Liebe Mitglieder,
wenn ich den großen Präsidenten der FDH in einem seiner Editorials richtig verstanden
habe, erhebt er den Anspruch über 20.000 HPs zu gebieten. Damals habe ich diese
hohe Zahl schon angezweifelt. Selbst wenn damit die Mitglieder aller DDH-Verbände
angedacht sind, kann die Zahl nicht stimmen, denn die Gesundheitsämter geben
eine Auskunft, die deutlich niedriger liegt. Darin sind dann aber auch die HPs
enthalten, die nicht in den DDH-Verbänden organisiert sind, sowie unser Dachverband
und wir.
Nehmen wir aber einmal an, der Präsident würde tatsächlich über das Beitragsaufkommen
von 20.000 HPs verfügen, wären das in etwa 4 Mio. €. Eine stolze Summe, bei
der man schon einmal fragen darf, wie sie verwendet wird. Wie hoch belaufen
sich die Verwaltungskosten (Mieten, Personal etc.)? Wieviel wird für die Alimentierung
der Funktionäre ausgegeben? Gibt es auch ein Konzept für gemeinsame PR-Aktionen,
die das Image unseres Berufsstandes in der Öffentlichkeit heben? Oder wirtschaftet
jeder Verband undurchsichtig für sich? Dann ergibt sich noch die Frage: wie
viel wird mit Schulung und Kongressen verdient?
Als ehemaliger Rechnungsprüfer des VDH musste ich seinerzeit feststellen, dass
diese Einnahmen in gesondert gegründete GmbH`s flossen und dem Verband nicht
zur Verfügung standen. Ist das heute auch noch so? In wessen Taschen versickert
dieses Geld?
Ganz abgesehen davon plädiere ich für 2-3 Großveranstaltungen im Jahr, die dann
von der Messe-Gesellschaft so korrekt abgerechnet werden, wie es in Düsseldorf
üblich ist. Weniger, aber gut ausgestattete Kongresse sind mehr, als wenn jeder
Regionalverband eine Tagung macht, die nichts zu bieten hat. So wie zum Beispiel
der Niedersächsische Naturheilkunde-Kongreß vom 23.02.08, der in seiner Einladung
mit einer Industrie-Ausstellung von 50 Teilnehmern warb. Anwesend gezählt wurden
aber nur 37. Entsprechend schwach war der Besuch. Ganz abgesehen davon, dass
man sich als Teilnehmer verschaukelt fühlt, sind schwache Veranstaltungen für
die Pharma-Industrie nicht attraktiv. Sie kann aus Kostengründen nur noch Kongresse
wahrnehmen, die auch ein Anziehungsmagnet sind. Wo jedes Mal einige tausend
Besucher zu erwarten sind. Dazu zählen dann Programme, die sich nicht nur mit
Fortbildung befassen, sondern auch die Gesundheitspolitik berühren. Politische
Entscheidungen müssen diskutiert werden, um das Augenmerk der HP für unsere
Position im Gesundheitswesen zu schärfen. Täglich gibt es Veränderungen, neue
Gesetze, europäische Einflussnahme und Einschränkungen im Pharmaangebot. Darüber
muss man sprechen!
Wichtig sind ebenso Instruktionen über die Wirtschaftlichkeit unserer Praxen.
Existenzsicherung für die Zukunft! Jeder dieser Kongresse muss offen sein für
alle naturheilkundlichen Therapeuten, aber auch für alle Bürger, die sich für
unseren Berufsstand, unsere Therapien und die Naturheilkunde interessieren.
Unlängst durfte ich zur Kenntnis nehmen, dass auch Spitzenfunktionäre "Meine
Meinung" lesen. Etwas weinerlich beklagte sich der Vize-Vorsitzende des VDH,
der jetzt bis zum Ende der Legislaturperiode die verstorbene diamantene Lichtgestalt
vertritt, dass ich ihn nicht als Präsidenten anerkannt habe. Dafür übersandte
er mir extra die VDH-Satzung, die mir jedoch noch hinreichend bekannt ist. Sie
war eigentlich nur die Richtlinie für den Scharnick-Wahlverein, hatte aber nie
einen demokratischen Ansatz.
Sofern der Herr Vertreter das ändern will, um sich demnächst von der Jahreshauptversammlung
demokratisch zum 1. Vorsitzenden wählen zu lassen, wird er selbstverständlich
meine Anerkennung haben. Sogar meine Unterstützung, wenn er darüber hinaus bereit
sein sollte, sich für Reformen im Berufsstand zu engagieren und Missstände zu
beseitigen.
Aber ein "Weiter so" - Postenkungelei, Mauscheln mit GmbH`s, Verschleierung
der Finanzen - werde ich immer öffentlich kritisieren. Unser Berufsstand muss
sich endlich von diesen Machenschaften befreien!