Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 12/2005

Die schwierigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen sind nun ausgestanden . Eines haben sie ganz deutlich gemacht: den Blick in den Finanzabgrund der Staatskasse. So pleite war der Staat noch nie! Jetzt hilft auch keine Kosmetik mehr, mit der Politstrategen aller Couleur immer die Wahrheit vor dem Wähler verborgen haben. Die Wahlparolen sind als "Schnee von gestern", enttarnt. Die Situation lässt sich weder schön reden noch schön rechnen. Nur Schadensbegrenzung ist zu erwarten, aber keine grundlegenden Reformen, die das Land nötig hat, um zu genesen. So wartet die Gesundheitsreform schon auf die nächste Reform. Die Rentenkasse ist leer, ebenso klamm ist die Pflegeversicherung. Die Arbeitslosigkeit bleibt unverändert hoch. Hartz IV läuft finanziell aus dem Ruder. Eine Regierung unter der angepeilten Koalition wird weder die Kraft noch die Macht haben, diese kritische Situation grundlegend zu ändern. Also müssen wir Bürger uns darauf einstellen, dass wir die Gürtel enger schnallen müssen, und zwar die eigenen, nicht die des Nachbarn.

So lebt auch unser Berufsstand nicht auf der Insel der Seligen. Wird das Geld knapper, kommt es bei uns ebenfalls zu Umsatzeinbußen, die die wirtschaftliche Konzeption mancher Praxis auf den Prüfstand stellen. Hinzu kommt, wenn der Kuchen kleiner wird, nehmen die Verteilungskämpfe an Heftigkeit zu. Die Lobbyisten treten auf den Plan. Wo diese angesiedelt sind, hat uns bereits die Gesundheitsreform vor Augen geführt. Dabei wird immer deutlicher: Wir Hp haben keine Lobby! Unser Berufsstand hat zwar viele Verbände und überproportional viele Funktionäre, aber keine Gemeinsamkeit, geschweige denn gemeinsame Imagepflege. Wir werden in der Politik gar nicht zur Kenntnis genommen und in der großen Koalition werden die Aussichten nicht besser. Zudem muss der Vorsitzende des größten Vereins, der zwar immer wieder gebetsmühlenartig behauptete, er pflege in Berlin den Kontakt zu namhaften Gesundheitspolitikern, nun zugeben, leider seien die, die er persönlich gekannt habe, nicht wieder gewählt worden oder aus anderen Gründen aus dem Bundestag ausgeschieden. Welch ein Armutszeugnis! Nun muss er, der bisher seit Amtsübernahme von damals bestandenen Kontakten profitiert hatte, die er nicht suchen musste, erst mal auf die Suche gehen. Dabei wird die Hierarchie, die für ihn wichtig wäre, gar nicht ausgetauscht(!). So aber wird er wohl wie bisher in Berlin ein "Nobody" bleiben. Ich bin zudem der Meinung, wir sollten uns nicht darauf verlassen, was andere eventuell für uns tun wollen, sondern bestehendeMöglichkeiten ausschöpfen. So könnten wir grundsätzlich durch nach ISO 9001 zertifizierte Praxen unser Image in der Öffentlichkeit deutlich verbessern. Praxen, die sich "gläsern" präsentieren und für jedermann einsehbar den Nachweis erbringen, dass mit Kompetenz hoch qualifizierte, Erfolg versprechende Naturheilkunde durchgeführt wird. Dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Es wird sich ein Berufsstand herauskristallisieren, den man in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung ernst nehmen wird, befreit vom Ruf der "Hexer, Heiler und Schamanen". Ebenso sind wir keine Esoteriker, sondern Mediziner, die die vielen Facetten der Naturheilkunde beherrschen, vor allem aber die Schwerpunkte, die wir in der Praxis setzen. Sobald wir das erreicht haben, ist unser Berufsstand - und damit auch unsere Existenz -zukunftssicher.

Gegen wenig freundliche Lobbyisten, die andere Interessen vertreten, werden wir uns immer wehren müssen. Mit diesen Bedrohungen unserer Existenz werden wir fertig, wenn wir ein gutes Fundament und schlüssige Konzepte haben und vor allem einig zusammenstehen. Mit der naturheilkundlichen Pharma-Industrie sollten wir engeren Schulterschluss üben. Denn wir sitzen beim Erhalt der Naturheilmittel in einem Boot. So sollten wir uns gemeinsam wehren und die Warnung der PKV und Stiftung Warentest vor "gefährlichen" Medikamenten, mit denen wir unsere Patienten angeblich zu Schaden bringen, entschieden widerlegen.

Selbst wenn es uns gelingt, unseren Berufsstand krisensicher zu machen, müssen wir stets auf der Hut bleiben, um mögliche Gefahren abzuwenden. Deshalb sollten wir die Besten von uns in Führungsämter wählen. Stellen Sie also Ihre Funktionäre auf den Prüfstand! Das wäre eine große Aufgabe, die im nächsten Jahr bei Wahlen anstehen würde. Jeder von uns hat es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten. Für dieses Jahr, das nun zu Ende geht, möchte ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen, sowie einen guten Start voller Elan ins Neue Jahr.