Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1-2/2002

Rückblicke auf das alte Jahr sind inzwischen hinreichend gehalten worden. Auch an dieser Stelle. Lassen Sie uns eine vorsichtige Prognose wagen auf das neue Jahr.

Zunächst müssen wir dann die Feststellung treffen, dass wir viele ungelöste Probleme mit über den Jahreswechsel genommen haben. Sie werden uns weiterhin auf den Nägeln brennen. Man kann sie nicht länger wie bisher vor sich herschieben und hoffen, sie würden sich von selbst regeln.

Wenn wir zum Beispiel kein akzeptables Konzept für die Qualitätssicherung entwickeln, werden uns die Politiker eins verpassen, das uns dann sicherlich nicht gefällt und wohlmöglich unsere Therapiefreiheit einengt. Doch zur kontrollierten Fachfortbildung gehört zunächst als Grundstock eine fundierte einheitliche Ausbildung.

Aber dahin ist es auch noch ein weiter Weg, weil sich bislang unsere Funktionsträger darüber nicht einigen konnten. Bisher war es immer wieder verlockend, mit Hp-Schulen viel Geld zu verdienen. Fundierte Lerninhalte standen dabei nicht im Vordergrund. Qualitätsunterschiede unter diversen Schulen sind gravierend.

Von einem einheitlichen Ausbildungssystem sind sie weit entfernt. Es kann auch nicht die Lösung sein, wenn einzelne Verbände ihre Mitglieder zur kostenpflichtigen Fachfortbildung zwingen wollen. In dieser existenziellen Frage muss uns der gemeinsame Wurf gelingen. Also Funktionäre, setzt Euch an einen Tisch, vergesst Eure Verbandsrivalitäten und erarbeitet ein tragfähiges Konzept! Vergesst dabei nicht, die Pharmaindustrie mit einzubeziehen. Das Geld, das dort für Weiterbildung ausgegeben wird, könnte gebündelt nützlicher sein.

Für mich hat das neue Jahr bedrückend begonnen. Immer wieder muss ich mich gegen Versuche wehren, mir einen Maulkorb umzuhängen. Wenn Sie, liebe Leser meine Kritik an Missständen für ungerechtfertigt und unerträglich halten, so teilen Sie mir das bitte mit. Für jede aufbauende Kritik bin ich dankbar.

Es ist seit vielen Jahren mein ideelles Anliegen, der Kollegenschaft mit Rat und Tat zu helfen. In unzähligen Beratungen konnte ich bisher Hilfestellung leisten. Daher habe ich auch meine fundamentale Kenntnis vieler Missstände. Seit 17 Jahren setze ich mich mit dem unerträglichen Gutachterunwesen auseinander. Immer wieder musste ich dabei feststellen, wie sich Spitzenfunktionäre schützend vor die Gefälligkeitsgutachter stellten, warum auch immer. Dabei vergaßen die Herren "Präsidenten" sogar ihre gegenseitigen Antipathien. So erst kürzlich wieder einmal in dem Bestreben, mich mundtot zu machen. Sogar der Verlag unserer Zeitung und der Chefredakteur wurden deshalb mit Boykottdrohungen unter Druck gesetzt.

Maulkorb-Bestrebungen kommen momentan aber auch von einer Gesellschaft der PKV. Über den Verlauf dieses Verfahrens werde ich Ihnen zu gegebener Zeit berichten.

Die chaotische Gesundheitspolitik der derzeitigen Regierung lässt für unseren Berufsstand ebenfalls keine günstigen Prognosen zu.

Stellen wir uns nur einmal vor, wir sollten den Ärzten gleich künftig auch nur noch Wirkstoffe, aber nicht mehr unsere bewährten Arzneien verordnen dürfen!

Ein Hoffnungsschimmer bei allen düsteren Prophezeiungen könnte die Bundestagswahl sein. Hier ist jedoch jeder Einzelne von uns als Wähler gefordert. Stellen Sie die Bundestagsanwärter Ihrer Region auf den Prüfstand und fragen Sie nach deren gesundheitspolitischen Konzepten. Ich habe das im hiesigen Wahlkreis bereits mit Erfolg begonnen und die Parteienvertreter über unseren Berufsstand, über unsere Anliegen und Wünsche informiert. Es gab auch schon sehr interessante Gespräche.

Wenn Sie zu diesem Thema Fragen haben, helfen wir gern - auch mit Musterbriefen an die Wahlkandidaten.

Nach dem Motto "die Hoffnung stirbt zuletzt" hoffe ich dennoch auf ein erfolgreiches neues Jahr - insbesondere für unseren Berufsstand.