Liebe Mitglieder,
ich möchte Ihnen hier einen Satz des großen Präsidenten zitieren, den
er in seinem letzten Editorial veröffentlicht hat: „Ohne unseren Verband würde
es den Berufsstand längst nicht mehr geben. Und wer glaubt, Berufspolitik ohne
uns machen zu können, macht die Rechnung ohne den Wirt. Unsere Erfahrung, unsere
Stärke und unser Potential sind Garantien für die Berufspolitik mit Augenmass
und Weitsicht und bleiben dies bis zum Beweis des Gegenteils.“
Liebe Freunde, diesen Satz sollten Sie sich einmal genüsslich auf der Zunge
zergehen lassen und darüber nachdenken: was will uns der „große Meister“
damit wohl sagen?
Will er den Nicht-DDH-Mitgliedern Angst machen?
Oder will er nur nachdrücklich seine Kompetenz unterstreiche?
Fakt ist: der FDH ist bestens organisiert, finanziell gut ausgestattet, und
mit seiner Federführung in dem DDH hat er auch ein mächtiges Potential. Alles
bestens! Nur was macht er damit?! Zu wenig!!! Berufspolitik kann sich nicht
darin erschöpfen, dass sich profilierungssüchtige Spitzenfunktionäre stets selbst
loben oder beklagen, dass sie schon morgens um vier Uhr auf- stehen müssen,
um einen Flieger zu erreichen, der sie zur nächsten Tagung bringt.Dass sie dort
nur repräsentieren, dafür Anwesenheitsgeld und Spesen kassieren, wurde dabei
nicht erwähnt.
Wenn ich also diesen o.g. Satz lese, muss ich sagen: „Werter Herr Präsident
Zizmann, bei all der reichlichen Kompetenz, über die Sie verfügen, passiert
leider für den Berufsstand zu wenig, viel zu wenig!“
Nachdem ich mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert berufspolitisch tätig bin
und genau vor dieser Zeit meinen ersten „Bösachter-Prozess“ führte, weiss ich,
wovon ich rede. Als ich Sie als damals frisch gewählten FDH-Präsidenten auf
der Hp-Tagung in Düsseldorf kennen lernte, zählten Sie mich gleich zu den „Bösen“,
weil ich Ihren Vize und „Obergutachter“ F.K.K. angeprangert hatte. Damals schon
haben Sie Hp nach gut und böse unterteilt. Wären Sie aufgrund Ihrer Kompetenz
zur Integration fähig, gäbe es diesen Unterschied nicht. Vielmehr könnten alle
Hp eine große einvernehmliche Familie sein. Wir würden dann alle die gleiche
Sprache sprechen und in der Öffentlichkeit ein weitaus positiveres Bild
abgeben, als das jetzt der Fall ist. Wir haben doch schließlich alle das
gleiche Ziel: Wir möchten eine bestimmte Richtung der Medizin – die Naturheilkunde
– bewahren und zum Wohle der Patienten erfolgreich vertreten. Bewahren heißt,
auch dafür kämpfen!
Dies geschähe nicht nur im Sinne einer guten Patienten-Versorgung, sondern ebenso
zur Erhaltung unserer Existenz und zur Zukunftssicherung unseres Berufsstandes.
Diesen aber zu eliminieren, ist vielen uns unwohl gesonnenen Lobbyisten ein
Anliegen! Ständig werden wir bedrängt, mit irgendwelchen neuen Verordnungen,
mit denen man versucht, uns ganze Therapien weg- zunehmen (z.B. Neuraltherapie).
Oder man macht unsere Medikamente verschreibungspflichtig. Die Zulassungshürden
für Naturheilmittel werden immer höher gelegt, so dass die Industrie passen
muss. Folge: das Präparat fällt vom Markt.
Auch durch unsinnige Gesetze haben wir viele Medikamente verloren, z.B. durch
die Gesundheitsreform. Naturheilmittel waren nicht mehr verschreibungsfähig,
brachten nicht mehr die nötigen Umsätze, so dass sie eingestellt werden mussten.
Täglich erleben wir den Fortfall irgendwelcher Medikamente und befürchten, dass
man uns weitere Therapien wegnimmt. Nur hören wir dazu kein nachhaltiges Echo
aus der Präsidenten-Runde. Kein Machtwort des grossen Präsidenten an unsere
Politiker. Auch nicht vor der Wahl! Und jetzt, wo ein neues Kabinett gebildet
wird, kommt ebenfalls kein Vorschlag, wen wir als Gesundheitsminister wünschen
und wie man insgesamt die Gesundheitspolitik besser gestalten könnte. Wo z.B.
sind die Kontakte zu den neuen Abgeordneten?!
