Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2005

In einer Demokratie sind unterschiedliche Meinungen zulässig und auch gefragt. Dass es zu unserer Berufspolitik konträre Ansichten gibt, ist ebenfalls legitim. Ebenso bin ich der Ansicht, dass sich die Vorstände der Berufsverbände der Kritik zu stellen und sie zu ertragen haben. Ich habe bisher nie ein Hehl daraus gemacht, dass mich das Verhalten der Präsidentenrunde der DDH, Missstände zu bagatellisieren, zu verheimlichen oder gar zu begünstigen (Gutachterunwesen) gewaltig stört. Ebenso macht es mir Sorgen, wie lässig unsere Führungselite die Zukunftsplanung für unseren Berufsstand nimmt. Vielleicht ist aber alles auch gar nicht so schlimm und ich bin nur ein besonders törichter und ängstlicher Schwarzseher!

Nach Ansicht eines Hochbetagten Verbandsvorsitzenden, der es eigentlich nach seiner jahrzehntelangen Funktionärstätigkeit wohl wissen muss, sind meine "Ergüsse" in dieser Zeitung "so viel Schwachsinn, wie man ihn den Lesern einfach nicht zumuten sollte". "Zumal sich meine Verbandsarbeit darauf erstrecken würde, ihn und seine Funktionärskollegen in Pamphleten zu beschimpfen". Dabei war es insbesondere seine Inaktivität, die 1993 unseren Verband erst entstehen ließ. Dass er mich nicht mag, stört mich nicht. Das ist sein Problem. Immerhin habe ich ihm zu oft auf die Finger gesehen und meine Kritik stets geäußert. Wenn er jedoch auch in Zweifel zieht, ob ich überhaupt "ein guter Hp" bin, möchte ich zwischen ihm und mir einen Vergleich ziehen, den jeder Leser selbst beurteilen kann:

Etwas mehr als 20 Jahre bin ich Hp und fast ebenso lange betreibe ich eine Vollzeitpraxis, die inzwischen ein gutes Renommee hat. Damit und mit einer bescheidenen Rente habe ich bisher meinen Lebensstandard finanziert. Meine berufspolitische Arbeit mache ich neben meiner Praxistätigkeit ehrenamtlich, also unentgeltlich. Viele Stunden meiner Freizeit verbringe ich damit, unseren Mitgliedern bei ihren Praxisproblemen zu helfen und sie gegen die Diffamierungen der "Bösachter" zu schützen.

Der werte Altkollege Funktionär dagegen hat möglicherweise auch Verdienste um den Berufsstand gehabt. Wahrscheinlich aber vor meiner Zeit. Ich habe ihn nur als umtriebigen Spitzenfunktionär kennen gelernt, für den seine Verbandsarbeit äußerst lukrativ war - ganz im Gegensatz zu seiner Praxistätigkeit. Ich hege sogar große Zweifel, ob er überhaupt weiß, wie eine Naturheilpraxis von innen aussieht und wie mühevoll wir Hp heute darin unser Geld verdienen müssen.

Und da wir gerade über Geld reden, möchte ich das Editorial des großen Vorsitzenden und Golfcaptain nicht unerwähnt lassen, in dem von der Notwendigkeit der Großveranstaltungen und ihren Kosten - allerdings nur die von den DDH - die Rede ist, aber nicht von Gewinnen. Das erinnert mich an meine frühere Berufung zum Rechnungsprüfer des VDH. Damals wollte ich wissen, neugierig wie ich nun einmal bin, wo und wie denn die Kongressgewinne verbucht sind. Darauf hin wurde ich belehrt, dass es für die Kongresse eine Organisations- und Verwaltungsgesellschaft gibt, die eigenständig ist und von mir deshalb nicht zu prüfen ist. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Verwaltungsgesellschaft über Jahrzehnte mit roten Zahlen arbeiten kann, so dass für die beteiligten Verbände nichts übrig bleibt. Immerhin zahlt jeder Besucher Eintritt und die Aussteller hohe Standgebühren. Wenn aber keine Kostendeckung und keinen Überschuss erwirtschaftet wird, hat der Golfcaptain Recht: Man sollte überlegen, ob man die vielen Kongresse abschafft. Dann aber alle und nicht nur die der Konkurrenz. Für den Hp-Tag in Düsseldorf, der Jahr für Jahr von Tausenden besucht wird, ist beispielsweise die Messe-Gesellschaft verantwortlich und legt eine, für jedes KDH-Mitglied einsehbare, Abrechnung vor. Die Rechnungsprüfer des Verbandes können dann selbstverständlich den Überschuss in der Buchhaltung wieder finden. Nach meiner Auffassung von transparenter Berufspolitik gehört sich das so. Wo es anders läuft, findet es meine Kritik. Es sollte für jeden Beitrag zahlenden Hp nachvollziehbar sein, wie sein Verband mit Geld umgeht.

Wenn Sie, liebe Leser/Innen anders über meine Meinung denken und sie ebenfalls für "Schwachsinn" halten, sollten Sie es mich wissen lassen. Ich werde sie Ihnen dann künftig ersparen. Trotzdem sollten Sie darüber nachdenken, welche Funktionäre wir wollen: Berufsmäßige, die von diesem Job gut leben oder ehrenamtliche, die noch wissen, wie mühsam unser Praxisgeschäft ist!