Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2003

Es ist für mich immer wieder erbaulich, die Ansprachen des um unseren Berufsstand so unermüdlich tätigen FDH-Präsidenten zu lesen. Seine beruhigenden Worte tun richtig gut. Im Berufsstand ist also alles in bester Ordnung. Oh, wie geht es uns doch gut! Keine Existenzsorgen, gute Kontakte zu allen Politikern weit und breit. Nur die radikale Zusammenstreichung unserer Präparate schien ihm etwas misslich.

Das kann nur eine Ursache haben: Wahrscheinlich sieht er eine Praxis nicht mehr von innen, sonst müsste ihm Angst werden bei den Streichungslisten der Pharma-Hersteller, die uns jeden Tag ins Haus flattern. Es würde mich freuen, wenn der "Herr Präsident" neuerdings Zugang bei den für Gesundheitsfragen zuständigen und einflussreichen Politikern hätte. Bisher galt er sowohl in Berlin,als auch in Brüssel als "Nobody". Wer sind denn dort, wo wir ein starke Lobby brauchten, seine Ansprechpartner? Und für wen spricht er dort, für den FDH, die DDH oder für uns alle? Wenn aber für den gesamten Berufsstand, warum werden dann die BehandlerInnen an der Basis nicht hinreichend informiert? Schließlich geht es doch um wirtschaftliche Existenzen.

Rückmeldungen von der Basis, die bei mir ankommen, klingen nicht zufrieden, drücken eher Zukunftsängste aus. Ich bin der Ansicht, dass es die falsche Form von PR-Arbeit ist, die Kollegenschaft immer nur zu beschwichtigen. Man sollte sie vielmehr auf die Fußangeln, die uns drohen, realistisch vorbereiten, damit jeder in der Lage ist, entsprechend Vorsorge zu treffen.

Die Wirtschaftlichkeit unserer Praxen dürfte dabei im Vordergrund stehen. Wir wollen zwar helfen und heilen, wir müssen aber auch davon leben. Wenn der Städtetag fordert, auch die freien Berufe zur Gewerbesteuer heranzuziehen, betrifft das auch uns. Proteste der Ärzte und Anwälte sind in Berlin schon laut geworden, aber unsere Funktionäre schweigen - wieder einmal!

Immerhin hat der FDH-Präsident erkannt, dass es Abrechnungsprobleme mit den PKV gibt, mit der Beihilfe höchst selten. Aber es ist damit zu rechnen, dass Vater Staat angesichts leerer Kassen diese Versorgung seiner Beamten einstellt. Die Kommission Rürup fordert bereits, auch Beamte in Pflichtversicherungen aufzunehmen und die PKV aufzulösen. Eine solche "Reform" träfe uns ins Mark!

Generell stünde es den "Spitzen"funktionären besser an, wenn sie mehr Mut zur Ehrlichkeit hätten, ihre Mitglieder aufrichtiger mit der Realität vertraut machen und Hilfestellung gewähren würden, die benötigt wird, um die Zukunft zu sichern.