Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2003

Wenn auf dem Hp-Kongress in Karlsruhe ein Funktionär unseres Verbandes die Gesundheitsreform als Gewinn für uns Hp erkannt hat ("...die Reform treibt uns die Patienten direkt in die Praxen..."), muss ich für meine Praxis feststellen, dass der Patienten-Strom hier noch nicht angekommen ist. Auch bei den täglichen Telefonaten mit KollegInnen habe ich bis heute nicht den Eindruck gewinnen können, dass allgemein "ein positiver Kundentrend" festzustellen ist. Im Gegenteil, seit Einführung des Euro stagnieren die Praxisumsätze oder sind gar rückläufig, der Euro sitzt fest oder wird festgehalten. Das Geld sitzt einfach nicht locker. Das zeigt sich auch im bedenklichen Anwachsen der Außenstände in unseren Praxen, die vielfach nicht einzutreiben sind. Ich kann deshalb immer nur wieder dazu raten, bei jeder Behandlung gleich abzurechnen. Entsprechende Preislisten sollten im Wartezimmer ausliegen.

Doch zurück zur Gesundheitsreform. Wo mag dieser Funktionär sie wohl erblickt haben? Bis heute haben die Vertreter von Regierung und Opposition nicht einmal eine Vision, geschweige denn ein Konzept vorgelegt! Und aus der Gerüchteküche kommen täglich neue Horrormeldungen, aber doch keine Reform! Bisher wird lediglich an den Ausgaben herumgebastelt. Eine Streichliste jagt die nächste. Auch wenn man Ärzte, Apotheker und Pharma-Industrie zur Ader lassen möchte, der Patient ist immer der Dumme, der nach Umfrageergebnissen andererseits durchaus bereit ist, sich an seinen Krankheitskosten angemessen zu beteiligen. Insofern liegen auch die Politiker, die Tag für Tag mehr Eigenvorsorge anmahnen, nicht unbedingt daneben.

Nur von der Heilpraktiker-Führungs"elite" hört man zu diesem Thema, das uns doch eigentlich entgegenkommt, nichts. Keine vollmundigen Funktionärssprüche, die neben der Sache liegen, helfen weiter, sondern gezielte PR-Arbeit. Das Geld dafür ist in den großen Verbänden vorhanden, sofern es nicht zweckentfremdet wird für großzügige Pöstchenhonorierung und unsinnige Prozesse. Was die Politik fordert und wozu der Patient bereit ist, betreiben wir Hp seit Jahr und Tag: Eigenleistung unserer Patienten bei Behandlungen im Krankheitsfall. Dadurch sind wir ein wichtiges Standbein in der Gesundheitspolitik unseres Staates.

Aber wir sollten dies auch lautstark deutlich machen, so dass Gesundheits-Super-Ministerin, Politiker aller Farben, die EU-Administration und die Bevölkerung davon gebührend Notiz nehmen (müssen). Es darf nicht passieren, dass wir durch nationale Fehlentscheidungen und eine EU-Strategie an die Wand gedrückt werden. Wenn die Bevölkerung schon Krankheit selbst finanzieren soll und will, kann sie bei uns die notwendige Hilfe finden. Aber das muss entsprechend publik gemacht werden. Eigentlich im Medienzeitalter kein Problem, allerdings nicht mit Sprüchen, sondern nur mit einem hieb- und stichfesten Konzept.