Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2005

Bestimmt spüren Sie es auch, lähmender Mehltau liegt über unserem Land. Lethargie hat die Bevölkerung erfasst. Abgestumpft, nahezu ohne Widerstand oder Protest lassen sich die Menschen "regulieren", haben das Vertrauen in die Politik verloren und sind der Machenschaften der Regierenden überdrüssig. Das Tagesgeschehen unserer Republik wird bestimmt von über fünf Millionen Arbeitslosen, Keller-Konjunktur - tiefer geht es kaum noch, Geldverknappung, -verteuerung und fehlender Binnennachfrage. Hartz IV-Empfänger fallen als Konsumenten aus. Rentner halten ihr Geld nach 0-Runden und Beitragserhöhungen fest. Egoismus, Machtstreben, Kungelei und gar Korruption zeigten sich in den VIP-Etagen. Genau dies ist das Erscheinungsbild Deutschlands im Frühjahr 2005.

Hinzukommt, dass der Reformwille unserer derzeitigen Regierung bereits erlahmt ist. Eine Erneuerung unseres Landes findet mit dem derzeitigen Personal nicht mehr statt. Die Programme der Opposition sind bis jetzt noch nebulös. Wo also sollen die Signale zum Aufbruch herkommen? Natürlich lähmt diese Situation auch alle Institutionen unseres Landes. Jeder wartet ab, nur verhaltene Aktionen. Die "ruhige Hand des Kanzlers" zeigt überall Wirkung.

Daran hat sich allem Anschein nach vor allem die Führungselite unseres Berufsstandes ein Beispiel genommen. Trotz hoher Aufwandsentschädigungen für die Verbandspräsidenten passiert nichts. Es werden keine der anliegenden Probleme gelöst, keine Image prägende PR gemacht und natürlich auch keine Erfolg versprechenden Gespräche mit Gesundheitspolitikern geführt. So wehrt sich zum Beispiel niemand gegen Gesetze, die unsere Tätigkeit immer mehr einengen. Das Editorial des "obersten" Präsidenten zur Rezeptpflicht von Lokalanästhetika war ein Beleg absoluter Hilflosigkeit. Hoffentlich agiert er als Golf-Captain erfolgreicher. Sonst trabt ihm auch seine Golf-Senioren-Truppe davon. Die für Procain- und Lidocain gefundene Lösung des BfARM kann uns nicht befriedigen. Man hätte sie verhindern müssen. Wann wird man uns alle Parenteralia wegnehmen per Verschreibungspflicht? Also wehret den Anfängen.

Da sich aber niemand Stillstand leisten kann - wir schon gar nicht -, sollten wir vor allem darauf achten, was sich bei den Ärzten tut. Ihre Funktionäre wollen den "gläsernen" Arzt schaffen, so dass für Patienten und Leistungsträger ersichtlich wird, wie der Arzt ausgebildet ist, über welche Fertigkeiten er verfügt und ob er eine zertifizierte Praxis hat. Was hier verwirklicht werden soll, käme ebenso anschließend auf uns zu. In unserer letzten Ausgabe hatte uns schon ein Außenstehender - kein Hp - in Stammbuch geschrieben, wie wichtig die Zertifizierung für unsere Praxen sein wird. Zu einem positiven Berufsstands-Image in der Öffentlichkeit zählt vor allem unsere Repräsentation. Das Ambiente einer Praxis muss stimmen. Es wird von niemandem unbedingt eine Gerätesammlung erwartet, aber hygienisch-saubere uns adrette Räumlichkeiten. Nicht jedoch irgendwelche Hinterzimmer in der Wohnung. "Muttchen-Praxen" sind nicht gefragt, besonders nicht, wenn sie als Ich-AG mit Staatszuschüssen betrieben werden. Zur Vertrauensbildung gehört - wie auch bei den Ärzten - eine regelrechte Praxis, die diesen Namen verdient. Sprech-, Behandlungs- und Wartezimmer, sowie ein separates Patienten-WC sollten als Mindestangebot vorhaben sein. Zu der Ausstattung gehört das Therapie-Angebot. Ausbildung und Fortbildung müssen für die Patienten ebenfalls ersichtlich sein. Unser fachliches Können gepaart mit kaufmännischer Planung garantiert unsere Zukunft, nicht aber die Zuschüsse einer Ich-AG. Leistung und Repräsentation sind angesagt!

