Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2007

in unserer letzten Ausgabe ist mir in meinem Artikel "Rückblick" ein höchst peinlicher Irrtum unterlaufen. Für diese Verwechslung - ein Blackauot in der Hektik des Alltages - möchte ich mich beim Vorstand des BDH und seinen Mitgliedern ent- schuldigen. Es war nicht meine Absicht, die honorigen Vorstandsmitglieder des BDH mit den unsäglichen Machenschaften gegen die hochbetagte Kollegin E. König, die 31 Jahre ihre Praxis ohne Fehl und Tadel geführt hatte, in Verbindung zu bringen. Gemeint war in meinem o.g. Bericht die Präsidentin der Union, die mit einem "Gedächnisprotokoll" dazu beigetragen hat, die Existenz ihres langjährigen Mitgliedes zu vernichten. Worum ging es?
Frau Kollegin König verspürte immer wieder den Drang, ihre eigene Meinung zu Krankheiten und deren mögliche Therapien in Zeitschriften zu veröffentlichen. Dies hatte einigen Professoren der MHH ganz und gar nicht gefallen. Sie forderten vom zuständigen Amtsarzt eine erneute Überprüfung. Die Unions-Vorsitzende sollte ihrem Mitglied, das 30 Jahre ihrem Verband angehörte und ebenso erfolgreich tätig war, in dieser heiklen Situation beistehen, lehnte aber ab und saß dann anschließend im Prüfungsausschuß, wo sie der fachlich versierten, erstklassig ausgebildeten (MTA) Kollegin, die in unserem Berufsstand und bei Patienten weit über ihre Region hinaus einen tadellosen Ruf genoß, in dem bereits erwähnten "Gedächnisprotokoll" bescheinigte, dass die Hp'in König eine Gefahr für die Volksgesundheit sei. Auf diese Aussage stützte sich hauptsächlich der Amtsarzt bei Rücknahme der Zulassung. Auch der Verwaltungsrichter machte sich diese Aussage zu eigen. Eine fast 80jährige Kollegin, die Jahrzehnte durch Fachkompetenz geglänzt hatte, steht heue vor dem Nichts: Existenz ruiniert, Lebenswerk zerstört ! Hat sie dafür all die Jahre der Union Beiträge gezahlt?!

Da ich alle Unterlagen dieses beschämenden Vorganges - so geht man mit Kollegen einfach nicht um ! -, hinreichend studiert habe, drängte sich mir ohnehin der Eindruck auf, dass hier nicht alles mit rechten Dingen gelaufen ist. Wäre dieses Verfahren aber so korrekt, könnte man jeden unliebsamen Kollegen, selbst wenn er über 30 Jahre erfolgreich tätig ist, durch Denunzitation ausschalten. Da die DDH dieser Sache kein Augenmerk gewidmet hatten, muß der betroffene Hp stets davon ausgehen, dass er von seinem Verband keine Hilfe zu erwarten hat. Da mich der Fall König sehr betroffen gemacht hat, habe ich vermutlich in der Erregung die Verbände verwechselt. Das tut mir wirklich leid! Aber vielleicht liegt es auch daran, dass unser Berufsstand in zu viele Verbände aufgesplittet ist, deren Namen man sich gar nicht alle merken kann. Gerade deshalb habe ich mit großem Interesse den Artikel des Chefredakteurs "Naturheilkunde", ehemaliger Präsident FDH, Hp Liebau, gelesen über die Geschichte der Heilpraktiker.
Unter diesem Namen, den wir heute noch tragen, fasste die Regierung des "III. Reiches" alle Naturheilkundigen zusammen, gab ihnen Richtlinien durch ein Gesetz und bestimmte eine Berufsvertretung durch einen Einheitsverband, der mit seiner Existenz den Krieg überdauerte. Aus dem ging dann der FDH hervor.
Als in der Bundesrepublik wieder normale Verhältnisse eintraten, zerfaserte dieser Einheitsverband. Dafür gab es viele Gründe: Antipathien der Funktionäre unter- einander, Profilneurosen, aber auch die Aussicht, mit einem eigenen Verband viel Geld zu verdienen. So gibt es heute noch sehr eigenartige Verbandssatzungen, nach denen der Präsident nicht abwählbar ist oder seine stete Wiederwahl selbst bestimmen kann.
Tatsache ist, dass diese Zersplitterung unserem Berufsstand nicht gut getan hat. Wir sollten zu einem Dachverband, wie er mit der Kooperation schon einmal angedacht, aber an den Egoismen einiger "Präsidenten" gescheitert war, zurück- finden. Leider bringen wir Hp für ein Kammer-System nicht die erforderlichen Voraussetzungen mit. Deshalb müssen wir eine andere Lösung finden, unseren Berufsstand fach- und sachgerecht zu führen. Vorstand muß immer ein demokratsich gewählter Hp sein. Aber ihm zur Seite müssen Wirtschafts- und Finanzfachleute stehen, Juristen nicht zu vergessen. Unser Berufsstand muß endlich fachkompetent gemanaget werden, um Zukunftssicherheit zu erhalten.
Unser Image in der Öffentlichkeit muß deutlich verbessert werden. Die Gesund- heitspolitik sollte uns ernst nehmen müssen.
So wie es jetzt läuft, ist es nicht zu erreichen. Wir können aber auch nicht hoffen, dass sich die jetzige Funktionärsspitze selbst wegreformiert. Die Reformen müssen vielmehr von der Basis kommen. Jeder von uns ist gefordert. Unser kleine Verband ist jederzeit für Vorschläge offen. Bitte schreiben Sie mir, wie Sie über die Zukunft unseres Berufsstandes denken. Lassen Sie uns miteinander über unsere künftigen Existenzmöglichkeiten diskutieren.