Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 6/2005

Inzwischen hat unsere Jahreshauptversammlung stattgefunden. Da unsere Mitglieder über die ganze Republik verstreut sind, kann man nicht erwarten, dass immer alle kommen. Doch angesichts der heute allgemein anzutreffenden Müdigkeit, in Vereinen oder Verbänden aktiv mitzuarbeiten, war die Teilnahme befriedigend. Sicher würde es der Vorstand begrüßen, der ehrenamtlich ohne Vergütung arbeitet, allgemein von den Mitgliedern ein stärkeres Interesse zu erfahren. Dies könnte seine Motivation noch deutlich steigern. Schließlich dient unsere Arbeit, in die wir viel Idealismus investieren, dem Gemeinwohl der Kollegenschaft. Zumal wir unsere Arbeit vorwiegend auf Hilfestellung bei Praxisproblemen ausrichten.

Die Existenzsicherung jeder einzelnen Praxis steht bei uns im Vordergrund. Dass dies wichtig ist, zeigt uns die zunehmende Häufigkeit von Insolvenzen. Viele Praxen werden auch klammheimlich ohne jedes Aussehen geschlossen. Briefe kommen dann mit dem Vermerk "Empfänger unbekannt verzogen" zurück. Nachprüfungen ergeben, dass das kaufmännische Management nicht gestimmt hat. Jeder Arzt, der sich niederlässt, ist geschult, wie er abzurechnen hat, welchen Umsatz er erzielen kann, wie hoch sein Kostenbild dabei sein darf und wie viel letztlich netto für seinen Lebensstandard übrig bleibt. Bei uns Hp dagegen habe ich nur oft das Gefühl, dass lediglich der gute Wille, die Menschheit heilen zu wollen, zur Praxisgründung reicht. Um hier Abhilfe zu schaffen, die mir dringend nötig erscheint, werden wir als kleiner Verband an unserer bisherigen berufspolitischen Linie festhalten: individuelle Hilfe für das einzelne Mitglied, Praxismarketing, Ratschläge zu Liquidationen, Unterstützung bei Leistungsdifferenzen mit der PKV und immer wieder Hinweise auf Missstände im Berufsstand.

Auch wenn unsere Mitglieder bundesweit verstreut sind, streben wir nicht die Entwicklung zu einem "Großverband" an. Uns liegt daran, den persönlichen Kontakt zu jedem Mitglied zu halten und zu pflegen sowie für seine Sorgen stets ein offenes Ohr zu haben. Wie uns immer wieder berichtet wird, ist das in den bekannten großen Verbänden nicht mehr der Fall. So soll z.B. ein recht betagter "Präsident", der selbst nie Praxiserfahrung gesammelt hat, aber geschäftlich immer noch sehr fit ist, den um die Injektionstherapie besorgten Kollegen empfohlen haben, darauf zu verzichten und sich an den Gebrauch ihrer Hände zu erinnern. Vom "Handauflegen" berichtete ja auch schon ein anderer Spitzenfunktionär aus dem gleichen Bundesland in der Bild-Zeitung. Nur wie sagt, beide Herren haben ihren Lebensunterhalt bisher nicht durch mühsame Praxisarbeit verdient. Ein anderer "Präsident", der sich dank seiner hohen Aufwandsentschädigungen in seiner Praxis auch nicht mehr zu "bücken" muss und dafür Golf spielen kann, empfahl bei dem drohenden Verbot von Parenteralia, doch erst einmal abzuwarten, ob es wirklich so schlimm wird. Ja, so liebe Kolleg/Innen, stelle ich mir nun wirklich keine konstruktive Existenz sichernde Berufspolitik vor.

Ebenso ist es mir bis heute unbegreiflich, wieso es solche Funktionäre in 20 Jahren nicht geschafft haben, das Gutachterunwesen in unserem Berufsstand nachhaltig abzuschaffen. Wurde die Kritik von der Basis zu heftig, wurde lediglich mit halbherzigen, aber unwirksamen Maßnahmen beschwichtigt. Doch keinem der uns bekannten "Bösachter" wurde tatsächlich sein mieses Handwerk gelegt. Nachdem ich vor 20 Jahren in einem wirklich üblen Pamphlet über mich lesen musste, ich sei ein dumm-dreist-naiver-junger-Mann, der sich frisch von der Amtsarztprüfung ohne Erfahrung und entsprechende Kenntnisse das große Geld machen wolle, war ich zunächst etwas verdutzt ob dieser "fairen unparteilichen" Aussage in einem medizinischen Fachgutachten. Auf dem Rechtsweg wurde ich vor dem LG Bielefeld und dem OLG Hamm rehabilitiert. Der Gerichtsgutachter, Arzt der Hufelandgesellschaft, bescheinigte den Herren K. und W., sie seien "medizinisch unbedarfte Laien". Von diesem Tage an war es mir ein Bedürfnis, die Kollegenschaft über das Gutachterunwesen zu informieren und vor finanziellen Verlusten zu schützen. Bei unseren Funktionären und den von ihnen geduldeten "Bösachtern" hat mir das keine Freunde eingebracht, aber etliche Prozesse, die ich jedoch gewinnen konnte. Auch die PKV, mit der ich manchen Strauß wegen Leistungsverweigerung aufgrund von Gefälligkeitsgutachten ausgefochten habe, ist auf mich nicht gut zu sprechen, was ich in der Beurteilung meiner eigenen Liquidationen immer wieder zu spüren bekomme. Erst kürzlich wurde mir ein vertrauliches Schreiben des "Gutachters" und Hp i.R. Lothar M. an eine PKV vorgelegt, in dem mir sogar illegale Handlungen nachgesagt wurden, wie gesagt, heimlich und vertraulich! Nur selten erfährt der Behandler derartige Diffamierungen und kann sich folglich auch nicht wehren.

Wenn ich für unseren Berufsstand idealistisch kämpfe, dann ist mein Ziel, dass der Heilpraktikerschaft auch die wirtschaftliche Existenz sicher bleibt. Dabei können Sie alle mithelfen, indem Sie entweder unseren Verband unterstützen oder in Ihren Verbänden Funktionäre wählen, die befähigt sind, die Zukunft unseres Berufsstandes zu gestalten - und zwar möglichst ohne Eigeninteressen!