Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 6/2002

Als ich vor einigen Wochen an dieser Stelle den behandelnden KollegInnen geraten habe, in allen Liquidationen die DM-GebüH-Positionen korrekt nach dem Umrechnungskurs in Euro auszustellen, erregte meine Meinung den Unmut der sogenannten "Gebührenkommission DDH". Einer der Funktionäre schrieb mir eine deftige Rüge, unterstellte mir absolute Unkenntnis, wollte mir aber behilflich sein, den aktuellen Kenntnisstand zu erreichen. Aber wie sieht dieser nun aus? Der Kollege Funktionär hat es zunächst nicht verraten.

Wer schon lange genug im Beruf ist, kann sich vielleicht an die Geburtsschwierigkeiten des GebüH `85 erinnern. Vorausgegangen war damals eine Befragung aller BehandlerInnen. Aus dem Umfrageergebnis wurden die GebüH-Positionen zusammengestellt und den Behörden vorgelegt. Durch den Einsatz engagierter Funktionäre wie des damaligen Vorstandssprechers der Kooperation Deutscher Heilpraktikerverbände, Karl F. Liebau, und des qualifizierten damaligen Generalsekretärs der Kooperation, Klaus Schwarzbach, stimmte das Kartellamt schließlich zu und verfügte eine Duldung. PKV und Beihilfestellen sind seither bereit, auf dieser Basis abzurechnen.

Bitte bedenken sie also, wir haben keine Gebührenordnung, sondern lediglich ein Gebühren-VERZEICHNIS, das letztendlich unverbindlich ist.

Das Bundeskartellamt teilte mir jetzt auf Anfrage mit, dass es "die Umrechnung der bisherigen DM-Beträge in Euro" und "bei krummen Umrechnungsbeträgen Ab- bzw. Aufrundungen auf jeweils 50 Cent" dulden will. Also das, was ich schon immer vertreten habe.

Außerdem ist es zum augenblicklichen Zeitpunkt, wo täglich in den Medien zu vernehmen ist, dass der Euro ein Teuro ist, psychologisch unklug, unsere GebüH-Positionen anzuheben. Dasselbe Ungeschick hatte die "Gebührenkommission DDH" ja auch schon mit der LVH `96 bewiesen, die als Rohrkrepierer endete und - amtlicherseits verfügt - eingezogen werden musste.

Eigentlich sollte der selbst ernannte heutige "Obergutachter", der dieser Kommission angehört, es also besser wissen. Schließlich hat er damals in seiner Position als FDH-Vizepräsident an den Vorgängen um das GebüH 85 beteiligt und sollte sich an das schwierige Procedere noch erinnern können. Damals ließen sich allerdings die Tätigkeit als "Obergutachter" und Gebührenkommissar noch nicht mit der Funktionärstätigkeit vereinbaren, wie der Bock nicht den Gärtner ersetzen kann. Die Zeiten haben sich gewandelt.

Weil ich dazu seit 17 Jahren deutlich meine Meinung sage, habe ich nun wieder einmal eine Klageandrohung. Bisher haben die Gerichte mir Recht gegeben, aber gelernt hat der Kläger daraus nichts. Schade, denn so macht man keine positive Berufspolitik.

Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, den ich stets nachhaltig vertreten werde, dass sich eine hohe Funktionärsstellung mit "Gutachterei" nicht vereinbaren lässt. Ein Verbandsvorsitzender und Vizepräsident hat die Interessen seiner Mitglieder zu wahren und sie nicht durch seine "Gutachterei" negativ zu beeinflussen. Diese Meinung werde ich auch trotz Prozessandrohungen nicht ändern.