berufsvertretung durch einen Einheitsverband, der mit seiner
Existenz den Krieg überdauerte. Aus dem ging dann der FDH hervor.
Als in der Bundesrepublik wieder normale Verhältnisse eintraten, zerfaserte
dieser Einheitsverband. Dafür gab es viele Gründe: Antipathien der Funktionäre
unter- einander, Profilneurosen, aber auch die Aussicht, mit einem eigenen Verband
viel Geld zu verdienen. So gibt es heute noch sehr eigenartige Verbandssatzungen,
nach denen der Präsident nicht abwählbar ist oder seine stete Wiederwahl selbst
bestimmen kann.
Tatsache ist, dass diese Zersplitterung unserem Berufsstand nicht gut getan
hat. Wir sollten zu einem Dachverband, wie er mit der Kooperation schon einmal
angedacht, aber an den Egoismen einiger "Präsidenten" gescheitert war, zurück-
finden. Leider bringen wir Hp für ein Kammer-System nicht die erforderlichen
Voraussetzungen mit. Deshalb müssen wir eine andere Lösung finden, unseren Berufsstand
fach- und sachgerecht zu führen. Vorstand muß immer ein demokratsich gewählter
Hp sein. Aber ihm zur Seite müssen Wirtschafts- und Finanzfachleute stehen,
Juristen nicht zu vergessen. Unser Berufsstand muß endlich fachkompetent gemanaget
werden, um Zukunftssicherheit zu erhalten.
Unser Image in der Öffentlichkeit muß deutlich verbessert werden. Die Gesund-
heitspolitik sollte uns ernst nehmen müssen.
So wie es jetzt läuft, ist es nicht zu erreichen. Wir können aber auch nicht
hoffen, dass sich die jetzige Funktionärsspitze selbst wegreformiert. Die Reformen
müssen vielmehr von der Basis kommen. Jeder von uns ist gefordert. Unser kleine
Verband ist jederzeit für Vorschläge offen. Bitte schreiben Sie mir, wie Sie
über die Zukunft unseres Berufsstandes denken. Lassen Sie uns miteinander über
unsere künftigen Existenzmöglichkeiten diskutieren.