Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 4/2004

Seit zwei Monaten wird nun schon die umstrittene Gesundheitsreform in die Tat umgesetzt. Wie aus täglichen Pressemeldungen allgemein bekannt, haben die schweren handwerklichen Fehler der Verantwortlichen bei der Bevölkerung für helle Empörung gesorgt. Besonders bei den wirtschaftlich schwachen Schichten der GKV-Versicherten.

Die Aufregung hat sich bis heute nicht gelegt. Aber inzwischen sind die ersten Auswirkungen absehbar. Die Kassenärztliche Vereinigung sprach von Umsatzeinbußen bei Ärzten über 17 Prozent. Die so genannte "Praxisgebühr", die eigentlich eine Beitragserhöhung ist, zeigt erste Wirkung.

Über Umsatz-Minus klagen auch die Apotheker. Unlängst sammelte ich selbst Praxiserfahrung bei einem befreundeten Arzt. Ich war zum Quick-Test bestellt. Obwohl mir bevorzugte Behandlung widerfuhr, musste ich zunächst eine Stunde im Wartezimmer sitzen. "Bei uns tanzt zur Zeit der Bär", nannte es die Sprechstundenhilfe. Auf meine Frage, ob alle diese Menschen denn krank seien, kam die Antwort: "Nee, die holen nur Überweisungen." Wenn dem wirklich so ist, hat hier die "Reform" bereits verloren. Von Kostendämpfung kann dann keine Rede sein. Ohnehin sind inzwischen die Verheißungen, die uns die Superministerin Schmidt stets lächelnd im TV gibt, nicht mehr glaubhaft.

Kaum eine GKV hat bisher die angekündigten Beitragssenkungen durchgeführt. Im Gegenteil, für mich als Rentner werden demnächst die Prämien steigen. Das trifft natürlich auf alle Rentner zu. So haben bisher diese Reformbestrebungen das Geld knapper gemacht. Die Steuerreform ist weitestgehend verpufft und hat kaum jemanden verleitet, zusätzlich Geld ausgegeben. Die allgemein spürbare Verknappung des Geldes beschert nicht nur den Ärzten und Apothekern ein Minus. Der Einzelhandel klagt noch gewaltiger. Und auch in unseren Praxen zeigt sich eine Umsatzbremse. Insbesondere, wenn die Klientel vorwiegend aus Rentnern besteht.

Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass Sie Ihre Praxis als Wirtschaftsunternehmen sehen und auch so führen! Nach dem Erstattungswirrwarr der Beihilfe - Bundesbeihilfe streicht im Gegensatz zur Landesbeihilfe die Erstattung rezeptfreier Medikamente - steigen mit dem neuen Jahr auch die Leistungsverweigerungen der PKV merklich an. Auf die geänderten Richtlinien der Beihilfe, die nun viele Therapien ausschließen, müssen wir uns einrichten. Aber der stete Ärger mit Patienten, die ihr Geld von der PKV nicht bekommen, müsste nicht sein. Zumindest sollten wir Hp nicht als "Gutachter" daran mitwirken! Immer häufiger weisen Versicherungen, die nicht zahlen wollen, darauf hin, dass der Hp über-therapiert habe, und der VN möge bei ihm wegen Rückerstattung des Honorars vorsprechen. Unerhört, aber wahr!

Ich habe die drei Bundestagsabgeordneten der hiesigen Region zur gezielten Vernichtung der Naturheilkunde angesprochen. Antwort habe ich nur vom MdB der CDU erhalten, ausführlich und in netten Worten, aber neben der Sache. Es ist auch bei den Abgeordneten des Hohen Hauses festzustellen, dass sie nicht durchschauen, was durch die von allen Patienten getragene Gesundheitsreform mit uns geschieht. Der CDU-Mann schreibt, dass ein lebhafter Wettbewerb zwischen den Pharma-Firmen alles zum Guten richten wird. Es scheint ihm verborgen geblieben zu sein, dass die synthetische Groß-Pharma eine Monopolstellung anstrebt - mit Hilfe der Politiker - und die naturheilkundlichen Präparate durch Erstattungsverbote vom Markt drängt. Ich glaube es ist geboten, auch hier die Herren MdBs aufzuklären. Allerdings wäre das eigentlich die Aufgabe der Spitzenfunktionäre. Sollten Sie von diesen Damen und Herren Kollegen, die sich aus unseren Beiträgen reichlich alimentieren, gehört haben, dass sie sich öffentlich in den Medien dazu geäußert haben, lassen Sie es mich wissen, damit ich meinen Vorwurf zurücknehmen kann.