Liebe Mitglieder, nun wissen wir es ganz genau ! Der große
Präsident hat gesprochen! Es gibt liebe und böse Hps. Als best informierter
Funktionsträger und Kenner des Berufsstandes hat er das festgestellt. Alle,
die ihn mögen, die mag er auch. Das sind die Guten. Nach seiner Ansicht sollen
es sogar 20.000 sein. Nach amtlichen Statistiken gibt es zwar nicht so viele
niedergelassene Hps. Dann sind auch gerade erst 3.000 BDH- Mitglieder aus den
DDH verjagt worden. Und andere Verbände, die nicht den DDH angehören (wollen),
gibt es ebenfalls noch.
Aber schön, dass es wenigstens 20.000 gibt, die ihn lieben. Darüber freut er
sich und will nun mit ihnen gegen die Bösen kämpfen, die so gar nicht zu "uns"
Hps passen. Diese sind nämlich - durch was auch immer - frustiert, mehr oder
weniger "daneben", bösartig und, sofern sie Funktionäre sind, bestrebt, unseren
Berufsstand aus Unfähigkeit, Geltungssucht und Naivität zu zerstören. Es gibt
seiner Ansicht nach bei den Bösen noch gewisse Unterschiede: Es gibt die Harmlosen,
die einfach nur dumm sind. Dann ist da noch die Spezies der Naiven und die Gruppe
mit chronisch resistenter Ignoranz. Diese ist natürlich höchst gefährlich, weil
sie erkannt haben will, dass sich die Funktionäre der DDH selten einig sind.
Auf dem Heilpraktiker-Tag in Karlsruhe wurden dafür erst wieder Beispiele abgeliefert,
die der große Präsident nicht wahrnimmt oder gütig ignoriert.
Für die bösen Funktionäre, die seiner Ansicht nach "voll daneben" sind, muß
er keineswegs Schäden ausbügeln. Sie richten nämlich keine an, aber erlauben
sich, über die Zukunft unseres Berufsstandes frei und ohne Scheuklappen nachzudenken.
Das heißt keineswegs, dass sie einen anderen Berufsstand oder ärztegleich arbeiten
wollen. Selbst wenn sich einige Kollegen mit einem Doktortitel schmücken (müssen),
sind sie deshalb noch keine Schulmediziner. Ebenso ist es nicht zu kritisieren,
wenn ein Hp bestrebt ist, die Zukunft seiner Praxis durch ein Qualitätssiegel
zu sichern. Damit ist nicht der Unsinn des Punkte- sammelns auf Fachfortbildungen
der Pharma-Industrie gemeint. Es ist auch kein Übermaß an Bürokratie, wenn ein
Hp seine Arbeitsrichtlinien dokumentiert und Hygiene-Vorschriften beachtet.
Es nimmt uns durchaus nicht die Freiheit, zum Wohle unserer Patienten naturheilkundlich
zu arbeiten. Dazu muß man jedoch nicht Jesus Christus bemühen. Es steht uns
nicht an, göttliche Heilungen zu beurteilen oder uns gar damit zu vergleichen.
Falls der Herr Präsident in seiner Praxis überhaupt noch arbeitet, wird er sich
hoffentlich diesen Vergleich nicht anmaßen wollen. Ich kenne auch keine Hps,
die nach eigenen Qualitätsbemühungen auf andere herabschauen, die dies ablehnen.
Doch, wenn mir ein Amtsarzt sagt, dass von den gemeldeten Hps nur 20 % eine
Vollzeitpraxis be- treiben, ergibt sich eine ganz andere Frage:
Was machen all die anderen ?
Therapieren sie auch ? Wenn ja, wie und wo ?
Beachten Sie auch die erforderlichen Richtlinien ?
Hier ergibt sich für unseren Berufsstand ein echtes Problem, das es zu lösen
gilt. Hat der Herr Präsident schon einmal überprüft, wieviele seiner seiner
20.000 Schäfchen tag-täglich vollzeitig in ihrer Praxis arbeiten? Wenn er mit
den DDH Schadensbegrenzung betreiben will, hat er dies- bezüglich ein weites
Feld. Die naiven, bösartigen oder desinformierten Funktionäre anderer Verbände
werden ihn bei dieser Mammutaufgabe keineswegs behindern. Sie werden aber auch
nicht - bei aller Dialog- bereitschaft - in den DDH unterschlüpfen, sondern
sich weiterhin vorbehalten, über Berufsprobleme kritisch denken zu dürfen.
Für mich nehme ich in Anspruch, dies über 20 Jahre getan zu haben. In dieser
langen Zeit habe ich vielen KollegInnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden
und helfen können, wo es möglich war. Die mir von unseren Mitgliedern übertragenen
Funktionen übe ich ehrenamtlich aus. Im Gegensatz zu den DDH-Funktionären erhalte
ich dafür keine Aufwandsentschädigung. Der große Präsident mag mich deshalb
für "rührend naiv" halten, vielleicht sogar für bösartig, weil ich mir immer
Kritik erlaube an den Missständen, die er nicht beseitigt oder gar nicht wahrnimmt.
Solange ich gesund bleibe und arbeiten kann, werde ich mich auch weiterhin für
die Belange unseres Berufsstandes einsetzen. Nicht um ihn zu zerstören oder
mich an einem Posten zu bereichern, sondern um ihn zukunftssicher zu machen
für die jüngeren Generationen. Ich bin mit Leib und Seele Hp und werde immer
für unseren schönen Beruf kämpfen.