Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 11/2004

Offenbar habe ich mit meinem Artikel über den Bericht in der Bild-Zeitung in Niedersachsen "Heiler-Hexen-Schamanen" in ein Wespennest gestochen. Aus Kollegenkreisen gab es reichlich Zustimmung. Aber die "Heiler" fanden meinen Artikel nicht gut. Besonders der Heiler aus Stadthagen, vielleicht ist er ja sogar auch noch Hexer oder Schamane, der durchs Auge ins Herz schaut und dessen Frau das fett wegstichelt, gab sich sehr gekränkt. Er sieht den Schaden, der der Hp-schaft zugefügt wird, nicht in derart unseriöser Werbung, sondern in der Polemik aus den eigenen Reihen. Er zählt diese Artikelserie zu der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit seines Verbandes und verweist auf Hunderte von Anrufen aus der Bevölkerung. Mir prophezeit er eine ruhige Kugel in meiner Praxis, wenn ich die "Bild"-Leser unter meinen Patienten ausgrenzte. So nennt er mich denn einen "Tugendwächter", der im Elfenbeinturm der Berufsfunktionäre sitzt. Ich fühle mich geschmeichelt!

Selbst wenn er richtig vermutet, dass die Bild-Zeitung nicht unbedingt meine Lektüre ist, werden meine Patienten keineswegs danach beurteilt, sondern nur nach ihren Beschwerden und den Möglichkeiten, ihnen zu helfen. Auch als Rentner kann ich mich nicht über Langeweile beklagen, weder in meiner Praxis noch bei der ehrenamtlichen Verbandsarbeit. Wenn er mich irrigerweise als Berufsfunktionär einordnet, muss ich ihn enttäuschen. Ich mache Berufspolitik unentgeltlich ohne die lukrative Aufwandsentschädigung, die die Funktionäre seines Verbandes aus Beitragsgeldern kassieren. Außerdem sitze ich nicht im Elfenbeinturm, sondern vor Ort und höre die Sorgen und Nöte meiner Patienten und helfe unseren Mitgliedern bei ihren Praxisproblemen. Doch immer wieder stelle ich mir die Frage, wie sieht es in den Praxen aus, deren Inhaber mit unseriösen Anzeigen Patienten anlocken wollen. Da kann irgendetwas im Konzept und im Management nicht stimmen. Lässt man sich aber in reißerischer Bild-Zeitungs-Aufmachung als Hp veralbern, kann die Kasse auch nicht klingeln. Unser Berufsstand, der Wert darauf legt, als zweites Standbein des deutschen Gesundheitswesens zu gelten, darf sich nicht unter der Rubrik "Heiler-Hexer-Schamanen" abqualifizieren lassen. Es wäre schön, wenn das auch die KollegInnen begreifen würden, die sich zu dieser peinlichen Werbung verlocken ließen. Eines wundert mich in diesem unglücklichen Vorfall ganz besonders. Das ist das Schweigen der DDH-Präsidentenrunde, insbesondere des Oberpräsidenten des FDH. Habe ich doch neulich erst sehr ausführlich lesen können, wie besorgt er um seine Schäfchen ist. Er besucht sie, berät sie und ermahnt sie selbstverständlich auch. Aber wahrscheinlich kommt er bei seinen Besuchen nie nach Niedersachsen und sicherlich liest er - genauso wie ich - nur sehr selten die Bild-Zeitung.

Aber was seine Regionalfiguren so treiben - besonders in den staatlich anerkannten Verbandsschulen, das sollte er schon wissen! Tag der offenen Tür für "Heiler-Hexer-Schamanen", das ist schon starker Tobak!