Nachdem ich mehrfach die "Gesundheitsreform" kommentiert habe,
möchte ich mir fortan Beiträge dazu ersparen. Vom Manuskript bis zum Druck der
Zeitung vergehen ca. vier Wochen. In dieser Zeit sind alle Vorlagen zur Reform
schon wieder Makulatur. Erst Eckpunkte, dann Gesetzesvorlage, die die Ministerin
angeblich gar nicht gelesen haben will und nun die absolute Kakophonie in Berlin
zu diesem Thema. Nur das könnte man als verunsicherter Bürger noch kommentieren!
Aber eigentlich gibt es immer genug zu sagen über unseren Berufsstand. Da las
ich unlängst in unserer Zeitung einen sehr mutigen Artikel der Hps Gabriele
Drews und Wolfgang Wagner, dem ich eigentlich kaum noch etwas hinzuzufügen habe.
Er traf voll ins Schwarze, aber vor allem auf die dünne Haut des obersten DDH-
Präsidenten Zizmann. Dieser schlug dann sofort im Editorial seiner Zeitung wild
um sich, doch Wahrheit bleibt Wahrheit!
Auch ich habe vor Monaten schon die Frage gestellt, wie sich die enormen Bei-
tragseinnahmen der DDH verteilen. Für PR und Imagepflege unseres Berufsstandes
wurde bisher doch nur ein "Trinkgeld" ausgegeben. Es sei denn der FDH betrachtet
die Artikelserie ihres Regionalfürsten Sandrock "Hexer, Heiler u. Schamanen"
als gelungene Werbeaktion. Wenig glaubhaft ist dagegen Zizmanns Aussage, dass
alle Funktionäre für ihre ehrenamtliche berufspolitische Arbeit nicht einen
Cent erhalten. Ich selbst habe feststellen lassen, dass die Funktionärselite
nicht mehr wie ich von morgens bis abends in ihren Praxen arbeitet. Wovon leben
die Ärmsten dann??
Bei einem recht betagten Präsidenten möchte ich sogar annehmen, dass er zeitlebens
nie eine Naturheilpraxis von innen so recht erlebt hat. Dafür war er sehr umtriebig
in Geschäften mit dem Berufsstand.
1996 schrieb mir Hp Zizmann seine Aufwandsentschädigung (kein Cent ?) sei kein
Geheimnis. Er vergaß jedoch, mir bis heute die Summe zu nennen. Außerdem muß
die Frage erlaubt sein, ob er für die Geschäftsführung seines Verbandes auch
noch zusätzlich Gehalt bezieht. Leider verhinderte auf der Delegiertenversammlung
in Mainz ein WM-Fußballspiel die Diskussion hierüber. Wenn schon ehrenamtlich
Arbeit ohne einen Cent, wäre es interessant zu wissen, wie hoch die Spesen sind.
Irgendwo muß doch das viele Beitragsgeld versickern!
Die "einzelnen Personen", die sich zu Rettern des Berufsstandes aufschwingen,
unterscheiden sich von Präs. Zizmann dadurch, dass sie wenigstens Action zeigen.
Denn seine Devise des Abwartens hat uns den Verlust von Procain u. Lidocain
gebracht und uns damit die Neuraltherapie genommen. Der gemeinsame Protest unseres
Berufsstandes hätte das verhindern können. Gute Vorschläge und be- gründete
Sorgen sind reichlich an die Vorstände herangetragen worden. Aber wenn diese
bereits soweit abgehoben haben, dass sie das Grummeln an der Basis nicht mehr
hören, ist keine vernünftige Berufspolitik mehr möglich. Der beste Beleg hierfür
ist die arrogante, überhebliche Art, wie man die Kollegen Drews und Wagner ab-
werten und zum Schweigen bringen möchte.
Ich würde zwar nie behaupten, dass die DDH vorsätzlich eine gute Berufspolitik
boykottiert, aber mit Untätigkeit und Aussitzen verschenken wir unsere Zukunft.
Wenn der oberste Präsident sich öfter vom Golfplatz nach Berlin begeben würde,
um bei den Gesundheitspolitikern bekannt zu werden und um den Status des Nobody
zu verlassen, sind ihm dafür auch reichlich Spesen gegönnt.
Außerdem macht niemand Funktionäre runter, wie der Präsident befürchtet, die
das Vertrauen, das man als Wähler in sie gesetzt hat, rechtfertigen. Wer sich
berufspolitisch intensiv engagiert, wird stets gelobt, nie kritisiert. Wenn
aber unsere Funktionärselite soviel Kritik erfährt, dass sie schon öffentlich
darüber klagt, läuft offensichtlich etwas schief. Doch der Fehler liegt nicht
bei der Basis. Diese bangt angesichts der vielen Missstände, die nicht behoben
werden, um ihre wirtschaftliche und berufliche Zukunft.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle alle meine Leser aufrufen, nehmen Sie Ihr
Wahlrecht in Ihren Verbänden gründlich wahr! Verlangen Sie von Ihren Funktionären
Rechenschaft über ihre Vorstandsarbeit!
Tragen Sie Ihre Sorgen und Nöte lautstark vor ! Kritisieren Sie mutig Fehlentwicklungen!
Knüpfen Sie Verbindungen zu Ihren Bundestagsabgeordneten!
Wenn alle ihr Phlegma vergessen und intensiv mitarbeiten, steigt unser Ansehen
in der Öffentlichkeit wieder. Gut geführte Praxen sind auf Augenhöhe mit den
Doctores und haben eine Zukunft!