Liebe Mitglieder,
jetzt, wo ich diesen Bericht schreibe, stehe ich noch immer unter dem Einfluss
des Wahlergebnisses zum Bundestag. Nun soll sich ja (alles) vieles ändern unter
einer neuen Koalition. Hoffentlich auch in der Gesundheitspolitik, die bisher
die Naturheilkunde und uns Hp sehr stiefmütterlich behandelt hat. Es kann eigentlich
nur besser werden. Als wertekonservativer Bürger der älteren Generation, der
mit seiner Lebensleistung unseren Staat mit getragen hat, wünsche ich mir auch
wieder mehr „Sekundär-Eigenschaften“ wie Fleiss, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit,
Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft, die der kleine Däumling der Linken ja einst
dem Altkanzler Schmidt zur Führung eines Kz empfohlen hatte.
Nachdem ich mich nach 18 Wochen selbst aus der Klinik entlassen hatte, versuche
ich jetzt, mich peu à peu durch den Haufen Post auf meinem Schreibtisch zu arbeiten,
der sich dort in dieser langen Zeit an- gesammelt hat. Ganz akute Sachen hatte
ich aber bereits aus dem Krankenhaus beantwortet. So fiel mir beim Sortieren
das Aktiv-Forum der FH in die Hände. Erfreut las ich: QFH = Qualität Freie Hp.
Endlich, dachte ich, der liebe Herr Schmidt hat es begriffen!
Umso enttäuschter war ich schon einige Zeilen weiter, als ich lesen mußte,
dass es sich nur um Polemik gegen diejenigen handelt, die wirklich Qualitätsrichtlinien
für unseren Beruf wollen.
Es ist richtig, dass wir Hp eine besondere Entwicklungsgeschichte haben, damit
auch einen besonderen Status, mit dem es sensibel umzugehen gilt. Doch gerade
da liegt aber unsere Schwachstelle, die unsere Widersacher stets nutzen, um
uns zu schaden!
Wir haben keine staatlich anerkannte Ausbildung. Deshalb werden wir mit Scharlatanen
und dubiosen Heilern immer wieder in einen Topf geworfen.
Wenn sich nun Präsident Schmidt auf Tacitus und Lao Tse beruft um festzustellen,
dass „zu viele Gesetze Mist sind“, mag er Recht haben. Aber er verwechselt hier
etwas. Niemand will mehr Gesetze, im Gegenteil, die für uns Hp gegebenen Auflagen
werden vielfach in den Praxen nicht beachtet. So bringt die Zertifizierung auch
keine neuen Gesetze, sondern bündelt eigentlich nur übersichtlich die vorhandenen
und führt zu einem optimalen Praxismanagement.
Warum, werter Herr Schmidt, werfen so viele Anfänger in unserem Beruf nach ein
– zwei Jahren wieder das Handtuch? Ganz einfach, weil sie das Praxismanagement
nicht übersehen! Mit der grossen Freiheit ringsum ist ihnen also nicht gedient.
Ganz ohne Korsettstangen geht es auch in unserem schönen Beruf nicht.
Beim Aufarbeiten meiner Post stiess ich u.a. auf den Leserbrief in der „Naturheilkunde
08/09“ von dem Hp Roland Leonhardt aus Penzing „Notstand in der Naturheilkunde“.
Man kann jede Zeile des Kollegen zu Recht unterschreiben. Die Jahrtausend alte
Naturheilkunde war noch nie so gefährdet wie jetzt.
Wie bereits oben erwähnt, wir benötigen dringend eine Wende in der Gesundheitspolitik.
Sie gefährdet die Existenz unserer Praxen, wenn wir weiterhin Einschränkungen
unserer Therapiefreiheit klaglos hinnehmen. Die Neuraltherapie haben wir bereits
verloren. An den invasiven Therapie- formen wird immer wieder herumgeknabbert.
Gerade konnten wir die Eigenblut-Therapie retten. Aber der nächste Angriff kommt
bestimmt. Mit den immer wieder vorgetragenen Bedenken gegen Injektionen in Hp-Hand
würden dann auch Aderlass, Baumscheidtieren, Schröpfen, Blutegeltherapie und
Akupunktur für uns entfallen. Dann können wir wirklich mit dem Kollegen Leonhardt
sagen: „Gute Nacht, Freunde!“
Aber man muss sich angesichts dieser Situation die Frage stellen: Wo sitzen
unsere Widersacher? Was z.B. haben die Experten im BfArM gegen Homöopathie,
Phytologie und naturheilkundliche Therapeuten schlechthin? Durch politische
Entscheidung (keine GKV-Erstattung) sind uns viele Präparate genommen worden,
weil sie aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen oder verschreibungspflichtig
wurden. Wenn das BfArM mit unsinnigen Entscheidungen oder Auflagen zusätzlich
unsere Präparate aus dem Markt kegelt - wie jetzt nach 50 Jahren „Trophicard“
von Köhler-Pharma -, ist das schlicht nur ärgerlich. Genauso rüde ist man mit
der Homöopathie umgegangen. Zunächst wurde die Indikationserläuterung untersagt.
Wem es nützen soll, ist fraglich. Vielmehr stiftet es Verwirrung. Patienten
verstehen die Notwendigkeit des Medikamentes überhaupt nicht mehr. Therapeuten
sind verunsichert. Neuerdings wird uns nun aufgegeben, allgemein für jedes Präparat
eine festgesetzte Dosierung zu geben. Wenn schon das Verbot der Indikation unsinnig
war, ist diese Auflage nahezu hirnrissig. Hier wird vorsätzlich eine erfolgreiche
Therapie zum Nachteil der Patienten bekämpft. Haben die BfArM-Mitarbeiter nicht
auch einen Amtseid geleistet, in dem sie geloben, zum Wohle des Volkes arbeiten
zu wollen?
Wohlgesonnen ist uns auch nicht die Ärztekommsission zur Verschreibungspflicht.
Ihr fällt immer wieder ein Präparat ein – wie z.B. Tham-Lösung -, das sie uns
wegnehmen kann. Ebenso fragwürdig ist der Nachweis von EBM-Standards (Evidence
based medicine) für die Zulassung von Medikamenten und richtet sich absolut
gegen die Naturheilkunde. Die Geheimnisse der göttlichen Schöpfung „wissenschaftlich
zu sichern“, ist absurd und arrogant zugleich. Mit Heilkunde hat das nichts
mehr zu tun!
Der Kollege Leonhardt wünscht die Zusammenarbeit aller Funktionäre. Ich habe
sie seit Jahr und Tag gefordert. Wir dürfen nicht länger untätig sein und nur
abwarten wollen, bis sich alles von selbst regelt. Kommt die Aktivität nicht
von der Spitze, ist eine Revolution von der Basis gefragt. Jeder von uns ist
mit seinem Einsatz gefordert. Bringt Eure Funktionäre auf Vordermann, sprecht
mit Politikern und Parteifreunden. Immerhin wollen 80 % aller Patienten Naturheilmittel!
Damit sind wir in der Pflicht, endlich gemeinsam etwas zu tun. Sonst sage ich
auch mit dem o.g. Kollegen: „Gute Nacht, Freunde!“