Wie ich schon in meiner letzten Kolumne sehr richtig vermutet
hatte, wünscht die Führung der größeren Vereine keine Probleme im Berufsstand,
die zur allgemeinen Aufgeregtheit oder gar zur Rebellion führen könnten. Das
März-Editorial des Vereinsvorsitzenden Zizmann bestätigt meine Befürchtungen.
So heißt es da, ich zitiere: "Es geht wieder bergauf." - "Nehmen wir Entscheidungen
so, wie sie sind! Erst recht, wenn sie faktisch nichts ändern, außer wir wären
für eine Änderung." Also, was wollen wir denn? Es ist doch alles bestens! Es
geht bergauf, und Dinge, von denen man glaubt, dass sie nicht zu ändern sind,
lässt man schleifen. Man ergibt sich ihnen, weil man sie auch nicht ändern will!
Wenn Herr Z. erkennt, dass es nicht Erfolg versprechend ist, "mit unterbelichtetem
Verstand und von keinerlei Sachverstand behindert nur laut loszuquäken", muss
ich ihm zustimmen. Wenn er aber meint, "Nichtstun wäre angebracht", muss ich
ihm widersprechen.
Wenn ich einmal voraussetze, dass sich die Basis nicht "unterbelichtete" Funktionäre
wählt, dann ist deren Nichtstun unverantwortlich, zumal wenn man bedenkt, dass
sie aus Beitragsgeldern auch noch reichlich dotiert werden. Das Nichtstun dieser
Vereinsführungen in den letzten Jahren hat unseren Berufsstand mittlerweile
in eine bedrohliche Existenz gefährdende Situation gebracht, die offensichtlich
mancher Vorsitzende nicht mehr richtig einschätzen kann, weil er seine Brötchen
nicht mehr mit harter Praxisarbeit verdient.
In meinem letzten Artikel hatte ich schon ausführlich darauf hingewiesen, welche
Einbußen die Heilpraktikerschaft in jüngster Zeit hinzunehmen hatte. Dass ich
dabei nicht überzeichnet habe, hat mir die Stimmung der Kollegenschaft auf dem
Hp-Tag in Düsseldorf hinreichend bestätigt. Selbst Kollegen, die mich bisher
für zu kritisch hielten, haben mir zugestimmt. Zudem ergab die Aussprache mit
unseren Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung, dass es Existenzsorgen und
Zukunftsängste gibt. Die Ratlosigkeit an der Basis ist groß. Mit Abwarten, ob
sich alles von selbst zum Besten regelt, ist es leider nicht getan. Das hat
sich unlängst mit dem Verlust der Neuraltherapie nur allzu deutlich gezeigt!
"Es geht aufwärts, nun quaddelt mal schön?". Oder: "Oh ja, selbstverständlich
weiß ich, dass wir Bösachter haben, aber lasst sie mal wirken, sie werden uns
schon ruinieren?" heißt offenbar die Devise: Abwarten, es wird schon nicht so
schlimm!
Dabei ziehen am Himmel der Bundes-Gesundheits-Politik schon die nächsten dunklen
Wolken auf. Die große Koalition hat beschlossen, die nächste Gesundheitsreform
kommt in diesem Sommer. Allerdings liegen die Vorstellungen der Großkoalitionäre
bislang viel zu weit auseinander. Nur eines ist klar: Geld muss her! Sicher
scheint bereits, dass es bei der Reform schon einen Verlierer geben wird, nämlich
den Patienten. Selbst wenn die Parteien in der Regierung von ihren bisherigen
Maximalforderungen abrücken und einen "dritten Weg" propagieren, wie soll dieser
denn aussehen? Was bisher verlautete, klingt in etwa so: Keine Steuerzuschüsse
für die GKV, Mehrwertsteuererhöhung auch für Arzneimittel, Ausdünnen der Praxisdichte,
die Einzelpraxen werden zum Auslaufmodell, dadurch Unterversorgung im ländlichen
Bereich, Gemeinschaftspraxen und Versorgungszentren werden angestrebt (DDR-light),
mehr Eigenleistung und Risikozuschläge für die Patienten. Beamte Beihilfe und
die PKV in ihrer jetzigen Form stehen auf dem Prüfstand. Was letztlich auf Bürger,
Unternehmer, Ärzte, Pflegekräfte und Apotheker zukommt, ist, alles noch im Fluss.
Nur eins ist für Politiker bereits gwiss:
"Billiger wird es nicht!"
Wenn Sie fragen, was haben Hp damit zu tun, sei an die Schmidt-Seehofer-Reform
erinnert: Damals tönten einige Funktionäre, Hp seien die Gewinner der Reform,
denn die Praxisgebühr würde die Patienten nur so in unsere Praxen strömen lassen!
Und, ist es geströmt? Stattdessen gingen Medikamente verloren, ebenso Abrechnungsmöglichkeiten
bei Post und Beihilfe. Das Geld der Patienten wurde knapper und fehlt heute
auch in unseren Kassen. Wenn wir jetzt nicht aufpassen und nicht zeitig genug
an verantwortlicher Stelle unsere Interessen vertreten, zählen wir wieder zu
den Verlierern. Aber wer soll uns vertreten? Die Abwarter?
Nein, sprechen Sie selbst mit jedem Politiker, den Sie kennen, ganz gleich von
welcher Partei und auf welcher Ebene. Kämpfen Sie für die Naturheilkunde, die
beim Gerangel in der Gesundheitspolitik nicht untergehen darf. Denn sie bleibt
stets eine kostengünstige Alternative. Machen Sie Ihren Funktionären Dampf,
damit sie Leistung zeigen und sich ihre Aufwandsentschädigung auch verdienen.
Tragen Sie durch Ihr eigenes Engagement dazu bei, dass sich unser Image ist
der Öffentlichkeit verbessert. Bedingt durch einige wenige schlechte Beispiele
sehen uns viele immer noch in der Schmuddelecke. Wir müssen uns vom gesundheitspolitischen
Leichtgewicht zum ernsthaften Gesprächspartner in Sachen Gesundheit wandeln.
Das bedeutet Kampf, Anstrengung und Mühe, also kämpfen wir! Unser kleiner Verband
steht dabei an Ihrer Seite! Werden Sie Mitglied und helfen Sie uns kämpfen!
Gemeinsam sind wir stark!