Mit seinem Artikel in der März-Ausgabe unserer Zeitung hat der geschätzte Kollege
Abels, Vorsitzender KDH, mir aus der Seele gesprochen. Was ich seit Jahren
immer wieder fordere, will auch er, nämlich fundierte Aus- und Weiterbildung
auf hohem Niveau. Nur so ist unserem Berufsstand die Zukunft zu sichern. Nur
so meistern wir die politischen Hürden, die uns die "Qualitätssicherung" bringen
wird. Auch was ich seit Jahren beklage, spricht Kollege Abels an, die Zwietracht
unter den Verbänden, die Eifersüchteleien unter den Funktionären. Unseren
Gesprächspartnern in der Politik ist dies auch nicht verborgen geblieben.
Sie betrachten es vielmehr als zwingende Notwendigkeit, dass ein so kleiner
Berufsstand wie wir - ohne nennenswerte Lobby - wenigstens nach außen
hin Einigkeit demonstriert und mit einer Zunge spricht.
Es ist müßig, darum zu streiten, warum sich einige der Verbände der damaligen
Kooperation nun zum DDH zusammengeschlossen haben. Das bringt uns nicht weiter
und sichert auch nicht unsere Zukunft. Doch Klarheit sollte darüber bestehen, dass
nur die Einigung auf das beste Konzept unserem Berufsstand eine Überlebenschance
bietet. Das Konzept der KDH ist gut und könnte durchaus als Diskussionsgrundlage
dienen, wenn alle Verbände die ernste Absicht hätten, sich an einen Tisch zu
setzen.
Ich freue mich, dass Kollege Abels eine solche Zusammenarbeit allen anderen
Verbänden angeboten hat. Er hat es in sehr verbindlicher, ja freundschaftlicher
Form getan. Da man mir nachsagt, dass ich mich da deutlicher ausdrücke und keine
Blätter vor den Mund nehme, möchte ich hierzu meine Meinung nicht verhehlen.
Zunächst müssten Funktionsträger, die bislang nur gemauert und intrigiert
haben, ausgewechselt werden, bevor eine einigende Diskussionsrunde Erfolg haben
kann. Es ist Sache der einzelnen Verbände, ihre Spitzenfunktionäre auf
den Prüfstand zu stellen.
Unverbrauchte Kräfte mit Idealismus sind gefragt. Wer nach Versorgungspöstchen
strebt, ist fehl am Platz. Schlimmer sind Profilneurosen, aber noch verheerender
eigensüchtiges Gewinnstreben und dubiose Geschäfte zu Lasten der Kollegenschaft.
Neues Blut brächte Mut zu Reformen. Funktionsträger müssen das Image des
Berufsstandes in der Öffentlichkeit verbessern und nicht belasten.
Diese Forderung muss und werde ich immer wieder stellen. Nur wenn die Verbände
die Messlatte akzeptieren, ist Erfolg im Einigungsbemühen in Sicht. Da ich selbst
als "noch schaffender" Rentner keinerlei Ämter anstrebe, aber bereit bin, am
Gelingen der großen Aufgabe mitzuarbeiten, werde ich mir stets erlauben,
Versäumnisse und Missstände zu kritisieren - und zwar unverblümt und deutlich.