Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2002

Mit seinem Artikel in der März-Ausgabe unserer Zeitung hat der geschätzte Kollege Abels, Vorsitzender KDH, mir aus der Seele gesprochen. Was ich seit Jahren immer wieder fordere, will auch er, nämlich fundierte Aus- und Weiterbildung auf hohem Niveau. Nur so ist unserem Berufsstand die Zukunft zu sichern. Nur so meistern wir die politischen Hürden, die uns die "Qualitätssicherung" bringen wird. Auch was ich seit Jahren beklage, spricht Kollege Abels an, die Zwietracht unter den Verbänden, die Eifersüchteleien unter den Funktionären. Unseren Gesprächspartnern in der Politik ist dies auch nicht verborgen geblieben. Sie betrachten es vielmehr als zwingende Notwendigkeit, dass ein so kleiner Berufsstand wie wir - ohne nennenswerte Lobby - wenigstens nach außen hin Einigkeit demonstriert und mit einer Zunge spricht.

Es ist müßig, darum zu streiten, warum sich einige der Verbände der damaligen Kooperation nun zum DDH zusammengeschlossen haben. Das bringt uns nicht weiter und sichert auch nicht unsere Zukunft. Doch Klarheit sollte darüber bestehen, dass nur die Einigung auf das beste Konzept unserem Berufsstand eine Überlebenschance bietet. Das Konzept der KDH ist gut und könnte durchaus als Diskussionsgrundlage dienen, wenn alle Verbände die ernste Absicht hätten, sich an einen Tisch zu setzen.

Ich freue mich, dass Kollege Abels eine solche Zusammenarbeit allen anderen Verbänden angeboten hat. Er hat es in sehr verbindlicher, ja freundschaftlicher Form getan. Da man mir nachsagt, dass ich mich da deutlicher ausdrücke und keine Blätter vor den Mund nehme, möchte ich hierzu meine Meinung nicht verhehlen. Zunächst müssten Funktionsträger, die bislang nur gemauert und intrigiert haben, ausgewechselt werden, bevor eine einigende Diskussionsrunde Erfolg haben kann. Es ist Sache der einzelnen Verbände, ihre Spitzenfunktionäre auf den Prüfstand zu stellen.

Unverbrauchte Kräfte mit Idealismus sind gefragt. Wer nach Versorgungspöstchen strebt, ist fehl am Platz. Schlimmer sind Profilneurosen, aber noch verheerender eigensüchtiges Gewinnstreben und dubiose Geschäfte zu Lasten der Kollegenschaft. Neues Blut brächte Mut zu Reformen. Funktionsträger müssen das Image des Berufsstandes in der Öffentlichkeit verbessern und nicht belasten.

Diese Forderung muss und werde ich immer wieder stellen. Nur wenn die Verbände die Messlatte akzeptieren, ist Erfolg im Einigungsbemühen in Sicht. Da ich selbst als "noch schaffender" Rentner keinerlei Ämter anstrebe, aber bereit bin, am Gelingen der großen Aufgabe mitzuarbeiten, werde ich mir stets erlauben, Versäumnisse und Missstände zu kritisieren - und zwar unverblümt und deutlich.