Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2002

Immer wieder kommt es zu Gerichtsurteilen, die wir, das Volk, nicht verstehen. So wurde zum Beispiel höchst richterlich entschieden, dass "Soldaten Mörder sind", obwohl diese zur Zeit als Friedensengel in alle Welt gesandt werden, um zu verhindern, dass sich Menschen auf dem Balkan, in Afghanistan und Somalia gegenseitig umbringen.

Eine andere Entscheidung verbannt das Kruzifix aus dem Klassenzimmer und das ausgerechnet in einem erzkatholischen Bundesland, weil es einem atheistischen Lehrer nicht gefällt.

Und ausgerechnet im christlichen Abendland gestattet unser höchstes Gericht den islamischen und jüdischen Ritus des "Schächtens". Jeder, der sich mit Medizin beschäftigt, weiß, wie unsere Mitgeschöpfe damit zu Tode gequält werden. Hier wird fremden Religionen Vorrang vor unserem Tierschutz eingeräumt.

Alle diese Entscheidungen verstehe ich nicht.

Wenn man heute mit einem Gerichtsverfahren befasst wird, sollte man an ein altes Sprichwort denken: "Vor Gericht und auf hoher See bist Du allein in Gottes Hand". Wir mussten nun die schmerzliche Erfahrung machen, dass uns "Gottes Hand" nicht gnädig war.

Unser Artikel "PKV und ihre Bösachter" hatte hohe Wellen geschlagen. Eine Versicherung fühlte sich besonders angesprochen und beantragte eine einstweilige Verfügung, mit der uns aufgelegt wurde, nicht mehr zu behaupten, die Klägerin hebele mit Gefälligkeitsgutachten zum wirschaftlichen Schaden ihrer Versicherungsnehmer den Versicherungsvertrag aus und betreibe dadurch Gewinnmaximierung.

Die uns vertretene Anwältin hatte keine Mühen und Kosten gescheut und war nach Nürnberg gereist, hatte drei Bösachten im Handgepäck, mit denen die Klägerin in zwei Fällen die Leistung verweigert hatte und die inzwischen klageanhängig sind.

Unser Vortrag stieß jedoch beim LG Nürnberg auf taube Ohren. Es war offensichtlich ein Heimspiel für die Klägerin. Der Senat wollte hierin keine erlaubte Meinungsäußerung sehen, sondern entschied nach dem UWG. Für uns völlig unverständlich, denn wir betreiben keinerlei Wettbewerb zur Klägerin.

So bedauerlich dieser Rückschlag momentan ist, wird er uns jedoch nicht daran hindern, unseren Mitgliedern weiterhin bei Erstattungsdifferenzen mit der PKV zu helfen. Unser Standpunkt zu dem leidigen Gutachterunwesen dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Wir werden weiterhin die Augen offen halten und Missstände anprangern.

Doch unter uns gesagt, wäre vieles einfacher und die Problematik der Gefälligkeitsgutachter gar kein Thema, wenn unsere Großverbände in den letzten 20 Jahren alle Ansätze zu diesem Missstand konsequent von vorn herein ausgemerzt hätten. Leider war das Gegenteil der Fall! Alle von uns schon namentlich erwähnten Bösachter genießen bis heute den Schutz und die Rückendeckung ihrer Präsidenten und üben teils selbst noch Funktionärstätigkeit aus.

Alle anderen Verbindungspräsidenten haben zum Gutachterunwesen ein gespaltenes Verhältnis. Sie mögen es (angeblich?) nicht, aber sie tun auch nichts dagegen. Eher sind sie geneigt, mir auch den Maulkorb zu verpassen. Ich muss sogar den Verdacht haben, dass sie auf Redaktion und Verlag unserer Zeitung "Einfluss" zu nehmen versuchen, um zu verhindern, dass ich die Bösachter weiter attackiere und Fehlverhalten von Funktionären aufdecke.

Über Missstände im Berufsstand spricht man einfach nicht, die deckt man eher mit dem Mäntelchen der Nächstenliebe zu.

Aber nicht mit mir!