Unlängst las ich in einer überregionalen Sonntagszeitung einen
Leserbrief eines Kollgen zu einem vorangegangenen medizinischen Artikel, den
er praktisch mit unserem naturheilkundlichen Denken ergänzte. Prompt folgte
auf diesen Leserbrief am Sonntag darauf die Stellungnahme eines Dr. W. B. aus
Münster. Dass uns viele Ärzte mit Arroganz begegnen und unseren Berufsstand
für überflüssig halten, ist nicht neu. Würden sie aber sorgfältiger arbeiten
und ihre Patienten besser betreuen, wären wir möglicherweise brotlos.
Herr Dr. B. glaubte, mit Spott und Ironie unseren Kollegen lächerlich machen
zu können. Er mokiert sich über "Sanfte ganzheitliche Medizin", "Tod durch gefährliche
Nebenwirkungen" und "Einsparpotenziale". Medizin à la Hp steht bei ihm auf der
Stufe der Schamanen. Sein Fazit: In der Schulmedizin stirbt der Mensch an der
Allopathie, in der Naturheilkunde und Homöopathie an seiner Krankheit.
Dieser Spruch sollte besonders witzig sein. Aber jeder, der Gesundheitspolitik
in den Medien verfolgt, hat schon gehört, dass jedes Jahr mindestens 25.000
Patienten in Deutschland an ärztlichen Therapiefehlern sterben. Diese Zahl soll
sogar nur die "Spitze des Eisbergs" sein. Todesfälle in der Homöopathie oder
durch Naturheilmittel sind eigentlich nicht bekannt.
Vergleicht der Herr Doktor unseren Berufsstand aber mit Schamanen, hat er vielleicht
zuviel "Bild-Zeitung" gelesen. Denn darin hat - erinnern wir uns - ein leitender
Funktionär des FDH sich und seine Kollegen als "Hexer, Heiler und Schamanen"
darstellen lassen. Diese Artikel müssen für die Ärzte eine Steilvorlage für
ihren Spott gewesen sein. Also kann man dies Dr. B. gar nicht einmal verübeln.
Er sieht uns so, wie sich einige Hp-Funktionäre offenbar auch sehen. Zu tadeln
wäre eher der oberste Verbandsfunktionär, der bis heute seinen regionalen Obmann
nicht zur Räson gerufen hat. Noch immer ist auf diese unseren Berufsstand diskreditierenden
Artikel keine offizielle öffentliche Reaktion erfolgt. Auch die übrigen Funktionäre
des DDH hielten sich zu diesem Thema sehr bedeckt.
Gleiches trifft zu auf die "Bösachter-Frage". Der oberste Verbandsfürst weiß
darum, aber er unternimmt nichts! Noch immer ist sein Vizepräsident der "Obergutachter".
Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage: aktiver Verbandspräsident oder nur
Senior-Golf-Captain?
Für mich ergibt sich aber noch eine weitere Frage: Warum haben die in der DDH
geeinten Verbände kein gemeinsames Pressebüro? Am Geld kann es bei dem hohen
Beitragsaufkommen doch wohl kaum liegen!
Es ist Aufgabe der großen Verbände, unser Image in der Öffentlichkeit zu heben
und zu wahren.
Nachdem man uns weitestgehend die Lokalanästhetika genommen hat, stellt sich
für mich auch noch die Frage: Was hat eigentlich die (DDH-) Arzneimittelkommission
dagegen unternommen? Welche Maßnahmen wurden gezielt eingeleitet, um uns die
Neuraltherapie zu erhalten und die Verschreibungspflicht von Lidocain und Procain
zu verhindern? Wurden Gutachten eingeholt? Wurden Rechtsmittel eingelegt? Welche
Gesundheitspolitiker wurden persönlich angesprochen? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Man könnte die Fragen, auf die bis heute Antworten fehlen, noch unendlich fortsetzen.
Es genügt nur nicht, wenn nur einer stets kritisch hinterfragt und zum "roten
Tuch" für unsere Funktionäre wird. Jeder Kollege und jede Kollegin, die irgendwo
Verbandsbeitrag zahlen, müssen ihren Funktionären auf die Finger schauen. Passivität
und Phlegma sind Existenz gefährdend. Jeder Praxisinhaber trägt Eigenverantwortung,
die er nach Wahlen im Verband nicht einfach an seinen Vorstand abgeben kann.
Nicht wegsehen und warten, mehr Engagement ist gefragt. Ich würde mich freuen,
wenn ich Sie zur Mitarbeit ermuntern könnte. Unser Verband steht allen kritischen
Kollegen offen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, unseren Berufsstand
von Missständen zu befreien und unsere Existenzen zukunftsfähig zu machen.