In einer Demokratie sind unterschiedliche Meinungen zulässig
und auch gefragt. Dass es zu unserer Berufspolitik konträre Ansichten gibt,
ist ebenfalls legitim. Ebenso bin ich der Ansicht, dass sich die Vorstände der
Berufsverbände der Kritik zu stellen und sie zu ertragen haben. Ich habe bisher
nie ein Hehl daraus gemacht, dass mich das Verhalten der Präsidentenrunde der
DDH, Missstände zu bagatellisieren, zu verheimlichen oder gar zu begünstigen
(Gutachterunwesen) gewaltig stört. Ebenso macht es mir Sorgen, wie lässig unsere
Führungselite die Zukunftsplanung für unseren Berufsstand nimmt. Vielleicht
ist aber alles auch gar nicht so schlimm und ich bin nur ein besonders törichter
und ängstlicher Schwarzseher!
Nach Ansicht eines Hochbetagten Verbandsvorsitzenden, der es eigentlich nach
seiner jahrzehntelangen Funktionärstätigkeit wohl wissen muss, sind meine "Ergüsse"
in dieser Zeitung "so viel Schwachsinn, wie man ihn den Lesern einfach nicht
zumuten sollte". "Zumal sich meine Verbandsarbeit darauf erstrecken würde, ihn
und seine Funktionärskollegen in Pamphleten zu beschimpfen". Dabei war es insbesondere
seine Inaktivität, die 1993 unseren Verband erst entstehen ließ. Dass er mich
nicht mag, stört mich nicht. Das ist sein Problem. Immerhin habe ich ihm zu
oft auf die Finger gesehen und meine Kritik stets geäußert. Wenn er jedoch auch
in Zweifel zieht, ob ich überhaupt "ein guter Hp" bin, möchte ich zwischen ihm
und mir einen Vergleich ziehen, den jeder Leser selbst beurteilen kann:
Etwas mehr als 20 Jahre bin ich Hp und fast ebenso lange betreibe ich eine Vollzeitpraxis,
die inzwischen ein gutes Renommee hat. Damit und mit einer bescheidenen Rente
habe ich bisher meinen Lebensstandard finanziert. Meine berufspolitische Arbeit
mache ich neben meiner Praxistätigkeit ehrenamtlich, also unentgeltlich. Viele
Stunden meiner Freizeit verbringe ich damit, unseren Mitgliedern bei ihren Praxisproblemen
zu helfen und sie gegen die Diffamierungen der "Bösachter" zu schützen.
Der werte Altkollege Funktionär dagegen hat möglicherweise auch Verdienste um
den Berufsstand gehabt. Wahrscheinlich aber vor meiner Zeit. Ich habe ihn nur
als umtriebigen Spitzenfunktionär kennen gelernt, für den seine Verbandsarbeit
äußerst lukrativ war - ganz im Gegensatz zu seiner Praxistätigkeit. Ich hege
sogar große Zweifel, ob er überhaupt weiß, wie eine Naturheilpraxis von innen
aussieht und wie mühevoll wir Hp heute darin unser Geld verdienen müssen.
Und da wir gerade über Geld reden, möchte ich das Editorial des großen Vorsitzenden
und Golfcaptain nicht unerwähnt lassen, in dem von der Notwendigkeit der Großveranstaltungen
und ihren Kosten - allerdings nur die von den DDH - die Rede ist, aber nicht
von Gewinnen. Das erinnert mich an meine frühere Berufung zum Rechnungsprüfer
des VDH. Damals wollte ich wissen, neugierig wie ich nun einmal bin, wo und
wie denn die Kongressgewinne verbucht sind. Darauf hin wurde ich belehrt, dass
es für die Kongresse eine Organisations- und Verwaltungsgesellschaft gibt, die
eigenständig ist und von mir deshalb nicht zu prüfen ist. Nun kann ich mir nicht
vorstellen, dass eine Verwaltungsgesellschaft über Jahrzehnte mit roten Zahlen
arbeiten kann, so dass für die beteiligten Verbände nichts übrig bleibt. Immerhin
zahlt jeder Besucher Eintritt und die Aussteller hohe Standgebühren. Wenn aber
keine Kostendeckung und keinen Überschuss erwirtschaftet wird, hat der Golfcaptain
Recht: Man sollte überlegen, ob man die vielen Kongresse abschafft. Dann aber
alle und nicht nur die der Konkurrenz. Für den Hp-Tag in Düsseldorf, der Jahr
für Jahr von Tausenden besucht wird, ist beispielsweise die Messe-Gesellschaft
verantwortlich und legt eine, für jedes KDH-Mitglied einsehbare, Abrechnung
vor. Die Rechnungsprüfer des Verbandes können dann selbstverständlich den Überschuss
in der Buchhaltung wieder finden. Nach meiner Auffassung von transparenter Berufspolitik
gehört sich das so. Wo es anders läuft, findet es meine Kritik. Es sollte für
jeden Beitrag zahlenden Hp nachvollziehbar sein, wie sein Verband mit Geld umgeht.
Wenn Sie, liebe Leser/Innen anders über meine Meinung denken und sie ebenfalls
für "Schwachsinn" halten, sollten Sie es mich wissen lassen. Ich werde sie Ihnen
dann künftig ersparen. Trotzdem sollten Sie darüber nachdenken, welche Funktionäre
wir wollen: Berufsmäßige, die von diesem Job gut leben oder ehrenamtliche, die
noch wissen, wie mühsam unser Praxisgeschäft ist!