Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2004

Ich wünsche und hoffe, dass Sie alle die Sommerpause ohne allzu große Umsatzflaute überstanden haben und selbst einen schönen Urlaub hatten. Dann können wir uns jetzt mit frischer Kraft den Herbstgeschäften widmen. Wenn ich Geschäft sage, meine ich das auch so. Denn die kaufmännische Komponente unseres Berufes wird immer wichtiger, je schwieriger die Zeiten werden. Ich setze dabei voraus, dass alle KollegInnen den festen Vorsatz haben, zu helfen und zu heilen. Doch bei der augenblicklichen politischen Großwetterlage wird nur zu deutlich, dass Geld in unserer Republik anders verteilt wird. Primär sind wir sicherlich nicht durch die Hartz-IV-Demonstrationen betroffen. Doch soziale Unruhen tragen nicht dazu bei, dass Geld freizügig ausgegeben wird. Aber ohne ausreichende Praxisumsätze, die Kosten und Lebensunterhalt sichern, ist unsere Zukunft wirtschaftlich nicht möglich. Von roten Zahlen kann auf Dauer niemand Leben. Deshalb ist es wichtig, sich auf die sozialpolitisch veränderte Situation richtig einzustellen. Zunächst einmal dadurch, dass man die eigenen Kosten nochmals durchrechnet und rationalisiert, wo möglich.

Zum anderen sollten wir unser Angebot und die dazu gehörige Preisgestaltung überprüfen. Unsere Therapien müssen seriös und Erfolg versprechend sein. Das setzt voraus, dass sie gut aufeinander abgestimmt sind. Wer nur eine bestimmte "Masche" reitet, kann über Nacht arbeitslos werden. Ebenso verhält es sich mit paramedizinischen Randtherapien. Sie ernähren ebenfalls nicht ihre(n) Frau/Mann. Grundsolide Ausbildung und kaufmännisches Feeling garantieren unsere Zukunft.

Wichtig dürfte noch sein, dass jede(r) Kollege/In einem Verband angehört, in dem er/sie Hilfestellung findet, wenn sich Praxisprobleme ergeben. Sie/er muss sich darauf verlassen können, dass nicht nur großartig in der Öffentlichkeit Berufsstandsfragen abgehandelt werden oder "große Politik" gemacht wird, sondern dass man sich ganz individuell um sie/ihn kümmert. Vor Ort muss das Problem gelöst werden. Sei es bei Abrechnungsdifferenzen mit der PKV, beim Praxis-Management, Inkasso, Werbung oder Vermittlung von Rechtsbeistand für eventuelle Prozesse.

Diese Art der Verbandsarbeit versuchen wir seit zehn Jahren zu praktizieren. Nicht in allen Fällen haben wir dabei helfen können. Aber viele Mitglieder haben daraus Nutzen gezogen. Für mich zählt auch dazu, dass die Verbandsarbeit transparent ist. Jeder, der bei uns Beitrag zahlt, soll wissen, was mit diesem Geld passiert, zum Beispiel, dass bei uns keine Aufwandsentschädigung für die Vorstand gezahlt wird.

Dafür haben wir Gelder für Prozesse eingesetzt, die in höchster Instanz Vorteile für alle Hp gebracht haben, u.a. BGH-Urteil IV ZR 418/02. Die Zusammenarbeit mit RA Dr. Lanz, München, den wir für Deutschlands besten Versicherungs-RA halten, war bislang die Gewähr dafür, dass die meisten Prozesse um Leistungsverweigerung zu Gunsten unserer Patienten entschieden wurden. Damit blieben die Patienten unseren Mitgliedern erhalten und Folgerechnungen wurden fortan vertragsgerecht erstattet. Doch wenn ich in anderen Fachorganen die Laudatio zum 60. Geburtstag des FDH-Präsidenten, zu dem ich ihm natürlich auch Gesundheit und Zufriedenheit für das neue Lebensjahrzehnt wünsche, lese, muss ich mir um unseren Berufsstand eigentlich keine Sorgen machen. Dachte ich bisher, große Verbände vergessen die Hp an der Basis, Funktionäre lassen sich großzügig alimentieren und pflegen nur ihre Profilneurosen, so war ich jetzt doch tüchtig überrascht, was der große Präsident so alles zu leisten scheint. Und das in seinem Alter. Immerhin ist er doch nun ins Senium eingetreten. Ellenlang war die Aufzählung seiner Verdienste, alles nur zu unser aller Wohl. Wahrscheinlich habe ich sträflicherweise bisher versäumt, das richtig zu erfassen. Nun aber weiß ich, er arbeitet (wohldotiert) voller Hingabe nur für den Berufsstand. Optimistisch wischt er alle Probleme beiseite. Für ihn ist unsere Zukunft rosarot. Warum also, liebe KollegInnen, machen Sie sich düstere Gedanken um Ihre wirtschaftliche Zukunft? Existenzsorgen sind beim großen Präsidenten nicht angesagt. Vertrauen Sie ihm, er wird's schon richten! Eigentlich möchte auch ich seinen Prognosen gern glauben - es wäre wirklich schön -, allein die Realität sieht anders aus!