Liebe Mitglieder,
als ich auf dem Hp-Tag in Düsseldorf als Zuhörer in der berufspolitischen Diskussion
sass, kam ich doch sehr ins Grübeln. Wir alle wissen, dass unser Berufsstand
viele Probleme hat, dass sich immer wieder neue Mißstände zeigen und dass unser
Image in der Öffentlichkeit zu wünschen übrig lässt. Sind das nun reparable
Defizite oder sind wir Hp im Niedergang begriffen? Wenn ja, dann scheint er
an Rasanz zuzunehmen.
Hörte man also dieser Diskussion zu, so spielte unser Berufsstand in der Gesundheitspolitik
kaum eine Rolle. Unsere Spitzenfunktionäre bewirken nichts, sie streiten untereinander,
schweigen aber zu allen Problemen. Abwarten und Aussitzen ist ihre Devise!
Die Politiker – Landtagsabgeordnete – auf dem Podium hatten ausser gegenseitigen
Schuldzuweisungen nichts zu bieten. Der Vertreter der Pharma-Industrie – Herr
Dr. Volkmann – beklagte die überbordende Bürokratie des BfArM, die sich nicht
nach Wirksamkeit der Medikamente ausrichte, sondern nur danach, wie man durch
hohe (Preis-) Auflagen biologische Therapeutika aus dem Markt drängt. Auch der
Vertreter der Heilpraktikerschaft - EFN - Herr Hp Abels – (nach Zizmann einer
der „Bösen“) beklagte die Arbeit des BfArM, das uns täglich wirksame Medikamente
vom Markt purzeln lässt.
Leider wurde eine Zukunftsvision zur Abhilfe nicht sichtbar. Das Fazit der Diskussion
war absolut unbefriedigend. Wahrscheinlich ist der Großlobby – wir schauen da
sicherlich alle in die gleiche Richtung – niemand gewachsen. Zudem, wir Hp haben
schon aus den bereits geschilderten Gründen keine Lobby.
So kam aus der Zuhörerschaft der Vorschlag, in einen Fonds für PR-Massnahmen
zu spenden, um unsere Bedeutung im Gesundheitssystem in der Öffentlichkeit besser
darzustellen. Ich habe zu diesem Thema schon oft, aber leider immer vergeblich,
angeregt, einen geringen %-Anteil der Beiträge für PR-Arbeit zu verwenden. Dieses
Geld wäre für unsere Image-Pflege gut angelegt.
Ein Lichtblick dieses Hp-Tages war jedoch, dass Hp Abels verkünden konnte, dass
der Halbsatz, der in der 15. Novelle zum AMG vergessen worden war und uns Hp
die Eigenbluttherapie gekostet hätte, inzwischen auf Widerspruch wieder eingefügt
wurde.
Hier ist der Kelch noch einmal an uns vorübergegangen. Die „Kuh“ wurde aber
nicht von den DDH vom Eis geholt.
Es gab aber auch gleich wieder eine Hiobsbotschaft:
Nachdem Beihilfeempfänger juristisch auf mittlerer Gerichtsebene die Bezahlung
ihrer Naturheilmittel rückwirkend seit 2007 erstritten hatten, hat nun die Landesregierung
NRW ein Gesetz erlassen, das diese Erstattung verbietet. Auf diese Weise erspart
sich der Staat Rückerstattungen in mehrstelliger Millionenhöhe.
Geld, das in unseren Kassen wieder fehlen wird!
Bei meinem Rundgang durch die Ausstellungshallen hatte ich viele Gespräche mit
Vertretern der Pharma-Industrie. Mein Eindruck: die Krise ist bereits angekommen!
Es muss überall gespart werden. Eine engere Zusammenarbeit mit uns Hp ist durchaus
erwünscht. Sie kann nur nicht darin bestehen, dass wir Muster schnorren, sondern
die Präparate auch intensiv verordnen. Wir sollten stets bedenken, das wir in
einem Boot sitzen und nur gemeinsam stark sind, z.B. gegen die bereits erwähnte
Grosslobby.
Wir als kleiner Verband der Hp-Berufshilfe haben uns von Anbeginn – seit 16
Jahren - für eine gute Zusammenarbeit mit der Pharma-Industrie eingesetzt. Ebenso
haben wir immer wieder Mißstände aufgezeigt. Die Zukunftssicherung der Hp-Praxen
ist unser berufspolitisches Ziel. Florierende Praxen fördern auch den Umsatz
der Pharma-Industrie. Allerdings ist Voraussetzung für uns ein solides kaufmännisches
Management und eine gute fachliche Qualifikation. Daran arbeiten wir. Wir fördern
unsere Mitglieder bei Fachfortbildung und Zertifizierung. Wir achten auf gutes
Ambiente der Praxisräume (Mindeststandard). Wir fordern eine komplexe Ausbildung,
die uns erfolgreiche Therapien möglich macht und stehen abgespeckten Prüfungen,
die unseren Berufsstand verwässern und das HPG durchlöchern, kritisch gegenüber.
Nachdem ich als Gründungsmitglied und seitheriger Geschäftsführer auf der JHV
am 04.04.09 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde und ein gutes Vorstandsteam aus
sehr erfahrenen Kollegen bilden konnte, verspreche ich Ihnen, dass wir zumindest
für die Wahlperiode konstruktive Berufspolitik zum Wohle unserer Mitglieder
und des ganzen Berufsstandes leisten werden.