Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 12/2003

...wenn Sie diese Zeilen lesen, ist das Jahresende nicht mehr fern. Wieder ist ein Jahr vergangen, in dem wir unsere Probleme im Wesentlichen nicht gelöst haben, weder allgemein in der Politik, noch insbesondere im Berufsstand.

In der Politik werden Reformen mit ständig neuen Horrormeldungen angekündigt. Die Überraschung bleibt für das neue Jahr. Für uns Hp tat sich gar nichts. Der Präsident des großen Verbandes sieht alles durch die rosarote Brille, wenn auch er sich von einigen Querulanten oder Lügnern unter seinen Mitgliedern gestört fühlt. Grundsätzlich ist für ihn aber alles paletti, Friede, Freude, Eierkuchen! Doch leider, leider ist dem nicht so! Wieder haben wir ein Jahr verstreichen lassen, ohne unsere Schularbeiten gemacht zu haben. Für Ausbildung, Fachfortbildung und Qualitätssicherung gibt es kein einheitliches Konzept. Jeder Verband kocht sein eigenes Süppchen. Es ist wie beim Turmbau zu Babel: Die Funktionäre reden wirr durcheinander und verstehen sich nicht! Wie eh und je! Außerdem ist der Berufsstand absolut nicht vorbereitet auf seine künftige Rolle in der EU. Dort wird es nämlich keine Hp geben.

Ebenso wenig sind wir vorbereitet auf die ständig härter werdenden wirtschaftlichen Bedingungen für unsere Praxen. Die konjunkturelle Flaute trifft auch uns. Wer seine Praxis nicht streng nach kaufmännischen Regeln führt, wird finanziell nicht überleben. Funktionäre, die uns als Profiteure der Gesundheitsreform sehen, setzen die falschen Signale. Begründen kann man das nur mit Praxisferne und Unkenntnis des Reformwerkes.

Es nähert sich auch Weihnachten, das große Fest der Christen, das Fest de Liebe und des Friedens. In diesem Jahr war der Frieden sparsam. Regionale Kriege, Terrorismus und Verfolgung bestimmten das Bild. Mit der Liebe der Menschen untereinander war es nicht weit her. Selbst in unserem Berufsstand sind Friede und Nächstenliebe Mangelware. Wiederholt musste ich darauf aufmerksam machen, dass Funktionäre gegeneinander die Gerichte bemüht haben, nur um die eigenen Fleischtöpfe zu sichern. "Präsidenten" mit eigenartigem Demokratieverständnis manipulieren die Wahlen ihrer Verbände. Eine andere "Präsidentin" bescheinigt einem altgedienten Mitglied, dass es eine Gefahr für die Volksgesundheit ist (nach 28 Praxisjahren). Ein anderer Vorsitzender versteht seine Führungsrolle als Ankläger seiner Mitglieder, wenn er im Internet nach Wettbewerbsverstößen fahndet. Statt aufzuklären, wird dann abkassiert. Wiederum ein anderer "Präsident" ist aus Altersschwäche, Krankheit oder Urlaub nie erreichbar und lässt seine Mitglieder mit ihren Praxisproblemen im Regen stehen.

Last not least, unser "Obergutachter", der nun endlich nach seinem Gespräch mit der DKV erkannt hat, dass es tatsächlich Abrechnungsprobleme mit der PKV gibt, "gutachtet" munter weiter, schont auch seine Kollegen nicht und untergräbt weiterhin seine Glaubwürdigkeit.

Ich könnte die Reihe dieser Missstände noch ellenlang fortsetzen. Ich werde auch nicht ruhen, sie immer wieder aufzuzeigen. Doch ich möchte heute in der besinnlichen Adventszeit den Wunsch äußern, dass wir künftig im Kollegenkreis netter miteinander umgehen. Schließlich sitzen wir alle in einem Boot. Das Überleben unseres Berufsstandes ist wichtig! Nur gemeinsam können wir ihn zukunftssicher machen. Querelen, Profilneurosen, Eifersüchteleien und Neidkomplexe müssen einfach aufhören. Wer als Funktionär in ein Ehrenamt gewählt wird, sollte es auch als solches begreifen und nicht nur auf Alimentierung aus der Verbandskasse schielen. Dies mag von mir ein frommer Wunsch sein, an den ich immer noch glauben möchte, denn die Hoffnung stirbt zuletzt!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

eine besinnliche Adventszeit,
ein gesegnetes Weihnachtsfest


und die Kraft, die Probleme zu meistern, die im neuen Jahr auf uns warten.