Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 4/2005

Leider sehe ich in meiner Praxistätigkeit und meiner Verbandsarbeit zurzeit nur wenig, was mich erfreut. Zunächst hat sich die politische Großwetterlage so verdüstert, dass sie vielen Menschen schon trostlos erscheint. Die offizielle Statistik meldet über fünf Millionen Arbeitslose, wobei die wirkliche Zahl der Arbeitssuchenden wohl höher liegen dürfte. Das belegt, dass die Reformmodelle Hartz I-IV keine neuen Arbeitsplätze schaffen.

Bei Rente und Pensionen sind weitere Einschnitte zu befürchten, und in Deutschland steigt die Armutsgrenze. Die Schere zwischen arm und reich ist weiter auseinandergedriftet. So sah ich unlängst eine zu dieser Situation passende Karikatur, die einen kleinen zerlumpten Knaben zeigte, sowie als oberste Bundeskrankenschwester Frau Ulla Schmidt. Der Kleine zeigt auf seine zerrissenen Kleider und sagt: "Arm dran!" Darauf antwortete die Ministerin: "Immerhin - besser als arm ab!! Nach dieser Beschwichtigungsdevise wird offensichtlich momentan Politik gemacht. Wenn die Arbeitslosigkeit ins Unerträgliche steigt, sagt man uns, das liegt nur an der Statistik. Sinken die Renten, heißt es, die Senioren haben ja ohnehin genügend Rücklagen. Weil man nicht an der Steuerschraube drehen will, erhöht man Überall die Gebühren. Satte Gewinne hat lediglich die GKV gemacht. Nur daran werde wir nicht partizipieren. Statt die Prämien zu senken wie versprochen, sollen damit Altschulden gesenkt werden. Nun war die "Gesundheitsreform" von vorn herein nur Flickschusterei und konnte für die Bürger kein positives Ergebnis bringen. Aber auch im übrigen gibt es immer abgedroschenere Sprechblasen und leere Versprechungen der Politiker. Die Parteien machen permanent Wahlkampf und sind in ihrer Auseinandersetzung keinesfalls zimperlich. Bei dieser Gemengelage ist der Bürger frustriert, fühlt sich belogen und betrogen und übt sich in Wahlenthaltung. Die Fraktion der Nichtwähler dürfte bald die größte sein.

So hat sich nun das neue Jahr vorgestellt. Alle Bevölkerungsschichten mussten Abstriche machen. Natürlich merken auch wir, dass das Geld bei den Patienten festsitzt oder die private Gesundheitsvorsorge gar nicht mehr vorhanden ist. Ärztepräsident Dr. J.-D. Hoppe warnte bereits seine Kollegen davor, den Kranken unnötige Therapien aufschwatzen. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Helga Kühn-Mengel, sprach bereits von "Abzockerei". In der Tat bieten inzwischen fast alle niedergelassenen Ärzte privat zu zahlende Therapien an, die auch in die Bereiche der Naturheilkunde gehen.

Und immer muss ich feststellen, dass wir uns in unserer wirtschaftlichen Existenz selbst schaden. Seit nunmehr 20 Jahren prangere ich die Gefälligkeitsgutachterei an. Man kann es der PKV nicht vorwerfen, dass sie sich dieser "Bösachter" bedient, um Geld zu sparen. Aber man muss es den großen Verbänden vorhalten, dass sie hier jämmerlich versagt haben, einfach wegsehen oder mitbeteiligt sind. Wenn mir eine angesehene Versicherung schreibt, dass nicht der begutachtende Hp i.R. seine behandelnden Kollegen diffamiert, sondern jeder, der sich dagegen wehrt, diesen diffamiert, dann bringt dieses Schreiben die Situation auf den Punkt. Nur die Verantwortlichen für unseren Berufsstand können die unsägliche Gefälligkeitsgutachterei beenden, indem sie endlich die "Bösachter", in die Wüste schicken. Wenn ich einmal davon ausgehen darf, dass unsere "Präsidenten" mehr oder wenig gut dotierte Aufwandsentschädigungen aus dem Beitragsaufkommen beziehen, haben sie - verdammt - die Pflicht, ihre Mitglieder vor Schaden zu bewahren! Ich setze mich mit diesem Thema bereits seit 20 Jahren auseinander und kann auch belegen wovon ich rede.

Sofern sie mir das Recht geben sollten, dass wir Hp aufgrund der Konjunkturkrise, eigener Fehler und immer wieder aufgeschobener Berufsprobleme in schwere See geraten sind, dann erwarte ich z.B., dass der Präsident des noch größten Verbandes als Kapitän auf der Brücke steht, um unser Hp-Schiff in den sicheren Hafen zu bringen. Weit gefehlt, ich stelle offensichtlich zu hohe Erwartungen an Golf-Cäptain Peter Zizmann. Er führt wohl eher seine elitären Senioren von Loch zu Loch durch eine harmonische, anregende, erlebnisreiche Golfsaison. Wollen wir ihm nur wünschen, dass er in Loch 7 nicht stecken bleibt.

Aber wo ist hier Harmonie, wo die Anregung zur Existenzsicherung für den Berufsstand. Die eigene ist ja gesichert! Oberhalb der Armutsgrenze! Warum sich also um Andere Sorgen machen? Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als das Steuer selbst zu übernehmen. Eigeninitiative ist gefragt! Nur dann benštigen wir keine hoch alimentierten Funktionäre! Wir sollten deshalb bei allen Wahlen daran denken, es zu ändern.

Bitte erinnern Sie sich auch daran, bei allen Praxisproblemen finden Sie Hilfestellung in unserem kleinen Verband. Wenn Sie einen Rat suchen, rufen Sie mich an. Ich helfe Ihnen soweit wie möglich.