Das neue Jahr hat begonnen. Der Ausblick ist ringsum nicht rosig. Weltpolitisch ist die Kriegsgefahr keineswegs gebannt, eher gestiegen. Innenpolitisch steigen die Steuern, Preise
und auch die Arbeitslosigkeit. Das Geld wird knapper, der Konsum hinkt, die
Wirtschaftsprognosen sind pessimistisch. Die überwiegende Meinung der Bürger ebenso.
Berufspolitisch liegen wir hier durchaus im Trend. Wir haben keinen Grund zum Jubeln.
Viele ungelöste Probleme haben wir mit über den Jahreswechsel genommen, etliche davon
hausgemacht. Wenn die Aussage meines zuständigen Amtsarztes stimmt, zählt unser
Berufsstand 15.500 HeilpraktikerInnen. Davon haben angeblich nur 20 Prozent eine
Vollerwerbspraxis. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer von den Politikern oder
Parteien legt sich schon für 3.000 Berufsangehörige ins Zeug?! Seit Jahren bekommen
wir es nicht mehr fertig, den Berufsstand mit einer Stimme tatkräftig zu vertreten.
Die Politiker nehmen uns nicht (mehr) ernst. Wie sagte doch der frühere bayrische
Landtagspräsident Dr. Franz Heubl so nett: "Ihr Hp leistet gute Arbeit und habt berechtigte
Anliegen, aber man hört Euch nicht! Ihr müsst Eure Anliegen öffentlich und laut vortragen!"
Doch wie soll das gehen, wenn sich diejenigen, die sich als Spitzenfunktionäre verstehen,
verhalten wie beim Turmbau zu Babel. Jeder spricht eine andere Sprache, so dass uns Politiker
bereits geraten haben, zunächst einmal unter uns Einigkeit zu erzielen und erst dann
politische Ziele zu formulieren. Einfach peinlich!
An diesem Problem der Zerstrittenheit ist bisher ein einheitliches Ausbildungskonzept
gescheitert. Somit hängt auch die gezielte Fachfortbildung, die die Qualitätssicherung
gewährleistet, die man von uns fordern wird, in der Luft. Wie lange wollen wir diese
Angelegenheit noch auf die lange Bank schieben? Vermutlich bis die Gesundheitsministerkonferenz
der Länder uns eine Verordnung verpasst, die uns dann nicht schmecken wird.
Warum schauen wir nicht nach Bayern? Dort gehen nicht unbedingt die Uhren anders, aber
die bayrische Kollegenschaft hat ein tragbares Konzept, das man allgemein übernehmen
könnte. Bitten wir doch den FDH-Vorsitzenden Landesverband Bayern, Hp Uwe Sieber, seinen
Funktionärskollegen dieses Konzept einmal schmackhaft zu machen. Bei der KDH würde er
damit sicherlich offene Türen einlaufen. Vielleicht klingelt es dann auch bei den
übrigen Verbänden.
Noch wichtiger scheint mir, dass wir endlich Einfluss nehmen auf die gesundheitspolitischen
Entscheidungen der EU. Sonst fährt der Zug ohne uns ab uns stellt die Zukunft unseres
Berufsstandes in Frage. Ganz abgesehen davon, dass die Brüsseler Bürokraten keine deutschen
Hp wollen, kursieren Überlegungen, die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln zu harmonisieren.
Das bedeutet, dass ein Arzneimittel in allen Mitgliedsländern der EU verschreibungspflichtig wäre,
wenn es diesen Status in einem der Mitgliedsländer hat. In diesem Fall hätte der deutsche
Heilpraktiker nur noch begrenzten Zugang zum Arzneimittelmarkt. Uns würde ein Großteil
der Therapiemöglichkeiten genommen. Existenziell betroffen wäre auch die biologische
Pharmaindustrie. Es ist also allerhöchste Zeit, dass unser Berufsstand in Brüssel Gehör
findet. Aber wer hat die Kompetenz, uns dort nachhaltig zu vertreten?
Bis sich das ändert, halte ich es für meine Pflicht, auf die Gefahren für unseren
Berufsstand hinzuweisen. Damit khoffe ich, die Kollegenschaft motivieren zu können.
Jeder Einzelne muss sich engagieren, unsere Zukunft zu sichern. Insbesondere möchte ich
die Jüngeren unter uns ansprechen. Nur wenn wir gemeinsam den Blick für unsere Stärken
schärfen, können wir die Zukunft gestalten, wenn wir kreativ werden anstatt zu jammern
und in Mutlosigkeit zu verfallen, können wir die Probleme anpacken und werden wir die Tücken
des neuen Jahres meistern. Nur dann sehen wir Licht am Ende des Tunnels.