Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2004

Akut ist momentan die politische Diskussion um die künftige Form der Krankenversicherung. Die rot-grüne Regierung, getrieben von der Linken der SPD, möchte uns noch in dieser Legislaturperiode die "Bürgerversicherung" überstülpen. Noch wehren sich Opposition, Wirtschaftsverbände und PKV, die in dieser Maßnahme eine weitere Bürokratisierung und einen Schritt in den Sozialismus - DDR-light - sehen. Auch Superminister Clement ist vehement dagegen. Aber das war er bei der Lehrstellplatzabgabe ebenfalls, ohne diese jedoch verhindern zu können.

Was soll uns nun die Bürgerversicherung bringen? Zu einem Strukturwandel wird das nicht führen. Es ist nur an die Einnahmen gedacht, jedoch nicht an die Senkung der Ausgaben. Man rechnet vorsichtig mit 12 Mrd. Euro Mehreinnahmen. Wo sollen diese herkommen?

Zunächst einmal dadurch, dass man dem Bürger tiefer in die Tasche fasst, indem man alle Kapitalerträge und Mieten mit Sozialabgaben belegt. Außerdem soll die Bürgerversicherung für alle Einkommensgruppen gelten und somit die freien Berufe, Beamte und Selbständige genauso erfassen wie Angestellte, Arbeiter und Rentner. Die gewünschten Mehreinnahmen sollen dann die Lohnnebenkosten senken.

Hier ist der Wunsch wohl wieder einmal Vater des Gedanken. Die GKV ist derart hoch verschuldet - man spricht von mehr als 10 Mrd. Euro - , dass es zu einer nennenswerten Beitragssenkung nicht kommen wird. Laut Sozialgesetzbuch ist der GKV eine Kreditaufnahme zur Abfederung von kurzfristigen Abgabespitzen gestattet. Die Rückzahlung muss noch im laufenden Geschäftsjahr erfolgen. Das ist seit Jahren nicht mehr geschehen und bei jeder Pleite zahlt einmal mehr der Bürger!

In den Einheitsbrei Bürgerversicherung würde dann auch die Private Krankenversicherung eingebunden. Die Politiker versprechen zwar zurzeit Bestandssicherung, die Einbeziehung der PKV ist jedenfalls problematisch, weil bisher die Prämien nicht am Einkommen, sondern an Alter, Geschlecht, und Gesundheitszustand ausgerichtet sind. Es kann auch keine Bestandssicherung sein, wenn man der PKV künftig nur noch Zusatzversicherungen zugestehen würde.

Kommt die Bürgerversicherung in zwei bis drei Jahren tatsächlich, wird es für uns Hp keine privat versicherten Patienten mehr geben. Dann ist auch bei unserem Praxis-Management Umdenken angesagt. Schon heute sollten wir dieser Gefahr klar ins Auge sehen und uns darauf vorbereiten. Gelingt es aber den politischen Gegnern, dieses Modell abzuwenden, sollte es trotzdem für die PKV ein Warnschuss sein, sich zu befleißigen, mit besserem Kunden-Service ihre Position zu halten.

Das private Versicherungs-Modell ist von 1992 bis 2001 um durchschnittlich 57 Prozent teurer geworden. Wie der "Stern" schreibt, zahlte ein bei der Central versicherter 70jähriger Rentner 1971 nur 74 DM Beitrag und muss heute 885,97 Euro monatlich aufbringen. Damit wird die PKV zur finanziellen Falle, in die Rentner hilflos tappen. Sofern sie ihren Ausweg im Basistarif sehen, sind sie weitaus schlechter abgesichert als in der GKV. Die PKV - wenn sie überleben will - darf nicht die Versicherung der Reichen sein und damit die Zweiklassen-Medizin in unserem Staat fördern. Vielmehr muss sie sich mit bezahlbaren Prämien und der Erfüllung vertraglich zugesicherter Leistungen bewähren.

Wenn aber die PKV beispielsweise durch anonyme Gefälligkeitsgutachter unsere Patienten verprellt, ist die PKV überflüssig, und wir müssen die Bürgerversicherung nicht fürchten.