Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 6/2003

Wie Sie vielleicht wissen, beschäftige ich mich im Verband neben der Geschäftsführung hauptsächlich mit Leistungsdifferenzen bei der PKV. Dazu zählt natürlich auch, dass ich zunächst die strittigen Liquidationen unserer Mitglieder prüfe. Leider kommt es immer wieder einmal vor, dass eine Rechnung Fehler aufweist. Aber nicht, weil sich der/die Behandler(in) einen geldwerten Vorteil verschaffen wollte, sondern weil er in Abrechnungsfragen nicht sattelfest war. Es ist selbstverständlich, dass her Aufklärung erfolgt, um künftig Fehler zu vermeiden. Wenn wir jedoch davon überzeugt sind, dass Diagnose und Therapie übereinstimmen und die Abrechnung der GebüH entspricht, raten wir stets zur Durchsetzung der Forderung. Der erste Kontakt zur Versicherung läuft über unsere Geschäftsstelle. Steht eine Klage an und der Patient ist dazu bereit, schalten wir unsere Rechtsanwälte ein. Bislang eigentlich immer mit Erfolg, wenn man von einigen wenigen Vergleichen absieht. Wir raten jedoch nie zum Vergleich, weil dies die billigste Variante der Versicherung ist zu bezahlen. Außerdem muss der VN bei der nächsten Rechnung mit Abstrichen rechnen.

Für den Verband mache ich diese Arbeit jetzt zehn Jahre, aber mein erster belegbarer Kontakt mit "Bösachtern" reicht 18 Jahre zurück. Deshalb dürfen Sie mir abnehmen, wenn ich das Gutachterunwesen in unserem Berufsstand anklage, dass ich weiß, wovon ich rede. Unser Archiv mit Gefälligkeitsgutachten umfasst etliche Ordner. Überwiegend sind Autoren, die ich Ihnen immer wieder benannt habe.

Inzwischen sind zwei dieser Herren beruflich nicht mehr tätig und schreiben als Hp-Rentner nu noch "Gutachten". Einer von ihnen eröffnete sogar die "Gutachterstelle Mittenwald" und dokumentiert damit seine absolute wirtschaftliche Abhängigkeit von der PKV.

Nachdem ich über fast zwei Jahrzehnte mit meinem Protest gegen das Gutachterunwesen bei allen Spitzenfunktionären vor verschlossene Türen gelaufen und nur auf Unverständnis gestoßen war, muss ich jetzt in der Zeitung "Wir", Fachorgan der FH, lesen, dass sich ausgerechnet "Obergutachter" K.-F. König zu diesem Thema äußert. Leider immer noch! Gerade ihm hat es der Berufsstand zu verdanken, dass zum Beispiel die oben genannten Herren noch immer ihr Unwesen treiben können. Schon 1986 hat er per "Obergutachten" die Pamphlete von Herrn Weninger vor Gericht zu rechtfertigen versucht (Beleg in unserem Archiv) und vertritt in seinem Artikel noch heute eine Mindermeinung hinsichtlich der Injektionstherapien, die nicht Allgemeingut der Gutachterei werden dürfen. Gerade zum Thema Parenteralia aus Praxisbeständen gibt es seit 6/90 ein allgemein gültiges OLG-Urteil.

Wenn aber ein Unbelehrbarer qualifizierte Gutachter ausbilden will, vermag ich mir nicht auszumalen, dass dabei eine Wohltat für den Berufsstand herauskommen kann. Sofern an dem besagten Gutachtertreffen in Düsseldorf auch noch interessierte Verbandspräsidenten teilgenommen haben, muss ich mich wirklich fragen, wann endlich(?) machen diese Funktionsträger, die doch gewählt sind, die Interessen des Berufsstandes - auch die wirtschaftlichen - zu vertreten, dem Gutachterspuk ein Ende?!!

Es ist mein Wunsch seit Jahr und Tag, liebe KollegInnen, dass Sie Ihre Liquidationen so schreiben, wie unser renommierter Kollege Werner Vogt es empfiehlt und wünsche ganz besonders, dass sie auch nach seinen Empfehlungen geprüft und abgerechnet werden. Ob die Herren "Gutachter" sein Buch "Honorar und Leistung" schon einmal gelesen haben? Wenn ja, dürfte es aus eigenen Reihen keine bösartigen Pamphlete gegen BehandlerInnen mehr geben. Das Liquidationsklima würde deutlich besser, ebenso das Verhältnis zur PKV - und auf meinem Schreibtisch nähme die Arbeit ab.