während ich diese Zeilen hier schreibe, sind es noch einige
Wochen bis zum Jahreswechsel. Wenn Ihnen die Zeitung vorliegt und Sie sie lesen,
hat die Adventszeit schon begonnen, das Weihnachtsfest steht vor der Tür.
Eine Woche später ist dann bereits Silvester und ein neues Jahr beginnt. Also
wird es langsam Zeit, dieses neue Jahr zu planen. Die politischen Vorgaben sagen
uns schon jetzt: es wird härter!
Die allgemeinen Lebenshaltungskosten werden steigen. Große Lohnzuwächse sind
nicht zu erwarten. Folglich wird das Geld knapper!
Unsere betriebswirtschaftliche Planung können wir darauf einstellen, aber was
uns berufspolitisch bevorsteht, ist noch ungewiß. Lassen wir doch das alte Jahr
einmal Revue passieren, dann haben wir vielleicht eine Vorahnung.
Die größte Enttäuschung dürfte für uns gewesen sein, dass die Gesundheitspolitiker
in Berlin, die die maßgeblichen Entscheidungen treffen, unseren Berufsstand
gar nicht kennen oder nicht für voll nehmen. Unsere Führungseliten sind für
sie Nobodies. Wir haben keine schlagkräftige Lobby, dafür Spitzenfunktionäre,
die lieber abwarten, als aktiv zu werden.
Paradebeispiel dafür war die Verschreibungspflicht von Procain und Lidocain,
womit eingentlich die Neuraltherapie unterlaufen wird. Nur ein einziger Funktionär
leistete mannhaft Widerstand und letztlich, als alle Einreden nichts genutzt
hatten, mit einer Petition in Berlin vorstellig. Auch diese wurde abgeschmettert,
weil die Neuraltherapie "viel zu gefährlich sei für einen Berufsstand ohne geregelte
Ausbildung". Dieses Minus war entscheidend für die Ablehnung, obwohl die vielen
beklagten Zwischenfälle mit Procain und Lidocain nicht von Hp verursacht wurden.
Kollegen von der Basis, die zu diesem Thema ebenfalls eine Petition verfasst
hatten, wurden nicht in Berlin abgekanzelt, sondern von unserem obersten Spitzenfunktionär.
Meinen Sie nicht auch, dass hier in unserem Berufsstand einiges schief läuft?
Einerseits beklagt man das berufspolitische Phlegma an der Basis, wird sie allerdings
aktiv, werden die Akteure mit Rechtsmitteln bedrängt. Wo aber bleibt die richtrungsweisende
Berufspolitik, die uns weiterhin eine Zukunft eröffnet?
Wo ist - abgesehen vom Punktesammeln einiger Verbände - ein verbindliches Ausbildungs-
und Weiterbildungskonzept?
Jeder Verband kocht sein eigenes Süppchen, aber keine einheitliche Linie, mit
der wir diesbezüglich unseren Kritikern begegnen könnten. Die Zertifizierung
nach Iso 9001, die hier hilfreich sein könnte, wird von den meisten Verbänden
noch gar nicht wahr genommen. Vielleicht erst dann, wenn der Zug wieder einmal
für uns abgefahren ist. Wir bemerken nicht einmal, dass Andere bereits an unserer
Ausbildung drehen. So wurde bereits vor Jahren klaglos hingenommen, dass aus
der Zulassung zu unserem Beruf - die Überprüfung, ob wir eine Gefahr für die
Volksgesundheit sind - eine medizinische Fachprüfung wurde, in der es um die
theoretische Lösung kniffliger Fangfragen geht, die mit unserem Berufsalltag
absolut nichts zu tun haben.
Am 16.10.06 wurde erneut von amtswegen die Prüfungsordnung geändert:
nur zwei Prüfungstermine im Jahr, Wiederholungen erst nach einem Jahr möglich.
