Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 11/2003

Als unlängst die Horrormeldung durch die Medien ging, dass jährlich circa 58.000 Patienten an Therapiefehlern und falscher Medikation versterben (diese Zahl soll nur die Spitze des Eisberges sein), habe ich den Schrei der Empörung bei der Bevölkerung vermisst. Auch die Ärzte waren zu dieser Meldung sehr schweigsam. Sie haben sie weder entrüstet zurückgewiesen noch irgendwie kommentiert. Und was war in der Öffentlichkeit von der Führungselite der großen Hp-Verbände zu hören? Gar nichts!

Todesfälle durch naturheilkundliche Therapien sind bislang nicht bekannt geworden. Aber gerade diese Medikamente, die bereits über Jahrhunderte zur Volksheilkunde zählen, ihre Wirksamkeit bewiesen haben, ohne gefährliche Nebenwirkungen aufzuweisen, werden vom Markt gefegt. Warum? Weil hinter der politischen Bühne ein Machtkampf der Lobbyisten stattfindet, bei dem wie immer der Stärkere gewinnt. Die Entscheidungen dazu sind nicht im Gesundheitsministerium oder in der EU gefallen, sondern in Leverkusen, Ludwigshafen, Frankfurt und Berlin.

Unsere Politiker betrachte ich da nur als willige Marionetten. Die mittelständische biologische Pharma-Industrie konnte sich dieser Übermacht nicht erwehren. Es fehlte ihr auch das Kapital, um alle Präparate ihres Sortiments durch die Nachzulassung zu bringen. Folglich verschwanden zum 1. Juli 2003 über 5.000 bewährte Medikamente vom Markt.

Als ich dazu den Kommentar im Editorial des Präsidenten des größten Hp-Verbandes las, verschlug es mir glatt den Atem! Zitat Zizmann: "Ja, aber bei den Arzneimitteln? Ein trauriges Kapitel, das in den 70er Jahren bei der EU geschrieben wurde und dessen Ende schon damals bekannt war... ."

Hier sei mir die Frage an den Herrn "Präsidenten" erlaubt, der sich stets selbst lobend auf die Schenkel schlägt, was hat er denn unternommen, um auf eine andere politische Entscheidung hinzuwirken? Was wird er tun, wenn er nun, nachdem die "Gesundheitsreform" das Parlament passiert hat, wenn nach dem 1. Januar 2004 weitere naturheilkundliche Präparate vom Markt gefegt werden, weil die GKV keine rezeptfreien Medikamente mehr erstatten darf?

Den für uns positiven Kontakt zu wichtigen Politikern hat er bis jetzt offensichtlich nicht gefunden. In Berlin und Brüssel ist er ein Nobody! Anmaßend zu behaupten, dass nur die DDH allein berechtigt und befähigt sind, den Berufsstand zu vertreten. Das reicht nicht aus für erfolgreiche Berufspolitik.

Es liegt mir völlig fern, die Verdienste des FDH in der Vergangenheit für die Hp-schaft zu schmälern. Aber diese Meriten dürfen der heutigen Führungselite nicht nur als sanftes Ruhekissen diene. Wäre seine Arbeit wirklich so effektiv, wie der "Herr Präsident" glaubt, müsste er nicht gegen die kleinen Verbände wettern, die seiner Meinung nach nur "Heiße Luft" liefern. Es gäbe sie gar nicht, denn sie rekrutieren sich vielfach aus den von den großen Verbänden Enttäuschten!

Die "Kleine" haben nicht die Stärke, etwas zu bewirken, aber können doch vieles anregen. Denn sie haben ihr Ohr noch an der Basis und wissen, wo den tätigen Hp wirklich der Schuh drückt.

Rosarote Berufspolitik, die es allen recht machen möchte und Probleme beschönigt, hilft niemandem. Wichtiger ist es, die KollegInnen auf die bestehenden gefahren aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen, sie abzuwehren. Das hat sich unser Vorstand zur Pflicht gemacht.

Rufen Sie uns an. Wir haben stets ein offenes Ohr für Ihre Sorgen und Nöte und helfen gern mit Rat und Tat!