auf den XV. Eckernförder Therapietagen, die wieder hervorragend
unter dem Motto „Ein Kessel Buntes“ von Dr. R. Hauss ausgerichtet wurden, hielt
auch der Chefredakteur der „Naturheilkunde“ in seiner gekonnten Art ein Referat
mit dem anspruchsvollen Titel „Quo vadis, Heilpraktiker?
Eigentlich hatte ich gehofft, nun etwas Wegweisendes über die Zukunft unseres
Berufsstandes zu hören. Aber der ehemalige Präsident von FDH und KOOP beschäftigte
sich vorwiegend mit der Historie der Heilpraktikerschaft.
Er äußerte sich auch zu dem Missgeschick mit Procain und Lidocain. Er sei damals
von den Großverbänden unvorbereitet in die entscheidende Aus- schußsitzung gegangen.
Er hätte keine Chance gehabt, an diesem Ergebnis noch etwas zu drehen. Es sei
ihm aber zu verdanken, dass uns wenigstens die i.c.- Injektion verblieben sei.
Zu unserer Zukunft hatte er leider nur zwei Sätze: Es sei Sache der Verbände,
den Fortbestand des Berufes zu gestalten. Die Prä- sidenten des DDH kochten
alle ihr eigenes Süppchen. Aber jeder versuchte, dem anderen nicht weh zu tun.
Und das bedeutet Stillstand.
Eine bescheidene Prognose ! „Quo vaids (wohin gehst Du ?) Heilpraktiker?“ Thema
verfehlt, hätte meiner alter Studienrat in Deutsch gesagt. Für mich bedeutet
Stillstand auch Rückgang. Anschließend bei einer Tasse Kaffee gestand mir der
ehemalige FDH-Präsident, zu dessen „Regierungszeit“ im Berufsstand noch mehr
bewirkt wurde, dass er sich all der Missstände bewusst sei, aber resigniert
habe, dagegen anzukämpfen. Ich habe ihn daran erinnert, dass gerade er mit seiner
großen Zeitung ein Mittel in der Hand habe, Änderungen zu bewirken. Diese Möglichkeit
ist einzigartig. Die hat längst nicht jeder. Wie lange habe ich z.B. gebraucht,
um dank Herrn Schwarzbach in unserer Zeitung ein Sprachrohr zu finden. Ich bin
mir dabei durchaus bewusst, dass meine steten „Mängelrügen“ an unseren m.E.
inaktiven Spitzenfunktionären nicht jedermann gefällt. Aber ist es nicht so,
dass viele, sehr viele mit dem Zustand der Hp-schaft unzufrieden sind, es jedoch
nicht wagen, dies deutlich zu bekunden? In Eckernförde habe ich wieder viele
Kollegen-Gespräche geführt, wobei ich stets hören musste, dass alle die Missstände,
die ich anprangere, keiner gutheißt, dass aber allen der Mut fehlt, energisch
dagegen anzugehen. Dabei könnte jeder, der es wagt, in seinem Verband etwas
ändern. Es ist z.B. nicht hinzunehmen, dass ein Präsident seinem Verband eine
Satzung gibt, nach der er überhaupt nicht abwählbar ist. Ein anderer Präsident
zimmert seinem Verband eine Satzung, nach der ihn nicht die Vollversammlung
wählt, sondern eine kleine Gruppe handverlesener Spezis. Dazu lässt er dann
den Verband durch eine GmbH verwalten, die von den gewählten Rechnungsprüfern
nicht eingesehen werden darf. Ein anderer Präsident ist Vorsitzender und Geschäftsführer
zugleich, d.h., bei der Verteilung der Verbandsbeiträge hält er gleich zweimal
die Hand auf. Die Präsidentin in dieser ehrenwerten Runde hat es sich zum Hobby
gemacht, die Kollegenschaft an der Basis mit Abmahnverfahren zu traktieren.
Die beiden Kollegen, die ebenfalls eine Petition wegen Procain und Lidocain
eingereicht hatten, wurden deshalb von ihr mit Klagen drangsaliert Dabei ist
es das Grundrecht eines jeden deutschen Bürgers, seine Meinung frei zu sagen.
Dies unterliegt nicht der Funktionärszensur!
Es ist ja auch so preiswert für sie zu prozessieren. Wenn diese Klagen ins Leere
laufen oder mit einem Vergleich enden, zahlt die Kosten der Verband aus den
Mitgliedsbeiträgen u.a. auch derjenigen, die verklagt wurden. Nur der betroffene
Behandler zahlt seine Kosten selbst. Das scheint eine ganz besondere Form der
Existenzsicherung zu sein!
Bei diesem eigenartigem Demokratieverständnis der Präsidentenrunde kann ich
es verstehen, wenn der Kollege Liebau resigniert. Aber ich rufe ihn hiermit
nochmals auf, die Macht seiner Zeitung zu nutzen, diese Zustände zu ändern.
Er hat die Möglichkeiten – schon aufgrund seines Insider-Wissens -, die Seilschaften,
die unseren Berufsstand zum Selbstbedienungsladen gemacht haben, aufzudecken.
Außerdem könnte er in seiner Zeitung für sein Modell eines „Heilpraktikerrates“
werben. Es ist uns nicht möglich aus gewissen Umständen, eine Hp-Kammer zu bilden,
die unseren Berufsstand offiziell vertritt. Aber ein gemeinsamer Rat, der alle
Verbände überflüssig macht und uns wieder mit einer Stimme sprechen lässt, wäre
eine optimale Zukunftslösung. Dann könnte uns vor allem die Politik nicht mehr
vorwerfen, wir wären in uns zerstritten und deshalb kein Ansprechpartner. Diesen
Vorschlag des Kollegen Liebau unterstütze ich voll und ganz.
Gleichzeitig wende ich mich auch an die junge Generation unserer Kollegenschaft,
bei berufspolitischen Fragen nicht länger abseits zu stehen. Entdecken Sie Ihren
Idealismus für die Verbandsarbeit!
Vielfach ist das unbequem und zahlt sich auch nicht immer aus. In barer Münze
schon gar nicht, wenn wir etwas ändern wollen. Vielfach ist Zustimmung und Belohnung
nicht angesagt. Aber es muß jetzt ein Führungswechsel erfolgen. Die augenblicklichen
Funktionärsträger sind fast alle im Senium angekommen. Nutzen Sie die Sommerpause,
um darüber nachzudenken, wie Sie unserem Berufsstand künftig nützlich sein könnten.
Vorerst wünsche ich Ihnen eine schöne erholsame Ferienzeit.