Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 12/2002

Jetzt ist es nur noch kurze Zeit bis Weihnachten, im christlichen Abendland das Fest des Friedens und der Liebe. Ein Jahr geht wieder zu Ende, in dem die Menschheit von Nächstenliebe und Frieden nicht viel zu spüren bekam. Es war eher geprägt von Terror, Gewalt, Mord und Totschlag. Im Geburtsland Christi bekämpfen sich die Völker wie vor einigen tausend Jahren nach den Regeln des alten Testaments: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

In unserem Land war das Jahr geprägt vom Gezänk der Parteien im Wahlkampf, Arbeits- und Mutlosigkeit in weiten teilen der Bevölkerung, Flutkatastrophe und Wirtschaftsflaute. Außerdem ist unser Staat nahezu pleite. Leere Kassen lassen höhere Steuern befürchten. Der Aufschwung lässt auf sich warten (wenn er denn überhaupt kommt).

Aber trotz aller Horrormeldungen sollten wir die Adventszeit als Zeit der Besinnung nutzen, Frieden in uns finden und Nächstenliebe üben. In unserem Beruf ist letzteres eigentlich eine Selbstverständlichkeit., soweit es kranke Menschen betrifft. Darüber hinaus sind wir aber den Widerwärtigkeiten des Lebens genauso konfrontiert wie andere. Versuchen wir also gelassen, kompromissbereiter und großzügiger zu sein. So werde ich mich heute in meiner Kritik an Missständen zurückhalten.

Als mir aber ein Kollege unlängst sagte, es sei ihm aufgefallen, dass ich in meinen letzten Berichten nicht gegen das Gutachterunwesen "gewettert" hätte, konnte ich ihm nicht versprechen, dies auch künftig zu lassen. Vielmehr habe ich mir vorgenommen - und das gehört auch zu meinen Vorsätzen für das nächste Jahr - so lange es meine Kräfte und Möglichkeiten zulassen, ehrenamtlich für unseren Berufsstand zu arbeiten und der Kollegenschaft zu helfen, wo ich kann.

Dazu gehört natürlich auch, dass ich versuche, Schaden abzuwenden, auf Missstände und Versäumnisse hinzuweisen. Der größte Missstand, der auch noch großen materiellen Schaden bei den Betroffenen BehandlerInnen anrichtet, ist nun einmal das Gutachterunwesen, mit dem einige wenige zu unser aller Lasten viel Geld verdienen. Darüber werde ich auch künftig nicht schweigen wollen. Heute jedoch hoffe ich für Sie, dass Sie eine besinnliche Adventszeit haben mögen, in der Sie Kräfte sammeln und gute Vorsätze fassen für die Anforderungen, die im neuen Jahr auf uns zukommen.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches, erfolgreiches, vor allem aber friedliches neues Jahr.