Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2004

Das erste Quartal des neuen Jahres ist vorüber. Gelegenheit, erste Bilanz zu ziehen, was die Gesundheitsreform bisher gebraucht hat. Sind wir Hp auch nicht primär betroffen, so sollten wir doch wachsam die Entwicklung beobachten. Die anhaltende Wirtschafts- und Konsumflaute trifft uns ebenso wie Ärzte, Apotheker, Einzelhandel usw. Wenn die Ärzte aufgrund der "Praxisgebühr" einen Umsatzeinbruch von ca. 15 Prozent melden, zeigt sich in unseren Praxen eine ähnliche Entwicklung. Vorjahreszahlen konnten im Januar und Februar nicht erreicht werden. Im März zog der Praxisbetrieb wieder an, lässt aber keineswegs Euphorie zu. Dass weniger zu tun war, lässt nicht den Schluss zu, die Menschen seien plötzlich gesünder. Nein, es fehlt einfach das Geld. Hinzu kommt eine große Verunsicherung durch die Gesundheitspolitik. Alte Menschen sind total ratlos und haben Zukunftsängste. Sie sind aber das Klientel, das am häufigsten zum Hp geht.

Da hilft auch nicht die penetrante Schönfärberei unserer "Super"-Ministerin, mit der sie gebetsmühlenhaft auf die Bürger eintrommelt. Keine ihrer Prognosen hat bisher gepasst. Ein Spareffekt hat sich nicht eingestellt. Die Krankenkassenbeiträge sind geringfügig gesunken (bis 0,4 Prozent) trotz Praxisgebühr. Sie liegen immer noch bei circa 14,5 Prozent. Medikamente sind ebenfalls nicht billiger geworden, obwohl die Apotheker bei der Reform Haare lassen mussten. Dafür werden aber mit System die preisgünstigen Naturheilmittel aus dem Markt gedrängt. Uns Hp geht auf diese Weise weiteres Handwerkszeug verloren. Das ändert auch die Nachbesserung, die der "gemeinsame Bundesausschuss" vorgenommen hat und die zum 1. Juli 2004 in Kraft treten soll, nicht. Nun sollen Milliarden-Einsparungen durch eine neue Chipkarte mit dem elektronischen Rezept kommen. Frau Ministerin Schmidt sieht sich damit "voll im Zeitplan". Ob ihre Experten das auch so sehen, darf hinterfragt werden. Frau Schmidt im rot-grünen Kostüm wurde zur Buh-Frau Nr. 1 auch zur Freude aller Kabarettisten.

Es wird allerhöchste Zeit, dass sich die Wogen wieder glätten und die Menschen wieder vertrauen fassen. Das Hü und Hott der Politik sollte ein Ende haben. Wenn der Steuerzahler die Angst vor weiterer Abzockerei verliert, wird für Konsum und Gesundheit auch wieder Geld ausgegeben. Auch die Mehrzahl der Bundestagsabgeordneten scheint bis heute nicht begriffen zu haben, was sie mit dieser Reform beschlossen haben. Ich habe Vertreter aller Parteien dazu angeschrieben. Sofern ich eine Antwort erhalten habe, war sie zwar nett formuliert, lag aber neben der Sache. Viele haben gar nicht erfasst, dass die Naturheilkunde vor der Vernichtung steht, wenn rezeptfreie Medikamente von der Erstattung durch GKV, Post und Beihilfe ausgeschlossen werden. Damit bricht dann auch die zweite Säule des Gesundheitssystems, die private Krankenversorgung durch Hp weg.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sofern Sie nicht die Funktionäre Ihrer Verbände bewegen können, bessere Öffentlichkeitsarbeit zu machen als bisher, wenden Sie sich doch bitte an Ihre MdBs. Schreiben Sie Leserbriefe an Ihre Tageszeitung. Klären Sie auf, wie wichtig und hilfreich die Naturheilkunde ist. 80 Prozent der Menschen wollen sie. Also kämpfen Sie dafür, dass sie uns erhalten bleibt. Für uns ist es zudem eine Existenzfrage, für die sich jeder engagieren sollte.