Ganz besonders möchte ich Sie, lieber Leser, auf den Artikel von RA Dr. Lanz, München (unter Aktuelle Beiträge unseres Verbandes: "Die Privat-Krankenversicherungen und ihr Gutachter Weninger"), hinweisen. Wie viele von Ihnen bereits wissen, setze ich mich mittlerweile seit 20 Jahren mit dem "Bösachter" Hp i.R. Weninger, FDH-Mitglied und ehemaliger Funktionär des FDH-Regionalverbandes NRW, auseinander.

Man sollte eigentlich meinen, die Führungselite unseres Berufsstandes hätte diesem Herrn, der bei uns Behandlern in dieser Zeit unermesslichen wirtschaftlichen Schaden mit seinen unqualifizierten, polemischen Pamphleten angerichtet hat, längst in die Wüste geschickt. Weit gefehlt! Bislang genoss er den Schutz seiner bisherigen Verbandspräsidenten, insbesondere des FDH- Vizepräsidenten "Obergutachter" König. Die Stellungnahme von Dr. Lanz bezieht sich auf einen ganz aktuellen Versicherungsfall, dessen Korrespondenz mir in vollem Umfang bekannt ist.

Die Versuchung der PKV, sich zum Zwecke der Leistungsverweigerung immer wieder einer besonders fragwürdigen Schar von Gefälligkeitsgutachtern zu bedienen, ist einfach zu groß. Deshalb werden stets dieselben Figuren beauftragt. Auf ihre Kollegen-Diffamierung kann man sich verlassen. Dafür zahlt man gern zu Lasten der Patienten und deren Therapeuten erkleckliche Honorare. Vor Jahren haben wir schon durch Dr. Lanz gerichtlich feststellen lassen, dass diese Herren "Kollegen" - Ihnen bereits mehrfach benannt - von der PKV wirtschaftlich abhängig sind. Teils sind sie schon Rentner, betreiben also keine Praxis mehr oder aber in ihren Praxen läuft nichts - außer vielleicht die eigene Nase.

Gegen diese unsägliche Gefälligkeitsgutachterei haben wir uns bisher gewehrt, indem wir unseren Mitgliedern und ihren Patienten geholfen haben, vertragsgerechte Erstattungen zu erstreiten. Das hat in der Vergangenheit aber auch dazu geführt, dass uns vier dieser "Bösachter" mit Prozessen überzogen haben. Aber wir haben dabei nur an Erfahrung gewonnen. Wir dürfen ihr schändliches Tun nach wie vor öffentlich machen. Nur abstellen konnten wir es bisher nicht, weil uns dafür die Unterstützung von den großen Verbänden (DDH) verweigert wurde. Nur von dort kann letztendlich die Lösung kommen. Aber dort herrscht Wagenburgdenken. Man zieht sich hinter verkrustete Machtstrukturen zurück, beschützt die "gutachtenden" Spezies und schirmt sie gegen die Basis ab, die lediglich zum Beitragszahlen nützlich ist.

Denken Sie deshalb daran, hier die Hebel anzusetzen, wenn in Ihrem Verband Vorstandswahlen sind. Es muss dringend frisches junges Blut in die Vorstandsetagen. Außerdem sollen Sie wie es gerade Mode geworden ist "gläserne Taschen" für Ihre Funktionäre fordern, damit die schamlose Alimentierung aus Beitragsgeldern endlich Vergangenheit wird. Bezahlung nur nach Aufwand und Leistung! Dies war ein langes Leben lang immer meine Devise! Helfen Sie bei der Verwirklichung!