Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2003

Verfolgt man regelmäßig die Tagespolitik, wird der Eindruck deutlich, dass wir mehr und mehr "in schwere Fahrwasser" kommen. Meiner Meinung nach erschöpft sich jeder Reformeifer der Regierungen eigentlich immer nur in Kommissionen und belastet mit seinem Ergebnis die schwachen Bevölkerungsschichten, die Sozialhilfeempfänger, die Arbeitslosen, die Kranken, die Rentner und die unteren Lohngruppen. Selbst Kommissionsteilnehmer nennen ihre Tätigkeit schon mal "Kommissionsorganisierte Verantwortungslosigkeit". Und so ist es auch! Die genannten Volksgruppen können sich gegen die "Reformmaßnahmen" nicht wehren und sind die absoluten Verlierer der Politiken. Zumal ihre Lobby nicht stark genug ist. Gesundheitsreform, Rentenreform, demographischer Faktor, Generationengerechtigkeit, alles Nebelkerzen, die nur verwirren.

Es ist richtig, dass die Menschen älter und zu wenig Kinder geboren werden. Doch sollte man zuerst bedenken, dass wirtschaftliches Wachstum fehlt. Bald fünf Millionen Arbeitslose sind eine schwere Hypothek. Sie nehmen aus den Sozialkassen, zahlen aber nichts ein. Ehe man die Alten neidvoll beschimpft, sollte Generationengerechtigkeit erst einmal innerhalb einer Generation hergestellt werden. Da sind nämlich Familien mit Kindern, Singles, Sparer und Prasser. Kindererziehung kostet Geld und führt zu sozialen Benachteiligungen gegenüber Singles. Wer Vorsorge betreibt, muss letztendlich im Alter diejenigen mitfinanzieren, die in Saus und Braus leben und nichts auf die hohe Kante legen. Hier ist zunächst eine gerechte Lösung angesagt, ehe man mit einer Neidkampagne einen Generationenkonflikt ins Rollen bringt.

Insgesamt ist aber das Fazit der derzeitigen Situation nicht rosig. Berührt es auch unseren Berufsstand? Welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen?! Zunächst einmal: Wenn die Politik mehr Eigenverantwortung von den Bürgern verlangt, sind wir Hp zur Stelle. Die Gesundheitsvorsorge und Heilbemühungen, die wir betreiben, sind absolut eigenverantwortlich und werden von unseren Patienten selbst getragen. Deshalb sollten wir die Regierenden unaufhörlich daran erinnern, dass wir Hp ein wichtiges Standbein der Gesundheit sind.

Diesbezüglich hat die Führungselite der großen Verbände noch viel Nachholbedarf! Die PR-Arbeit unseres Berufsstandes in den Medien, bei den Politikern und bei der Bevölkerung muss dringend aktiviert, also verbessert werden.

Die allgemeine Verknappung des Euro zwingt auch uns zu einem verbesserten Praxismarketing. Jeder Therapeut ist auch Unternehmer und muss seine Praxis als kleines Wirtschaftsunternehmen führen. Sonst ist die Existenz gefährdet.

Den von der Kostendämpfung betroffenen Bevölkerungsgruppen steht zukünftig weniger Geld zur Verfügung, Gesundheitsprobleme privat zu regeln. Die Gefahr besteht, dass sie als Patienten ausfallen. Deshalb ist es wichtig, die Patienten-Klientel sorgfältig zu durchleuchten und sich um Ausgleich zu bemühen, so dass die finanzielle Basis für unsere Behandlungen erhalten bleibt. Hatte man bisher nur Rentner, muss man sich auch um andere Patienten bemühen, die noch Geld zur Verfügung haben. Das betrifft natürlich auch den Anteil privat- oder beihilfeversicherter Patienten. Treten Änderungen ein, darf ein Ausfall dieser Patienten die Praxisexistenz nicht gefährden. Bereits in der Vergangenheit gab es massive Ausfälle durch Leistungskürzungen der PKV. Sollte das Gespenst der Bürgerversicherung Wirklichkeit werden, könnte uns diese Patientengruppe fehlen. Folglich müssen wir dafür gewappnet sein.

Eine gute Therapie ist ohne kaufmännisches Denken nicht möglich. Sie muss für die Patienten bezahlbar und für die Hp kostendenkend sein. Das bedeutet, dass die Praxiskosten unter Kontrolle und die Praxisstunde danach kalkuliert sein muss. Hohe Außenstände sind zu vermeiden. Rechnungen müssen pünktlich geschrieben werden. Auch um unnötige Reklamationen und Inkasso-Bemühungen zu vermeiden, die durch Aufsummieren von Forderungen entstehen. Außerdem beeinträchtigen hohe Außenstände die eigene Liquidität. Zum guten Praxismanagement zählt auch, dass das Angebot überprüft wird. Therapien und Dienstleistungen müssen ausgewogen sein, um den nötigen Praxisumsatz zu ermöglichen.

Kaufmännische Fehler dürfen bei der Liquidation nicht unterlaufen. Durch nicht versicherte Patienten sollte jeweils nach der Behandlung Barzahlung erfolgen. Das vermeidet auch späteren Streit. PKV- und Beihilfe-Patienten erhalten eine Monatsabrechnung streng nach dem GebüH, aber bitte fehlerfrei. Sofern diese Patienten gleich nach erfolgter Behandlung bezahlen, stützt das Ihre Liquidität und vermeidet ebenfalls Probleme. Legen Sie eine Preisliste im Wartezimmer aus und treffen Sie bei der Erstuntersuchung eine Vereinbarung über Therapiekosten und Zahlungsmodus.

Weil unser kleiner Verband, der inzwischen zehn Jahre alt ist, sein Hauptaugenmerk auf Hilfestellung bei Praxisproblemen gerichtet hat, haben wir schon vielen Mitgliedern helfen können. Ich selbst sehe darin seit 20 Jahren meine Aufgabe. Denn die Zukunft unseres Berufsstandes ist nur gesichert, wenn das wirtschaftliche Fundament der Praxis stimmt. Wenn Sie zu diesem Thema Fragen haben, rufen Sie mich an.