Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 11/2001

Die entsetzlichen Terroranschläge des 11. September haben die Welt verändert, möglicherweise auch für einen jeden von uns. Die Angst geht um! Angst vor einem globalen Krieg, Angst vor weiteren Anschlägen, Angst vor dem Fliegen, Angst vor einem gewaltsamen Tod.

Zu dieser Angst kommt das Misstrauen. Wer sind meine Mitmenschen, meine Nachbarn, meine Freunde? Die Gefahr des Terrors schlummert im Dunkeln. Kurzum, wir haben durch das apokalyptische Ereignis unsere Sorglosigkeit verloren. Die Spaßgesellschaft ist vorbei.

Bewundernswert ist aber, wie die Amerikaner diese schwere Prüfung meistern. Die Trauer ist groß, aber das Leben geht weiter. Es wird in die Hände gespuckt und angepackt. Ganz besonders zu bemerken ist das Gemeinschaftsgefühl, das sich in der Not entwickelt hat. Jeder ist für jeden da. Eine Hilfsbereitschaft untereinander, die beispielhaft ist.

Der Stolz der amerikanischen Nation überdeckt die Verwundbarkeit ihrer demokratischen Lebensform. Nicht Rache, sondern Bestrafung der vermutlichen Täter ist angesagt.

Was können wir alle daraus lernen und für unser Leben ableiten?

Unsere Politiker haben bereits reagiert und vollmundig Hilfe und Solidarität versprochen. Gleichzeitig haben sie aber den Bürger zur Kasse gebeten und ihm eine "Terrorsteuer" aufgebürdet. Außerdem wird die Gelegenheit genutzt, um die "gläsernen" Bankkunden einzuführen. Man kann über diese Reaktion geteilter Meinung sein, die Bewährungsprobe steht uns erst noch bevor.

Gibt es von diesem globalen Geschehen auch Parallelen zu unserem Berufsstand?

Ich würde sagen: noch nicht! Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass auch wir aus diesem schrecklichen Ereignis Lehren ziehen und sie positiv auf unser berufliches Zusammenleben anwenden.

Aber trotz uns drohender Probleme, die unsere Existenz beeinträchtigen oder gar vernichten können, scheinen unsere Funktionsträger bislang die Sorglosigkeit noch nicht verloren zu haben. Sie leben nach wie vor ihre Profilneurosen, Intrigen und Egoismen. Das eigene Wohlergehen wird über das Allgemeinwohl gestellt. Wichtige Zukunftsaufgaben werden nicht gelöst, sondern nur zerredet. Sie scheitern an den persönlichen Eitelkeiten unserer Funktionäre. Kritische Mahner werden um jeden Preis mundtot gemacht und als lästige Querulanten hingestellt, die angeblich die positive Berufspolitik gefährden, weil sie unser Image in der Öffentlichkeit ruinieren und die Einheit blockieren.

Unser Image demontieren andere, und wo ist die Einheit? DDH und KDH, wo sind sie sich einig? Durch Intrigen der Präsidenten untereinander werden alle Bestrebungen zur Einigkeit immer wieder unterlaufen. Es geht immer nur um Pöstchen und Geld, aber nie um das Wohlergehen von uns HeilpraktikerInnen an der Basis.

Ach könnten wir uns doch ein Beispiel an den schwer geprüften Amerikanern nehmen!

Aber bitte nicht erst, wenn das Schicksal auch bei uns zugeschlagen hat! Jetzt ist es an der Zeit, die Sorgen ernst zu nehmen und die anstehenden Probleme zu lösen. Zupacken ist angesagt. Einer für alle, alle für einen, so muss es sein, wenn wir in Einigkeit unsere Ziele erreichen und unsere Existenzen erhalten wollen. Persönliche Eitelkeiten müssen grundsätzlich dabei zurücktreten.