Bei all Ihrer reichlichen Kompetenz, werter Herr Präsident, die ich wirklich
nicht anzweifle, in der grossen Berufspolitik war sie bisher nicht zu spüren.
Unser Berufsstand wurde zu Zeiten der Kooperation, die einige profilsüchtige
Funktionäre mutwillig zerschlagen haben, in der Öffentlichkeit besser dargestellt.
Es bestand auch in dieser Zeit ein engerer Kontakt zu MdL und MdB, die für uns
Hp wichtig waren. Sie sehen also, dass ich Ihren markigen Sprüchen nicht folgen
kann, jedenfalls momentan noch nicht. Sie können mich aber überzeugen, indem
Sie den Beweis dafür antreten.
Einen Beweis zum Beispiel für Augenmass und Weitsicht. Beides sehe ich nicht
gegeben, solange Sie „Bösachter“, die der Kollegenschaft immensen wirtschaftlichen
Schaden zugefügt haben, decken und mit einer Präsidentin in den DDH zusammenarbeiten,
deren Hobby Abmahnungsklagen gegen Kollegen sind, die ebenfalls nur Schaden
anrichten. Sicherlich werden Sie sich auch erinnern können oder gar davon gewusst
haben, dass ein anderer inzwischen verstorbenener DDH Präsidenten seine Position
überwiegend dazu genutzt hat, sich persönlich zu bereichern. Es mag z.T. Vor
Ihrer Zeit als Präsident gewesen sein. Denn schon 1986 beschäftigte sich die
Presse mit diesen obskuren Finanzgeschäften zu Lasten seines Verbandes. Als
damaliger Rechnungsprüfer des VDH kann ich das nur bestätigen. Zum Augenmass
dürfte doch zunächst zählen, dass die Leitfiguren integer sind und den nötigen
Weitblick besitzen, ungetrübt von persönlichen Ambitionen.
Oft genug habe ich für die Einigkeit im Berufsstand plädiert und tue es immer
wieder. Nur als Rufer in der Wüste und Vertreter eines kleinen Verbandes finde
ich nicht das gleiche Gehör, wie das eines Präsidenten der Grossverbände. Wichtig
für die Einheit erscheint mir aber zunächst, dass wir die Kollegenschaft nicht
nach „gut“ und „böse“ unterscheiden, dass wir demokratische Spielregeln gelten
lassen und dass wir auch die KollegInnen anerkennen, die außerhalb der
DDH berufspolitisch tätig und erfolgreich sind. Jeder Hp sollte die Gelegenheit
haben, am Wohle unseres Berufsstandes mitzuarbeiten, ohne Ansehen seiner Verbandszugehörigkeit.
Ebenso sollte des jedem Hp überlassen bleiben, wie er seine Praxis zu führen
gedenkt.
Nach Beachtung der gesetzlichen Auflagen kann er sie organisieren, wie er möchte:
mit oder ohne Zertifizierung, mit oder ohne Internet-Werbung, mit oder ohne
spezielle Fachrichtung. Das sollte unsere Freiheit sein, von der der DDH-Präsident
Schmidt (FH) so gern redet.
Wir danken also dem FDH, dass es uns Hp überhaupt noch gibt. Wir sind auch überzeugt
davon, dass er über ein beträchtliches wirtschaftliches Potential verfügt, das
seinem Präsidenten eine weitreichende Kompetenz verleiht. Doch trotzdem möchten
wir in der augenblicklichen Situation Berufs- politik nicht nach seinen Spielregeln
machen, also ohne den Wirt! Unser kleiner Verband hat das Wohl der Mitglieder
und ihrer Patienten im Auge. Die wirtschaftliche Existenz der Praxen ist uns
wichtig. Dann bleiben wir zukunftsfähig, ganz gleich, wie die gro?e Politik
entscheidet. Auch die Mitglieder, die bisher unsere Hilfe nicht in Anspruch
nehmen mussten, helfen anderen mit der Zahlung ihrer Beiträge und ermöglichen
unserem Vorstand, dass er zum Wohle aller arbeiten kann.