Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2002

Von meinem Besuch auf dem HP-Tag in Düsseldorf habe ich viele Eindrücke mitgebracht.

Zunächst möchte ich anmerken, dass diese Großveranstaltung der KDH im Messe-Zentrum wieder ein Erfolg war. Die Besucher strömten zahlreich. Gut bestückt war auch die Ausstellung. Alle namhaften biologischen Arzneimittelhersteller waren vertreten. Gut besucht waren die Fachvorträge.

Aber vor allem fand die Podiumsdiskussion über die Gesundheitspolitik großes Interesse. Allein schon die Anwesenheit des derzeit sehr umstrittenen FDP-Politikers Möllemann lockte die Leute. Er war es auch, der in seinem kurzen Antrittsreferat die grundsätzlichen Akzente setzte. Die beiden anderen zur Diskussion erschienenen Politiker MdB Dr. Bauer (CDU) und MdL Bischoff (SPD) hatten ebenso Gelegenheit, vorab ein Statement abzugeben. Selbst wenn man bedenkt, dass sich diese drei Herren z.Z. im Wahlkampf befinden und deshalb nicht zimperlich im Schlagabtausch waren, konnte man aus den vielen Phrasen doch die politische Richtung der Parteien heraushören.

So zählte Dr. Bauer die Missstände der derzeitigen Gesundheitspolitik auf, erinnerte an die Amtsführung des Herrn Seehofer, beklagte den Raubbau an unseren Medikamenten, versicherte der Heilpraktikerschaft, dass die CDU ihre Existenz sichern wolle und appellierte an die Wähler, dass man mit ihrem Auftrag alles ändern und verbessern wolle.

Der SPD-Redner ließ in seinem Referat ein sehr distanziertes Verhältnis zu unserem Berufsstand erkennen. Bedarf für Änderungen sah er nicht. Im Gegensatz zu Dr. Bauer, von Beruf Apotheker und Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages, schien ihm auch das Detailwissen zu fehlen, was sich ebenfalls in der Diskussion immer wieder bemerkbar machte.

FDP-Redner Möllemann, schon mehrfach in der Vergangenheit eingeladen, hatte nun endlich Zeit für uns Hp und machte nicht nur Sprüche. Sein Kurzreferat hatte Visionen für die Zukunft. Diese Visionen in praktische Politik umzusetzen, hieße jedoch, bei der Wahl umzusteuern. Mit "Rot-Grün" ließe sich das Programm nicht machen. Dagegen lagen seine Vorstellungen mit denen Dr. Bauers eng beieinander. Beide sehen, dass das derzeitige Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt, ein undurchsichtiges Reglement mit absoluter Bevormundung des Bürgers, das sich nicht bewährt hat, unbezahlbar geworden ist und keinerlei Zukunftschancen hat.

Das Votum der Bevölkerung wurde in den letzten Jahren immer wieder übergangen. Hier ist Änderung angesagt., indem man die Eigeninitiative der Patienten stärkt. Möllemann hält auch einen Wettbewerb zwischen Schul- und Naturmedizin, zwischen GKV und PKV für angezeigt, denn Wettbewerb senkt Kosten. Listenmedizin, ob positiv oder negativ, lehnt er strikt ab. Er war es auch, der in seinem Referat die Probleme unseres Berufsstandes am besten erkannt hatte und Mithilfe bei der Lösung angeboten hat.

Ob er sich nur wahltaktisch auf unsere Veranstaltung gut vorbereitet hat oder es ernst meint, wird sich zeigen, wenn das Wahlergebnis eine Wende in der Gesundheitspolitik zulässt.

Ich möchte an dieser Stelle keine Wahlpropaganda betreiben, aber ich will doch - wie schon so oft - daran erinnern, dass wir als Wähler - wenigstens alle vier Jahre - über unsere Zukunft bestimmen. Fragen Sie deshalb Ihre Kandidaten für den Bundestag nach ihrer Einstellung in Gesundheitsfragen und fällen Sie dann die richtige Entscheidung.