Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 6/2007

auf den XV. Eckernförder Therapietagen, die wieder hervorragend unter dem Motto „Ein Kessel Buntes“ von Dr. R. Hauss ausgerichtet wurden, hielt auch der Chefredakteur der „Naturheilkunde“ in seiner gekonnten Art ein Referat mit dem anspruchsvollen Titel „Quo vadis, Heilpraktiker?
Eigentlich hatte ich gehofft, nun etwas Wegweisendes über die Zukunft unseres Berufsstandes zu hören. Aber der ehemalige Präsident von FDH und KOOP beschäftigte sich vorwiegend mit der Historie der Heilpraktikerschaft.
Er äußerte sich auch zu dem Missgeschick mit Procain und Lidocain. Er sei damals von den Großverbänden unvorbereitet in die entscheidende Aus- schußsitzung gegangen. Er hätte keine Chance gehabt, an diesem Ergebnis noch etwas zu drehen. Es sei ihm aber zu verdanken, dass uns wenigstens die i.c.- Injektion verblieben sei. Zu unserer Zukunft hatte er leider nur zwei Sätze: Es sei Sache der Verbände, den Fortbestand des Berufes zu gestalten. Die Prä- sidenten des DDH kochten alle ihr eigenes Süppchen. Aber jeder versuchte, dem anderen nicht weh zu tun. Und das bedeutet Stillstand.
Eine bescheidene Prognose ! „Quo vaids (wohin gehst Du ?) Heilpraktiker?“ Thema verfehlt, hätte meiner alter Studienrat in Deutsch gesagt. Für mich bedeutet Stillstand auch Rückgang. Anschließend bei einer Tasse Kaffee gestand mir der ehemalige FDH-Präsident, zu dessen „Regierungszeit“ im Berufsstand noch mehr bewirkt wurde, dass er sich all der Missstände bewusst sei, aber resigniert habe, dagegen anzukämpfen. Ich habe ihn daran erinnert, dass gerade er mit seiner großen Zeitung ein Mittel in der Hand habe, Änderungen zu bewirken. Diese Möglichkeit ist einzigartig. Die hat längst nicht jeder. Wie lange habe ich z.B. gebraucht, um dank Herrn Schwarzbach in unserer Zeitung ein Sprachrohr zu finden. Ich bin mir dabei durchaus bewusst, dass meine steten „Mängelrügen“ an unseren m.E. inaktiven Spitzenfunktionären nicht jedermann gefällt. Aber ist es nicht so, dass viele, sehr viele mit dem Zustand der Hp-schaft unzufrieden sind, es jedoch nicht wagen, dies deutlich zu bekunden? In Eckernförde habe ich wieder viele Kollegen-Gespräche geführt, wobei ich stets hören musste, dass alle die Missstände, die ich anprangere, keiner gutheißt, dass aber allen der Mut fehlt, energisch dagegen anzugehen. Dabei könnte jeder, der es wagt, in seinem Verband etwas ändern. Es ist z.B. nicht hinzunehmen, dass ein Präsident seinem Verband eine Satzung gibt, nach der er überhaupt nicht abwählbar ist. Ein anderer Präsident zimmert seinem Verband eine Satzung, nach der ihn nicht die Vollversammlung wählt, sondern eine kleine Gruppe handverlesener Spezis. Dazu lässt er dann den Verband durch eine GmbH verwalten, die von den gewählten Rechnungsprüfern nicht eingesehen werden darf. Ein anderer Präsident ist Vorsitzender und Geschäftsführer zugleich, d.h., bei der Verteilung der Verbandsbeiträge hält er gleich zweimal die Hand auf. Die Präsidentin in dieser ehrenwerten Runde hat es sich zum Hobby gemacht, die Kollegenschaft an der Basis mit Abmahnverfahren zu traktieren. Die beiden Kollegen, die ebenfalls eine Petition wegen Procain und Lidocain eingereicht hatten, wurden deshalb von ihr mit Klagen drangsaliert Dabei ist es das Grundrecht eines jeden deutschen Bürgers, seine Meinung frei zu sagen. Dies unterliegt nicht der Funktionärszensur!
Es ist ja auch so preiswert für sie zu prozessieren. Wenn diese Klagen ins Leere laufen oder mit einem Vergleich enden, zahlt die Kosten der Verband aus den Mitgliedsbeiträgen u.a. auch derjenigen, die verklagt wurden. Nur der betroffene Behandler zahlt seine Kosten selbst. Das scheint eine ganz besondere Form der Existenzsicherung zu sein!
Bei diesem eigenartigem Demokratieverständnis der Präsidentenrunde kann ich es verstehen, wenn der Kollege Liebau resigniert. Aber ich rufe ihn hiermit nochmals auf, die Macht seiner Zeitung zu nutzen, diese Zustände zu ändern. Er hat die Möglichkeiten – schon aufgrund seines Insider-Wissens -, die Seilschaften, die unseren Berufsstand zum Selbstbedienungsladen gemacht haben, aufzudecken. Außerdem könnte er in seiner Zeitung für sein Modell eines „Heilpraktikerrates“ werben. Es ist uns nicht möglich aus gewissen Umständen, eine Hp-Kammer zu bilden, die unseren Berufsstand offiziell vertritt. Aber ein gemeinsamer Rat, der alle Verbände überflüssig macht und uns wieder mit einer Stimme sprechen lässt, wäre eine optimale Zukunftslösung. Dann könnte uns vor allem die Politik nicht mehr vorwerfen, wir wären in uns zerstritten und deshalb kein Ansprechpartner. Diesen Vorschlag des Kollegen Liebau unterstütze ich voll und ganz.
Gleichzeitig wende ich mich auch an die junge Generation unserer Kollegenschaft, bei berufspolitischen Fragen nicht länger abseits zu stehen. Entdecken Sie Ihren Idealismus für die Verbandsarbeit!
Vielfach ist das unbequem und zahlt sich auch nicht immer aus. In barer Münze schon gar nicht, wenn wir etwas ändern wollen. Vielfach ist Zustimmung und Belohnung nicht angesagt. Aber es muß jetzt ein Führungswechsel erfolgen. Die augenblicklichen Funktionärsträger sind fast alle im Senium angekommen. Nutzen Sie die Sommerpause, um darüber nachzudenken, wie Sie unserem Berufsstand künftig nützlich sein könnten. Vorerst wünsche ich Ihnen eine schöne erholsame Ferienzeit.