Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 12/2004

Die Adventszeit hat begonnen - eine Jahreszeit der stillen Besinnlichkeit. Wir sollen sie zum Anlass nehmen, Rückschau zu halten, Selbstkritik zu üben und durchaus Schlüsse zu ziehen, wie man seine Aufgaben im Neuen Jahr bewältigen will.

Selbstverständlich ist es schön, wenn man darüber hinaus im Dezember noch gut zu tun hat, damit man das nächste Jahr mit einem erfreulichen wirtschaftlichen Ergebnis abschließen kann.

Das wünsche ich jedem vom uns!

Allerdings, wenn ich in diesem Jahr auf meine Verbandsarbeit zurückblicke, weiß ich, dass es für viele von uns kein gutes Jahr war. Bei fast allen Mitgliedern ist der Wind im Existenzkampf schärfer geworden. Es mussten sogar Insolvenzen beklagt werden. Ebenso weisen schleppende Beitragszahlungen daraufhin, dass das Geld fester sitzt. Patienten zahlen schlecht. Inkasso-Verfahren haben zugenommen. Die PKV zahlt noch schlechter. Einige Versicherungs-Gesellschaften regulieren Hp-Rechnungen so gut wie gar nicht mehr. Post und Beihilfe haben ihre Erstattungen eingegrenzt. Geringverdienende können sich Hp-Therapien nicht mehr leisten.

Neben den pekuniären Einbrüchen zeigt sich, dass auch die "Gesundheitsreform" negative Auswirkungen auf unseren Beruf hat. Dass sie die Patienten in unsere Praxen strömen lässt, war lediglich das Wunschdenken einiger Funktionäre, denen der Bezug zu unserer täglichen Arbeit fehlt. Tatsächlich aber wird unser Therapie-Spielraum eingegrenzt, da nahezu Tag für Tag irgendwelche erprobten Medikamente vom Markt fallen. Warum?

Weil die Gesundheitspolitik vorschreibt, dass rezeptfreie Präparate von der GKV nicht mehr erstattet werden. Damit bringen sie keine Umsätze mehr und fallen aus dem Markt. Nach dem gewaltigen Aderlass in der Naturmedizin zum 1. Juli 2003 wird uns nun peu a peu das Handwerkszeug genommen.

Dieser wenig erfreuliche Rückblick wird noch angereichert durch Missstände, die wir uns selber schaffen oder einfach mutlos nicht abschaffen. Inzwischen weise ich seit zwei Jahrzehnten immer wieder darauf hin, dass einige wenige Gefälligkeitsgutachter, deren Namen und Positionen im Berufsstand mittlerweile jedem bekannt sein dürften, immer noch immensen wirtschaftlichen Schaden bei Patienten und Behandlern anrichten. In den zurückliegenden 20 Jahren ist er schier unermesslich geworden. Kein Spitzenfunktionär war bisher bereit, hier Abhilfe zu schaffen. Aber die Existenz vieler Praxen wurde zerstört.

Weiteres Versagen der Funktionäre großer Berufsstände sehe ich in der öffentlichkeitsarbeit. Statt unser Ansehen bei der Bevölkerung zu mehren und auf unsere medizinische Kompetenz hinzuweisen, lassen sie es zu oder sind sogar beteiligt, dass unser Berufsstand in der "Bild-Zeitung" als "Heiler-Hexer und Schamanen" verspottet und diskeditiert wird. Zu denken geben muss uns auch, dass seit Jahren die Zahl der Vollzeitpraxen konstant bleibt, obwohl mehrere tausend Anwärter jährlich überprüft werden und die Zulassung erhalten. Wohin orientiert sich dieser Nachwuchs? Zwar ist bekannt, dass sich Praxis-Eröffnungen und Schließungen die Waage halten. Aber da nach statistischen nur 20 Prozent der zugelassenen Hp eine Vollzeitpraxis betreibt, scheint sich hier unser Berufsbild zu ändern. Es kann aber nicht recht sein, wenn die Berufsausübung nicht mehr in repräsentativen Praxen, sondern irgendwo im Hinterzimmer geschieht. Bisher haben die großen Verbände versäumt, diese Entwicklung zu stoppen oder zu regulieren. Genauso wie sie das Problem Aus- und Weiterbildung vor sich hindümpeln lassen.

Es genügt einfach nicht, dass der oberste Funktionär des größten Verbandes nur immer sich selbst lobt und jegliche Kritik als "Majestätsbeleidigung" weinerlich beklagt. Gefragt ist vielmehr ein idealistisches Engagement, das sich an Erfolgen messen lässt. Nicht aber Postenschacher zur Selbstversorgung.

Wie sollten nun die guten Vorsätze für das kommende Jahr aussehen? Zunächst muss sich jeder einzelne von uns, wenn er seine Fehler oder Schwachstellen erkannt hat, bemühen, diese abzustellen. Es ist zu prüfen, ob das Praxis-Angebot den Wünschen der Patienten entspricht und ob es so aufgestellt ist, dass es den gewünschten Praxis-Umsatz garantiert. Das Betriebsergebnis muss ausgewertet werden, damit die Kosten nicht davon laufen. Denn mit "roten Zahlen" lässt sich keine Existenz sichern.

Sobald wir für unsere Praxis die Signale auf "grün" gestellt haben, wäre es wünschenswert, auch etwas Engagement in die Berufspolitik einzubringen. Die Funktionärsriege benötigt dringend frisches Blut. Die Verkrustung, die unseren Berufsstand erdrückt und seine Aktivitäten lähmt, muss aufgebrochen werden. Die vielen verdrängten Probleme müssen aufgearbeitet werden, möglichst mit frischen, unverbrauchten Kräften.

Wir sollten zum Jahresende Muße finden, über all diese Dinge einmal nachzudenken. Pläne schmieden ist angesagt. Unser kleiner Verband hilft Ihnen jederzeit gern, Weichen richtig zu stellen!