Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2006

Nachdem ich mehrfach die "Gesundheitsreform" kommentiert habe, möchte ich mir fortan Beiträge dazu ersparen. Vom Manuskript bis zum Druck der Zeitung vergehen ca. vier Wochen. In dieser Zeit sind alle Vorlagen zur Reform schon wieder Makulatur. Erst Eckpunkte, dann Gesetzesvorlage, die die Ministerin angeblich gar nicht gelesen haben will und nun die absolute Kakophonie in Berlin zu diesem Thema. Nur das könnte man als verunsicherter Bürger noch kommentieren!

Aber eigentlich gibt es immer genug zu sagen über unseren Berufsstand. Da las ich unlängst in unserer Zeitung einen sehr mutigen Artikel der Hps Gabriele Drews und Wolfgang Wagner, dem ich eigentlich kaum noch etwas hinzuzufügen habe. Er traf voll ins Schwarze, aber vor allem auf die dünne Haut des obersten DDH- Präsidenten Zizmann. Dieser schlug dann sofort im Editorial seiner Zeitung wild um sich, doch Wahrheit bleibt Wahrheit!

Auch ich habe vor Monaten schon die Frage gestellt, wie sich die enormen Bei- tragseinnahmen der DDH verteilen. Für PR und Imagepflege unseres Berufsstandes wurde bisher doch nur ein "Trinkgeld" ausgegeben. Es sei denn der FDH betrachtet die Artikelserie ihres Regionalfürsten Sandrock "Hexer, Heiler u. Schamanen" als gelungene Werbeaktion. Wenig glaubhaft ist dagegen Zizmanns Aussage, dass alle Funktionäre für ihre ehrenamtliche berufspolitische Arbeit nicht einen Cent erhalten. Ich selbst habe feststellen lassen, dass die Funktionärselite nicht mehr wie ich von morgens bis abends in ihren Praxen arbeitet. Wovon leben die Ärmsten dann??

Bei einem recht betagten Präsidenten möchte ich sogar annehmen, dass er zeitlebens nie eine Naturheilpraxis von innen so recht erlebt hat. Dafür war er sehr umtriebig in Geschäften mit dem Berufsstand.

1996 schrieb mir Hp Zizmann seine Aufwandsentschädigung (kein Cent ?) sei kein Geheimnis. Er vergaß jedoch, mir bis heute die Summe zu nennen. Außerdem muß die Frage erlaubt sein, ob er für die Geschäftsführung seines Verbandes auch noch zusätzlich Gehalt bezieht. Leider verhinderte auf der Delegiertenversammlung in Mainz ein WM-Fußballspiel die Diskussion hierüber. Wenn schon ehrenamtlich Arbeit ohne einen Cent, wäre es interessant zu wissen, wie hoch die Spesen sind. Irgendwo muß doch das viele Beitragsgeld versickern!

Die "einzelnen Personen", die sich zu Rettern des Berufsstandes aufschwingen, unterscheiden sich von Präs. Zizmann dadurch, dass sie wenigstens Action zeigen. Denn seine Devise des Abwartens hat uns den Verlust von Procain u. Lidocain gebracht und uns damit die Neuraltherapie genommen. Der gemeinsame Protest unseres Berufsstandes hätte das verhindern können. Gute Vorschläge und be- gründete Sorgen sind reichlich an die Vorstände herangetragen worden. Aber wenn diese bereits soweit abgehoben haben, dass sie das Grummeln an der Basis nicht mehr hören, ist keine vernünftige Berufspolitik mehr möglich. Der beste Beleg hierfür ist die arrogante, überhebliche Art, wie man die Kollegen Drews und Wagner ab- werten und zum Schweigen bringen möchte.

Ich würde zwar nie behaupten, dass die DDH vorsätzlich eine gute Berufspolitik boykottiert, aber mit Untätigkeit und Aussitzen verschenken wir unsere Zukunft. Wenn der oberste Präsident sich öfter vom Golfplatz nach Berlin begeben würde, um bei den Gesundheitspolitikern bekannt zu werden und um den Status des Nobody zu verlassen, sind ihm dafür auch reichlich Spesen gegönnt.

Außerdem macht niemand Funktionäre runter, wie der Präsident befürchtet, die das Vertrauen, das man als Wähler in sie gesetzt hat, rechtfertigen. Wer sich berufspolitisch intensiv engagiert, wird stets gelobt, nie kritisiert. Wenn aber unsere Funktionärselite soviel Kritik erfährt, dass sie schon öffentlich darüber klagt, läuft offensichtlich etwas schief. Doch der Fehler liegt nicht bei der Basis. Diese bangt angesichts der vielen Missstände, die nicht behoben werden, um ihre wirtschaftliche und berufliche Zukunft.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle alle meine Leser aufrufen, nehmen Sie Ihr Wahlrecht in Ihren Verbänden gründlich wahr! Verlangen Sie von Ihren Funktionären Rechenschaft über ihre Vorstandsarbeit!
Tragen Sie Ihre Sorgen und Nöte lautstark vor ! Kritisieren Sie mutig Fehlentwicklungen!
Knüpfen Sie Verbindungen zu Ihren Bundestagsabgeordneten!
Wenn alle ihr Phlegma vergessen und intensiv mitarbeiten, steigt unser Ansehen in der Öffentlichkeit wieder. Gut geführte Praxen sind auf Augenhöhe mit den Doctores und haben eine Zukunft!