Die schwierigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen sind
nun ausgestanden . Eines haben sie ganz deutlich gemacht: den Blick in den Finanzabgrund
der Staatskasse. So pleite war der Staat noch nie! Jetzt hilft auch keine Kosmetik
mehr, mit der Politstrategen aller Couleur immer die Wahrheit vor dem Wähler
verborgen haben. Die Wahlparolen sind als "Schnee von gestern", enttarnt. Die
Situation lässt sich weder schön reden noch schön rechnen. Nur Schadensbegrenzung
ist zu erwarten, aber keine grundlegenden Reformen, die das Land nötig hat,
um zu genesen. So wartet die Gesundheitsreform schon auf die nächste Reform.
Die Rentenkasse ist leer, ebenso klamm ist die Pflegeversicherung. Die Arbeitslosigkeit
bleibt unverändert hoch. Hartz IV läuft finanziell aus dem Ruder. Eine Regierung
unter der angepeilten Koalition wird weder die Kraft noch die Macht haben, diese
kritische Situation grundlegend zu ändern. Also müssen wir Bürger uns darauf
einstellen, dass wir die Gürtel enger schnallen müssen, und zwar die eigenen,
nicht die des Nachbarn.
So lebt auch unser Berufsstand nicht auf der Insel der Seligen. Wird das Geld
knapper, kommt es bei uns ebenfalls zu Umsatzeinbußen, die die wirtschaftliche
Konzeption mancher Praxis auf den Prüfstand stellen. Hinzu kommt, wenn der Kuchen
kleiner wird, nehmen die Verteilungskämpfe an Heftigkeit zu. Die Lobbyisten
treten auf den Plan. Wo diese angesiedelt sind, hat uns bereits die Gesundheitsreform
vor Augen geführt. Dabei wird immer deutlicher: Wir Hp haben keine Lobby! Unser
Berufsstand hat zwar viele Verbände und überproportional viele Funktionäre,
aber keine Gemeinsamkeit, geschweige denn gemeinsame Imagepflege. Wir werden
in der Politik gar nicht zur Kenntnis genommen und in der großen Koalition werden
die Aussichten nicht besser. Zudem muss der Vorsitzende des größten Vereins,
der zwar immer wieder gebetsmühlenartig behauptete, er pflege in Berlin den
Kontakt zu namhaften Gesundheitspolitikern, nun zugeben, leider seien die, die
er persönlich gekannt habe, nicht wieder gewählt worden oder aus anderen Gründen
aus dem Bundestag ausgeschieden. Welch ein Armutszeugnis! Nun muss er, der bisher
seit Amtsübernahme von damals bestandenen Kontakten profitiert hatte, die er
nicht suchen musste, erst mal auf die Suche gehen. Dabei wird die Hierarchie,
die für ihn wichtig wäre, gar nicht ausgetauscht(!). So aber wird er wohl wie
bisher in Berlin ein "Nobody" bleiben. Ich bin zudem der Meinung, wir sollten
uns nicht darauf verlassen, was andere eventuell für uns tun wollen, sondern
bestehendeMöglichkeiten ausschöpfen. So könnten wir grundsätzlich durch nach
ISO 9001 zertifizierte Praxen unser Image in der Öffentlichkeit deutlich verbessern.
Praxen, die sich "gläsern" präsentieren und für jedermann einsehbar den Nachweis
erbringen, dass mit Kompetenz hoch qualifizierte, Erfolg versprechende Naturheilkunde
durchgeführt wird. Dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Es wird sich
ein Berufsstand herauskristallisieren, den man in der medizinischen Versorgung
der Bevölkerung ernst nehmen wird, befreit vom Ruf der "Hexer, Heiler und Schamanen".
Ebenso sind wir keine Esoteriker, sondern Mediziner, die die vielen Facetten
der Naturheilkunde beherrschen, vor allem aber die Schwerpunkte, die wir in
der Praxis setzen. Sobald wir das erreicht haben, ist unser Berufsstand - und
damit auch unsere Existenz -zukunftssicher.
Gegen wenig freundliche Lobbyisten, die andere Interessen vertreten, werden
wir uns immer wehren müssen. Mit diesen Bedrohungen unserer Existenz werden
wir fertig, wenn wir ein gutes Fundament und schlüssige Konzepte haben und vor
allem einig zusammenstehen. Mit der naturheilkundlichen Pharma-Industrie sollten
wir engeren Schulterschluss üben. Denn wir sitzen beim Erhalt der Naturheilmittel
in einem Boot. So sollten wir uns gemeinsam wehren und die Warnung der PKV und
Stiftung Warentest vor "gefährlichen" Medikamenten, mit denen wir unsere Patienten
angeblich zu Schaden bringen, entschieden widerlegen.
Selbst wenn es uns gelingt, unseren Berufsstand krisensicher zu machen, müssen
wir stets auf der Hut bleiben, um mögliche Gefahren abzuwenden. Deshalb sollten
wir die Besten von uns in Führungsämter wählen. Stellen Sie also Ihre Funktionäre
auf den Prüfstand! Das wäre eine große Aufgabe, die im nächsten Jahr bei Wahlen
anstehen würde. Jeder von uns hat es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten.
Für dieses Jahr, das nun zu Ende geht, möchte ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit
und ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen, sowie einen guten Start voller Elan
ins Neue Jahr.