Stellungnahmen zu diesem Thema sind nur von unseren Großverbänden bisher nicht
bekannt geworden. Ich will hier keineswegs der Massenproduktion von Hps das
Wort reden. Nach meiner Meinung regelt der Wettbewerb - Angebot und Nachfrage
- den Markt. Aber ich bin besorgt über die ständigen Versuche unserer Widersacher,
das HPG auszuhölen. Für mich ist z.B. ein glänzender Theoretiker noch längst
kein guter Hp, der es versteht, behutsam mit Menschen umzugehen und sie folglich
nicht gefährdet. So verstehe ich auch das HPG.
Dank der Seilschaften in Funktionärskreisen ist es uns immer noch nicht gelungen,
das Gutachterunwesen abzuschaffen, sondern nur etwas einzudämmen.
In diesem Zusammenhang ist es schon ein kleiner Lichtblick, dass der FDH seinen
"Obergutachter" nicht wieder zum Vizepräsidenten gewählt hat. Aber nun wird
der Ärmste zu seiner Existenzsicherung noch mehr "Bösachten" schreiben müssen.
Immerhin ist es ein sehr lukratives Geschäft, das sich mit Praxisarbeit nicht
auf- wiegen lässt. Untätig - bzw. erfolglos - blieb die große Präsidentenrunde
bisher bei den immer mehr um sich greifenden Leistungsverweigerungen der PKV
bei Hp-Liquidationen. Auch ohne "Bösachter" werden wahllos Leistungen gestrichen.
Besonders betroffen sind DKV-Patienten, denen sowohl GebüH-Positionen wie auch
Medikamente in einem Ausmaß gestrichen werden, dass es kaum noch lohnt, eine
Hp-Rechnung überhaupt einzureichen. Doch was soll uns die PKV nutzen, wenn sie
immer häufiger die Erstattung verweigert und damit unsere Patienten verärgert
oder gar vergrault. Da wäre längst ein Protest bei dem PKV-Dachverband oder
dem Gesundheitsministerium fällig gewesen. Gesicherte Leistungen bei der PKV
sollte ein Diskussionspunkt bei der "Gesundheits- reform" sein.
Zu dieser vermurksten Reform selbst möchte ich mich hier nicht weiter äußern.
Ich habe schon genug darüber geschrieben und leider recht behalten. Es geht
nicht um wirkliche Reformen, die verkrustete Strukturen aufbrechen, sondern
um ein maßloses Inkasso, um alle gierigen Lobbyisten, zu denen wir - leider
oder Gott sei Dank je nach Sicht der Dinge - nicht gehören, zu bedienen.Wenn
Frau Kühnast (Grüne) im Bundestag sagte: "Das ist eine Reformattrappe !" stimme
ich ihr ausnahmsweise einmal zu.
Wenn uns das Jahr schon so viel Negatives beschert hat, sollte aber doch die
Artigkeit erwähnt werden, in der Präsidenten miteinander umgehen. Da schrieb
ein Ex-Präsident für einen alten Kampfgefährten und noch regierenden Präsidenten
zum runden Geburtstag eine salbungsvolle Laudatio. Nannte ihn "edler Stabesmann"
und schätzte sich glücklich, ihm beim "Edelitaliener mit Tenorio und feinen
Speisen" die Hand schütteln zu dürfen. In seinem Lebenslauf entdeckte er nur
Positives, Verdienste über Verdienste. Doch jede Vita hat Licht und Schatten.
Ich musste bei ihm wohl letzteres mehr kennen gelernt haben. Trotzdem möchte
auch ich ihm zu seinem biblischen Alter gratulieren, wünsche ihm Gesundheit
und einen ruhigen beschaulichen Lebensabend im Ruhestand. Funktionär war er
nun lange genug, zu lange !
Lassen Sie uns das Negative im Jahresrückblick vergessen, bzw., sofern das möglich
ist, im neuen Jahr korrigieren. Wenn wir die Basis anregen können, aktiver an
der Berufspolitik teilzunehmen, hat unser Berufsstand durchaus eine Chance.
Die Mitarbeit von "unten" stärkt und fördert das Engagement "oben". Dann haben
auch wir die Chance einer Reform und können verkrustete Strukturen beseitigen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit, fröhliche Weihnachten
und einen guten Rutsch !